: Detlef Rathmer
: Das Seminar - Wenn Masken fallen Ein psychologischer Roman über emotionale Muster, ambivalente Nähe, verborgene Masken und den Moment, in dem sie fallen
: Books on Demand
: 9783695108893
: 1
: CHF 8.80
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 280
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein mehrwöchiges Seminar, das alles verändert: 27 Menschen reisen zu einem Selbsterfahrungsseminar in ein abgelegenes Haus. Unterschiedlicher könnten ihre Hintergründe, Lebensgeschichten und Beweggründe kaum sein - und doch verbindet sie eine gemeinsame Hoffnung: sich selbst ein Stück näher zu kommen. Was zunächst nach ruhigen Tagen voller Gespräche und Übungen aussieht, entwickelt sich schnell zu einem dichten Geflecht aus unausgesprochenen Wahrheiten, wachsenden Spannungen und stillen Allianzen. Masken, die im Alltag perfekt sitzen, beginnen zu rutschen. Manche finden den Mut, sich zu zeigen - andere kämpfen darum, ihre Fassade zu bewahren. Zwischen vorsichtiger Annäherung, brennendem Misstrauen und überraschender Nähe erleben die Teilnehmer, wie schwer es sein kann, Grenzen zu setzen - oder sie zu überschreiten. Jede Begegnung, jeder Blick, jedes Schweigen wird zu einem Teil eines stillen Spiels, in dem niemand sicher ist, welche Rolle er wirklich spielt."Das Seminar - Wenn Masken fallen" ist ein psychologisch vielschichtiger Roman, der den Blick für menschliche Dynamik schärft und zugleich mitreißend erzählt, wie Begegnungen uns verändern. Er führt mitten hinein in die Fragen, die wir oft meiden: Wer bin ich ohne meine Schutzmechanismen? Wie echt bin ich im Blick der anderen? Und was geschieht, wenn die Wahrheit näher kommt, als mir lieb ist? Für alle, die spannende Figuren, emotionale Tiefe und einen klaren, packenden Erzählstil schätzen.

Detlef Rathmer, geb. 1968, Fachbuchautor, Homöopath und Enneagramm-Lehrer, arbeitet seit vielen Jahren mit Menschen an der Schnittstelle zwischen homöopathischer Heilung, Persönlichkeitsentwicklung, Coaching und kreativen Prozessen. Sein besonderes Interesse gilt den feinen, oft unsichtbaren Dynamiken, die unser Denken, Fühlen und Handeln prägen. Mit"Das Seminar - Wenn Masken fallen" legt er einen Roman vor, der psychologische Tiefe mit einer spannenden Erzählweise verbindet. Seine Figuren sind inspiriert von realen Begegnungen und Beobachtungen, ohne dabei reale Personen abzubilden. Rathmer lebt in Billerbeck, NRW und übt dort den Beruf des Heilpraktikers aus. Darüber hinaus leitet er dort das Verlagshaus Rathmer.

Kapitel 1 – Ankunft im System


Teil 1: Der Kreis der Neun sieht alles

Der Nebel hing schwer über dem abgelegenen Tagungshaus, das sich wie ein alter, schweigsamer Wächter zwischen Tannen und Felsen duckte. Alma Varela stand auf dem Kiesweg vor dem Eingang, die Hand noch auf dem Griff ihres Rollkoffers. Schon in diesem Moment wusste sie: Dieser Ort war nicht einfach ein Gebäude. Er war ein Schwellenraum. Ein Dazwischen.

Es roch nach Laub, Stein, Moos – und etwas anderem. Metallisch, Feucht. Schwer zu greifen. Vielleicht war es nur Einbildung. Oder Erinnerung. Hinter den Fenstern: mattes Licht, keine Bewegung.

27 Menschen waren eingeladen worden. Niemand sprach es aus, doch die Zahl hatte Gewicht. Sie entsprach dem Kreis. Dem Raster.

Der Tiefe. Und irgendwo in Alma regte sich ein Widerstand – gerade weil sie wusste, dass sie dazugehört.

In der Eingangshalle empfing sie gedämpftes Licht, das durch hohe Fenster fiel. Der Empfang war unbesetzt. Kein Lächeln, kein Schlüssel, keine Stimme. Nur das leise Summen eines Kühlschranks aus dem angrenzenden Raum.

An der Wand hing ein hölzernes Schild mit eingeritzter Inschrift:

„Der Kreis der Neun sieht alles." Alma runzelte die Stirn. Niemand hatte sie auf eine derart eigentümliche Begrüßung vorbereitet.

Sie war nicht zum ersten Mal auf einem Selbsterfahrungsseminar.

Und doch – diesmal war etwas anders. Etwas Unwirkliches lag in der Luft. Wie ein Schleier über der Wirklichkeit, der sich nicht abschütteln ließ.

Sie zog die Schultern hoch, schüttelte sich unmerklich und stieg die knarzenden Treppen in den ersten Stock hinauf. Auf der Suche nach ihrem Zimmer.Nummer 4.

Der Flur war schmal, die Türen alt, das Licht gedimmt.

Dann hörte sie es: ein leises, rhythmisches Klopfen. Wie Haut auf Holz. Klopf. Klopf.

Sie hielt den Atem an. Es verstummte. Vielleicht ein Heizungsrohr.

Oder jemand, der nervös mit den Fingern auf eine Tischplatte trommelte.

Aber da war es wieder. Klopf. Klopf. Und dann – ein kratzendes Schleifen.

Sie trat näher an eine Tür, aus der das Geräusch zu kommen schien. Die Luft roch hier schärfer. Fast wie Medizin. Ein Hauch von etwas Organischem lag darunter – nicht faulig, aber fremd.

Ihr Herz setzte einen Takt aus.

Dann drehte sie sich abrupt um und ging weiter. Ihre Schritte klangen zu laut auf dem alten Dielenboden.

Im Zimmer angekommen, ließ sie sich aufs Bett sinken. Die Tasche rutschte vom Schoß auf den Boden.

Durch das Fenster sah sie auf das Nachbargebäude. Ein Schatten bewegte sich dort. Für einen Moment war sie sicher, dass jemand sie beobachtet hatte