: Rainer Gross
: Grenzgänger Mein Leben als Christ mit Borderline. Autobiografie
: Books on Demand
: 9783695121564
: 1
: CHF 8.80
:
: Biographien, Autobiographien
: German
: 278
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Grenzgang, eine ständige Gratwanderung - das ist das Leben mit Borderline. Offen und eindrücklich berichtet der Autor davon, wie die Erkrankung seine Biografie und seine Persönlichkeit geprägt hat, wie er erst mit über vierzig seine Diagnose bekommt, wie er mehrere Krisen durchsteht, wie er versucht, seinen Schriftstellerberuf auszuüben, wie er in seiner Ehe und seinem Glauben Stabilität und Halt findet. Mit sechzig Jahren schließlich ist er der Kämpfe müde, und es wird Zeit für eine grundlegende Entscheidung ...

Rainer Gross, Jahrgang 1962, geboren in Reutlingen, studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Theologie. Heute lebt er mit seiner Frau als freier Schriftsteller wieder in seiner Heimatstadt. Er wurde 2008 mit dem Friedrich-Glauser-Debütpreis ausgezeichnet. Bisher sind rund siebzig Titel von Rainer Gross erschienen. Zuletzt veröffentlicht: Novemberland (2023); Schafsgezwitscher (2023); Das heiratende Mädchen (2023); Jesus trinkt den Kaffee schwarz (2024); Café im Hof (2024); Abschied in Cork (2024); Jahrtau-sendwende (2025); Gezeitenwechsel (2025); Tagundnachtgleiche (2025); Der leere Himmel (2025).

Neuanfang

Wir, meine Frau und ich, ziehen im März 2002 von Nürnberg nach Hamburg um. Hamburg war immer mein Traum. Meine Frau hat rasch eine Stelle bekommen, im Winter waren wir hier zu ihrem Vorstellungsgespräch. Die Wohnungssuche mühselig und frustrierend. Schließlich haben wir die Wohnung an der Peripherie gefunden. Mietblock, zwei Hauseingänge, drei Stockwerke. Das Milieu ist mir aus meiner Jugend vertraut. Mein Freund und Schriftstellerkollege wohnt seit zehn Jahren in Hamburg, am anderen Ende der Stadt.

Nebelstille. Mild und feucht wie ein Morgen am Strand. Plattenwege zwischen kahlem Gebüsch, Amseln hecken darin. Ab und an blühende Forsythien. Wege zwischen geklinkerten Wohnblöcken, dann schmale Straßen, dann Familienhäuschen mit Giebeldach. In den Gärten stehen uralte Bäume. Der Sand einer Pferderennbahn. Der Bahnhof.

Am Zug führe ich die erste Alltagshandlung aus und verabschiede meine Frau.. Lange steht sie noch in der offenen Tür, wir lesen einander von den Lippen. Sie fährt nach Hamburg hinein, zur Arbeit.

Den Rückweg gehe ich nun allein. Der Nebel macht die Welt sanft und freundlich. Die Zimmer zuhause sind kahl und kalt. Jetzt bin ich hier, denke ich. Ich habe es geschafft! Hier kriegt mich niemand mehr weg.

Ich fahre mit der U-bahn bis zum Hauptbahnhof. Ich will den Hafen sehen, den ich von den Besuchen bei meinem Freund her kenne und von den sechs Wochen Praktikum während meiner theologischen Ausbildung.

Ich steige in die U3 und fahre wie auf einer Achterbahn zwischen den mächtigen Bauten der Hansestadt hindurch, hoch