In der Tiefe der Zeit – Vierte Geschichte: Helga Sommer
Der Tisch stand gedeckt wie eine Behauptung. Weiße Teller auf gebügeltem Leinen, die Gläser im Halbkreis, die Löffel spiegelblank und so ausgerichtet, dass die Griffe eine unsichtbare Linie bildeten. In der Mitte eine kleine Vase mit drei Nelken, vorsichtig auf die gleiche Höhe gekürzt. Helga trat einen Schritt zurück und prüfte die Symmetrie. Sie schob eine Gabel um einen Millimeter nach links. Dann noch einen. Jetzt stimmte es.
In der Küche simmerte die Suppe – dunkles Rind mit Wurzelgemüse, Lorbeer, Geduld. Der Dampf beschlug die Fensterscheiben und setzte sich wie ein Schleier auf die Fliesen, auf die Töpfe, auf ihr Gesicht. Helga wischte ihn ab, drehte die Flamme ein wenig kleiner und strich sich die Bluse glatt. Blau, fein gemustert, seit Jahr