: Oliver GRUBER-LAVIN
: Schatten über Böhmen Die Geschichte der Sudetendeutschen zwischen Heimat, Vertreibung und Erinnerung
: Books on Demand
: 9783695181735
: 1
: CHF 8.80
:
: Gesellschaft
: German
: 170
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
"Schatten über Böhmen - Die Geschichte der Sudetendeutschen zwischen Heimat, Vertreibung und Erinnerung" zeichnet die Geschichte der Sudetendeutschen von ihrer mittelalterlichen Besiedlung bis zur Vertreibung nach 1945 nach. Es beleuchtet ihre Rolle in Böhmen, die Spannungen in der Ersten Tschechoslowakischen Republik, das Münchner Abkommen und die NS-Zeit. Besondere Schwerpunkte sind die Benes-Dekrete, die Vertreibung sowie die Herausforderungen der Integration. Das Buch diskutiert Erinnerungskultur, historische Verantwortung und deutsch-tschechische Versöhnung.

Oliver M. Gruber-Lavin ist ein vielseitig geprägter und international erfahrener Wiener, der in verschiedenen Bereichen tätig war und ist. Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium der Politik- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien, entwickelte er sich zu einem wahren"Universaldilettan en". Er arbeitete als Berufssoldat und Blauhelm in Syrien, war parlamentarischer Mitarbeiter und Referent sowie Kommunalpolitiker. In seiner Karriere wechselte er zwischen verschiedenen Rollen: IT-Trainer, Radiomoderator, Dozent in der Erwachsenenbildung und Coach für Kommunikation und Konfliktmanagement. Zudem sammelte er Erfahrungen im Kupferbergbau in Afrika. Seit 2015 ist er Managing Partner der WERTEMANUFAKTUR, einer Gesellschaft für werteorientierte Kommunikation, und setzt sich für einen rationalen und sachlichen Meinungsaustausch zu politischen und gesellschaftlichen Themen ein. Als Generalbevollmächtigter der LAZARUS UNION, einer NGO mit allgemeinen Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen, arbeitet er an internationalen Projekten und ist Delegierter bei den Vereinten Nationen in Wien, Genf und New York. 2014 wurde er zum"Fellow" (FRSA) der Royal Society of Arts (UK) gewählt und 2022 zum"Aides-de-Camp" des Governeurs des Commonwealth of Kentucky (US) ernannt.

EINLEITUNG


Warum dieses Buch?

Persönliche Beweggründe und wissenschaftliche Perspektiven

Die Geschichte des Sudetenlandes ist eine Geschichte von Heimat und Entwurzelung, von Blüte und Zerstörung, von Identität und Verlust. Sie ist eine Geschichte, die nicht nur die Vergangenheit berührt, sondern auch in die Gegenwart reicht, spürbar in den Biografien der Nachkommen, in Erinnerungen und Erzählungen, in der Suche nach Herkunft und Sinn. Für mich ist sie aber auch eine persönliche Geschichte. Meine Mutter wurde 1944 in Gablonz an der Neiße (Jablonec nad Nisou) geboren, einem der Zentren sudetendeutschen Lebens, geprägt von wirtschaftlichem Erfolg, kultureller Vielfalt und tief verwurzelten Traditionen. Doch schon als Neugeborenes war ihr Schicksal besiegelt: Sie wuchs nicht in der Heimat auf, sondern auf der Flucht, inmitten der Schrecken und Wirren einer Vertreibung, die Millionen traf. Gemeinsam mit meiner Großmutter und meiner Urgroßmutter und Urgroßvater wurde sie, noch bevor sie Erinnerungen an ihre Heimat bilden konnte, zur Vertriebenen.

Es ist diese familiäre Verwurzelung, die mich immer wieder mit der Geschichte der Sudetendeutschen konfrontierte. Die Berichte meiner Mutter, die Erfahrungen meiner Großeltern, die Erzählungen der Menschen, die „wieder neu anfangen“ mussten – sie prägten meine Perspektive und ließen mich später den wissenschaftlichen Weg einschlagen, um diese Ereignisse nicht nur emotional, sondern auch historisch zu verstehen.

Erinnerung und Verantwortung

Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehört zu den größten Menschheitskatastrophen des 20. Jahrhunderts. Zwischen 1945 und 1946 verloren rund drei Millionen Deutsche aus Böhmen, Mähren und Schlesien ihre Heimat, vertrieben durch eine Welle von Gewalt, Entrechtung und Enteignung, die ihren rechtlichen Ausdruck in den berüchtigten Beneš-Dekreten fand. Diese Dekrete legalisierten die Enteignung und Entrechtung der deutschsprachigen Bevölkerung der damaligen Tschechoslowakei und markierten den Beginn eines kollektiven Unrechts, dessen Folgen bis heute nachwirken.

Gleichzeitig ist die Geschichte der Sudetendeutschen auch die Geschichte eines weitgehend vergessenen Kapitels europäischer Zeitgeschichte. Während das Gedenken an den Holocaust und an die Verbrechen des NS-Regimes zu Recht in der kollektiven Erinnerung Europas verankert ist, bleibt die Geschichte der deutschen Vertriebenen oft im Schatten. Nicht selten wurde sie politisch instrumentalisiert, verzerrt oder gar tabuisiert. Doch die Wahrheit ist komplexer als einfache Schuldzuweisungen. Die Sudetendeutschen wurden nicht nur als deutsche Minderheit Teil eines imperialistischen Plans des nationalsozialistischen Deutschlands, sondern waren – lange vor Hitlers Griff nach der Tschechoslowakei – bereits Objekt eines tief verwurzelten tschechischen Nationalismus, der die