VORWORT: Die Geschichte vom ewigen Zauderer
Warum ich mit 65 Jahren dieses Buch schreiben musste
Vor drei Jahren saß ich in einem Café in Frankfurt und beobachtete einen Mann, der seit einer Stunde auf seinen Laptop starrte, ohne eine einzige Taste zu drücken. Sein Kaffee war kalt geworden, dreimal hatte er sein Handy gecheckt, zweimal war er aufgestanden, um sich zu strecken. Aber getippt hatte er nichts. Als er schließlich ging, sah ich auf seinem Bildschirm ein leeres Dokument mit der Überschrift:"Meine Kündigung".
Ich ging zu ihm hinüber."Entschuldigung", sagte ich,"aber ich habe Sie beobachtet. Sie ringen mit einer großen Entscheidung, oder?" Er nickte überrascht."Woher wissen Sie das?" Ich lächelte."Weil ich in meinem Leben schon hunderte Menschen in Ihrer Situation gesehen habe. Und weil ich gelernt habe, was sie alle gemeinsam haben: Sie warten auf den perfekten Moment, der nie kommt."
Was dann folgte, war ein zweistündiges Gespräch, das sein Leben veränderte. Drei Monate später schrieb er mir: Er hatte gekündigt, einen neuen Weg eingeschlagen und war glücklicher als je zuvor."Sie haben mir die Werkzeuge gegeben", schrieb er,"die mir niemand in 40 Jahren gegeben hat."
Dieser Brief war der Auslöser für dieses Buch.
65 Jahre Leben, Lernen und Verstehen
Ich bin 65 Jahre alt. Kein Guru, kein Millionär, kein berühmter Coach. Nur ein Mann aus der Mittelschicht, der gelebt, beobachtet und vor allem gelernt hat. Ein Leben, das mich durch verschiedenste Stationen geführt hat – mal als Angestellter, mal selbstständig, mal hier, mal dort. Ich bin öfter hingefallen, als ich zählen kann. Aber ich bin jedes Mal wieder aufgestanden, habe mir den Staub abgeklopft und bin weitergegangen.
Was ich in all diesen Jahren vor allem getan habe: Ich habe gelesen. Tausende von Büchern. Psychologie, Philosophie, Wirtschaft, Geschichte, Neurowissenschaften. Kahneman und Tversky, Carol Dweck, Julius Kuhl, Albert Ellis, Viktor Frankl – sie all