Was für ein Glück, lachte indes das Fräulein Renate Krautner, deren Geburtsurkunde und Passunterlagen bei dem Feuer in der Registratur des Standesamts als erste verbrannt waren und die sich künftig vor allen, die es wagten, sie nach ihrem Alter zu fragen, um vier Jahre verjüngt ausgab. Mit dem neuen Geburtsdatum wurde ihr im Rathaus vom Leiter des Personalbüros unter wortreichen Entschuldigungen für die Unannehmlichkeit und einigen Bücklingen der neue Ausweis überreicht. Er galt fünfzehn Jahre. Die Gleitsichtbrille hatte sie für das Passfoto abgelegt. Im Moment trug sie dunkle Kontaktlinsen, die ihren Rehaugen einen Hauch von Melancholie verliehen. Zumindest hatte der Optiker es ihr mit schmelzendem Lächeln versichert. Hundert anderen Einwohnern mit den Anfangsbuchstaben K und L war es ähnlich ergangen; sie mussten mit Fantasiedaten neu registriert werden, da ihre Geburtsurkunden verbrannt waren. Renate Krautner war nicht die Einzige, die verjüngt wie ein Phoenix der Asche entstieg. Niemand unter den Frauen der Römerstadt nutzte indes die Gunst der Stunde, um sich ein paar Jahre älter zu machen.
Man munkelte sogar, dass saftige Hypotheken und Grundschulden über Nacht getilgt worden waren, ohne dass die Gläubiger einen roten Heller gesehen hätten. Wie war das riesige Unheil, von Schuldnern bejubelt, von Hypothekeneignern beklagt, wie war es möglich, wenn nur ein einziges glimmendes Zündholz auf amtliche Akten fiel? Jahre später wurde sogar ein Fall ruchbar, in dem mit dem Feuer ein ganzer Weinberg mit zehntausend Rebstöcken verschoben worden war. Wurde die Stadt, so fragte die Opposition im Gemeinderat, nicht von gewählten und verantwortlichen Kommunalpolitikern, sondern von anonymen Akten regiert, die niemand zu Gesicht bekam?
Doch die Opposition fand kein Gehör. Nicht ei