: Günter Kampf
: Normanoid Im Spiegel der Wirklichkeit ist niemand sicher
: Books on Demand
: 9783695107063
: 1
: CHF 6.10
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 192
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Was, wenn der Paranoide einfach nur besser informiert ist? Tom, 28, ist IT-Experte und professioneller Hacker, mit einem klaren Blick dafür, wie unsere digitalen Alltagsgeräte ihre Nutzer ausspähen. Für seine Eltern ist er ein Fall für die geschlossene Psychiatrie. Dort trifft Tom auf Dr. Klein, einen Psychiater mit großem Ego und kleinem Technikverständnis. In endlosen Sitzungen erklärt Tom, wie tief der digitale Kaninchenbau wirklich geht, während Dr. Klein fleißig'Wahnvorstellunge ' notiert. Doch dann beginnt der Arzt zu zweifeln. Und zu googeln. Inmitten von Gruppentherapien mit absurden Charakteren und denkwürdigen Maltherapien trifft Tom auf Miriam, eine gleichaltrige Patientin mit einer wahnhaften Vorliebe für Bäume, Äste und unsichtbare Schwingungen. Ihre Welt ist fremd und vertraut zugleich. Nachts auf dem Flur, tagsüber im Innenhof, zwischen Zeichnungen und Schweigen entsteht unerwartet eine Nähe, die genauso rätselhaft ist wie alles andere auf dieser Station. Wenn Wahnsinn plötzlich vernünftig klingt und Normalität immer absurder wirkt, stellt sich leise eine Frage: Wer ist hier paranoid? Und wer macht einfach nur die Augen zu? Ein schräger, vielschichtiger Roman über die digitale Realität, psychiatrische Diagnosen und die Frage, ob unsere'Normalität' nur deshalb bestehen bleibt, weil alle wegsehen und keiner zu genau wissen will, wie es wirklich ist.

Günter Kampf ist Buchautor, selbstständiger Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin in Hamburg sowie außerplanmäßiger Professor für Hygiene und Umweltmedizin an der Universität Greifswald. Er hat mehr als 250 wissenschaftliche Veröffentlichungen in meist internationalen Fachzeitschriften, 44 Buchkapitel sowie fünfzehn Fachbücher veröffentlicht. Das vorliegende Buch ist sein dritter Roman.

Akutstation - Abgrund - Anfang


J etzt stand ich hier, vor der schweren Tür. Es sah aus wie ein Gefängnis. Wahrscheinlich war es das auch. Doch an der Tür stand „Akutstation“. Da war eine Klingel, und eine Kamera. Klar. Das musste hier so sein, hier wurde überwacht. Auf der Fahrt im Rettungswagen hatte ich noch schnell im Internet recherchiert. „Geschlossene Psychiatrie + Aufenthaltsdauer + schnell legal rauskommen“. Bevor ich die ersten Treffer ansehen konnte, war mein Smartphone auch schon weg. Wie mein bisheriges Leben. Es blieb einfach zurück.

In meiner linken Hand hielt ich die Lidl-Tüte, mit ein paar Unterhosen, Socken und meiner Zahnbürste. Das musste alles ein gewaltiger Irrtum sein. Ganz sicher! Schon bald würde sich das aufklären, und ich könnte wieder zurück nach Hause.

Die Tür fiel hinter mir zu. Ganz leise, mit einem Klack. Es war nicht laut, auch nicht dramatisch, aber nun war ich hier. Eingesperrt. Das Urteil schien bereits gesprochen. Meine beiden Begleiter, angeblich Rettungssanitäter, nahmen mich mit zu Schwester Ariane. Eine unheimliche Frau. Ihre an mich gerichteten Worte flogen mit Lichtgeschwindigkeit und geräuschlos durch meine Gehörgänge, es blieb nichts hängen. Jetzt stand ich zwischen diesen komischen Menschen. S