Große Teile unserer westlichen Gesellschaft leben heute in der Vorstellung, dass unser Intellekt unsere wichtigste Fähigkeit sei. Kinder werden von klein an auf Leistung geschult, in ihrer kognitiven Wahrnehmung gefördert und dementsprechend bewertet. Auch ich bin so aufgewachsen, in einer Familie, die zumindest mütterlicherseits dem konservativen Bildungsbürgertum entstammt (in dem man traditionell Töchtern Bildung angedeihen lässt, damit sie ihrem Ehegatten „angemessene Gesprächspartnerinnen“ sein sollen) und mit Lehrern, die aus dem Schulbetrieb (als Schüler / Studenten) in den Schulbetrieb (als Lehrer) wechselnd, ihren Schülern vermittelten, dass der Intellekt die beste Qualität des Menschen sei. Als ich die Schule verließ fühlte ich mich, als hätte ich einen riesigen, rechteckigen Wasserkopf und mein Körper darunter wäre nur das Gestell, das ihn trägt ...
Natürlich kann es in unserer leistungsorientierten Gesellschaftsstruktur Vorteile haben intelligent oder gebildet zu sein – mit persönlichem Glück und Lebensfreude hat dies jedoch nichts zu tun. Leben bedeutet fühlen. Wenn ich nicht in der Lage bin, meine Gefühle wahrzunehmen, sie zu äußern, nach ihnen zu handeln, dann kann ich mich an meinem Leben nicht freuen: Denn woher soll ich wissen, was ich mir wünsche, wenn ich nicht fühlen kann, was mir Freude macht?
Unsere mentalen Fähigkeiten sind hilfreich aber begrenzt: Unser Verstand sortiert und bewertet unsere Erfahrungen und zieht Schlüsse daraus. Weil wir jedoch alle in unseren Mustern verhaftet sind, ist die Bewertung unseres Verstandes voreingenommen: Manche Erfahrung verdrängt er (das kann er so gut, dass wir tatsächlich glauben, diese Erfahrung nie gemacht zu haben), andere verändert er so, dass sie ihm erträglicher erscheinen. Er passt sie seinem Weltbild an, ohne dass wir dies bemerken. In vielen Fällen argumentieren wir aus Angst, ohne dass uns dies bewuss