Vielleicht war es bei einer Ausstellung, dass mir diese Sätze in die Augen fielen, vielleicht las ich sie in einer Zeitung, als ich noch öfters im Kaffeehaus saß. Oder in einem Buch. Es muss noch zuzeiten gewesen sein, als es kein Handy gab, sonst hätte ich das Zitat fotografiert und womöglich vergessen. So habe ich sie abgeschrieben und die Notiz immer und immer wieder neu bei jedem der vielen Umzüge an die magnetische Pinnwand geheftet, auf der für mich Wichtiges und Wertvolles hängt: „Schon als Kinder kannten wir keine Welt ohne Krieg, die Welt des Krieges war die einzige Welt, und die Menschen des Krieges die einzigen Menschen, denen wir begegneten. Ich kenne auch heute keine andere Welt und keine anderen Menschen. Hat es sie je gegeben?“
Im Internet sind diese Zeilen nicht zu finden, ich weiß nicht, wer sie schrieb, ich weiß nicht, in welchem Land sie geschrieben wurden und wann. Heute ist wissenschaftlich erwiesen, was in den 1990er- und 2000er-Jahren intensiv erforscht wurde, dass sich seelische Narben vererben, dass Hunger, Gewalt, Flucht und Krieg Menschen nicht nur individuell traumatisieren, dass solche Erlebnisse auf unsichtbare Weise Generationen prägen und das genetische Erbe ganzer Völker beeinflussen. Dass Kinder und Enkel, die selbst n