Das Singen der Reißverschlüsse
Warum nehme ich Myriel mit auf diese Fahrt? Es hat harmlos angefangen. Wir haben vom Motorradfahren geredet und wohin wir im Sommer fahren. Sie wird ihren Freund in Luleå besuchen, und ich erzähle von meiner Reise ans Nordkap. Dann können wir ja eine Strecke zusammen fahren, sagte sie. Warum nicht?, dachte ich. Aber nichts ist harmlos. Mein Vorhaben ist alles andere als eine Urlaubsreise. Warum habe ich zugestimmt? Sie wird mich stören, das weiß ich. Ich sollte auf dieser Fahrt allein sein. Ich brauche die Einsamkeit, um alles wiederzufinden, was ich suche. Ich muss dort hinauf, in den Norden. Nur dort finde ich es wieder. Ich habe den Revolver im Tankrucksack, sie könnte ihn entdecken. Aber ich beruhige mich mit dem Gedanken, dass wir uns jederzeit trennen können. Wenn ihre Anwesenheit mir zu viel wird, fahre ich allein weiter. Da brauche ich keine falsche Rücksicht zu nehmen. Es ist meine Fahrt.
Wem sage ich das? Wieso beginne ich mit diesen Aufzeichnungen, als wäre es eine ganz gewöhnliche Reise? Das selbstverständliche Notieren der Erlebnisse und Gedanken, wie auf früheren Fahrten. Für wen schreibe ich? Ich lege keine Rechenschaft ab, vor niemandem. Ich schreibe nur für mich selbst, für den zeitlosen Augenblick. Denn ich werde später nicht mehr auf diese Zeit zurückblicken können. Dieses Tagebuch wird nicht einmal ein Testament sein, denn ich werde dafür sorgen, dass es mich nicht überlebt.
Wir treffen uns am Morgen vor Myriels Studentenwohnheim. Sie trifft letzte Vorbereitungen, beide Maschinen stehen hoch bepackt auf dem Parkplatz, sie bekommt mit Mühe das Bein über di