KAPITEL 1
DIE GOLDENE JUGEND
Ein warmer Sommerabend. Aus der Ferne kommen zwei sportliche, 14-jährige Jungen angelaufen. Sie laufen eilig über eine kaum befahrene Straße der amerikanischen Kleinstadt Little Village.
Einer der Jungen hat wasserstoff-blonde Haare und eine auffällig helle, fast schon bleiche Haut. Sein Name ist Aaron.
Jake, der andere Junge, sieht Aaron sehr ähnlich. Seine Haare sind jedoch braun und seine Haut deutlich dunkler. Man könnte Jakes Hautfarbe nicht als gebräunt bezeichnen und dennoch wirkt Jake neben Aaron, als wäre er die letzten drei Monate auf einer Karibikrundreise gewesen, so kreideweiß ist Aaron.
Die meisten Häuser in Little Village sind alt und wirken verwahrlost. Als würden nur Geister die Stadt bewohnen, die sich zufällig alle nicht um ihre Grundstücke kümmern.
Die beiden Jungen tragen Sportbeutel auf ihren Rücken und spielen sich im Laufen freudig einen Fußball hin und her: Jake spielt den Ball zu Aaron. Aaron zurück zu Jake. Diesmal fängt Jake den Ball.
»Schnell, bevor Mister Thomson uns wieder erwischt«, ruft Jake zu Aaron, bevor sie auf das Grundstück eines heruntergekommenen Waisenheims abbiegen.
Seit sie denken können, sind Aaron und Jake die dicksten Freunde, die man sich nur vorstellen kann. Auch ihre Eltern waren schon befreundet, starben jedoch vor dreizehn Jahren an einem schwül-warmen Tag auf einem gemeinsamen Ausflug. Dadurch, dass sie seither gemeinsam im Waisenheim leben, sind Jake und Aaron heute wie Brüder füreinander. Zwar nicht biologisch, aber im Geiste. Fünfundneunzig Prozent ihrer Tageszeit verbringen sie miteinander.
Im Heim sind die Lebensverhältnisse dabei