: Oliver GRUBER-LAVIN
: Das Heilige und das Nackte Kirche, Sexualität und die ewige Spannung zwischen Moral und Begierde
: Books on Demand
: 9783695181667
: 1
: CHF 7.40
:
: Religion/Theologie
: German
: 184
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
"D s Heilige und das Nackte" erforscht das spannungsreiche Verhältnis von Religion, Sexualität und Körperlichkeit in der westlichen Geschichte. Beginnend in der Antike, in der göttliche Verehrung und sinnliche Lust oft eng verwoben waren, zeichnet das Buch die Entwicklung kirchlicher Sexualmoral nach - von der Askese des frühen Christentums über mittelalterliche Bußrituale bis hin zur Prüderie des 19. Jahrhunderts. Es beleuchtet die Doppelmoral von Kirche und Gesellschaft, die Auswirkungen der Reformation und die sexuelle Befreiung des 20. Jahrhunderts. Schließlich thematisiert es aktuelle Debatten, kirchliche Skandale und Reformversuche im 21. Jahrhundert, um die andauernde Spannung zwischen Glauben, Lust und Moral zu hinterfragen.

Oliver M. Gruber-Lavin ist ein vielseitig geprägter und international erfahrener Wiener, der in verschiedenen Bereichen tätig war und ist. Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium der Politik- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien, entwickelte er sich zu einem wahren"Universaldilettan en". Er arbeitete als Berufssoldat und Blauhelm in Syrien, war parlamentarischer Mitarbeiter und Referent sowie Kommunalpolitiker. In seiner Karriere wechselte er zwischen verschiedenen Rollen: IT-Trainer, Radiomoderator, Dozent in der Erwachsenenbildung und Coach für Kommunikation und Konfliktmanagement. Zudem sammelte er Erfahrungen im Kupferbergbau in Afrika. Seit 2015 ist er Managing Partner der WERTEMANUFAKTUR, einer Gesellschaft für werteorientierte Kommunikation, und setzt sich für einen rationalen und sachlichen Meinungsaustausch zu politischen und gesellschaftlichen Themen ein. Als Generalbevollmächtigter einer NGO mit allgemeinen Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen, arbeitet er an internationalen Projekten und ist Delegierter bei den Vereinten Nationen in Wien, Genf und New York. 2014 wurde er zum"Fellow" (FRSA) der Royal Society of Arts (UK) gewählt und 2022 zum"Aides-de-Camp" des Governeurs des Commonwealth of Kentucky (US) ernannt.

VORWORT


Glaube und Sexualität – Ein pikantes Paar durch die Jahrtausende

Kaum zwei Themen haben die Menschheit so nachhaltig in ihrem Innersten bewegt, entzweit und zugleich immer wieder eigentümlich miteinander verflochten wie jene beiden Urkräfte, die unser Dasein maßgeblich prägen: Glaube und Sexualität. Diese beiden Pole sind gleichermaßen Quelle von Sehnsucht und Angst, von Verheißung und Verbot, von Hingabe und Widerstand. Die eine verspricht Erlösung und das Aufsteigen in himmlische Sphären, die andere schenkt Leben und wurzelt tief im Irdischen, im Körperlichen, im konkreten Hier und Jetzt. Und doch, so gegensätzlich sie erscheinen mögen, sind sie auf geheimnisvolle Weise untrennbar miteinander verbunden: eingebettet in ein Geflecht aus Verboten und Visionen, Dogmen und Ekstasen, in Tabus, die so oft in der Kunst mit einer lasziven Entschlossenheit gebrochen wurden, dass sie das Publikum seit Jahrhunderten gleichermaßen verblüffen und verzaubern.

Wer sich auf die Suche macht nach der Geschichte dieses komplizierten Beziehungsgeflechts zwischen Kirchenmoral und leiblichem Verlangen, darf sich nicht mit rein theologischen Spitzfindigkeiten zufriedengeben. Er muss vielmehr auch den Werken der Dichter, Maler und Philosophen aufmerksam lauschen, jenen kreativen Geistern, die oft mehr über die Spannung zwischen Seele und Körper offenbaren als jeder trockene Konzilstext oder kirchliche Erlass. Denn in diesen Werken finden wir nicht nur Rebellion oder Unterwerfung, sondern auch das schillernde Spektrum menschlicher Sehnsucht und Schuld – eine Dialektik, die uns bis heute tief berührt.

Zwischen Höllendrohung und Himmelslust: Die widersprüchliche Kulturgeschichte

Kaum ein Kapitel der Kulturgeschichte ist derart geprägt von widersprüchlichen Bildern und tiefen Gegensätzen wie das Verhältnis der Kirche zur Sexualität. Auf der einen Seite wird Keuschheit als höchste Tugend gepredigt, der Ehe ausschließlich der Zweck der Fortpflanzung zugewiesen, fleischliches Begehren hingegen mit Argwohn und Misstrauen betrachtet. Auf der anderen Seite jedoch offenbart sich in der Kunst und Literatur der Gotik, Renaissance und des Barocks eine vibrierende Welt voller Sinnlichkeit, die von zurückhaltender Askese so weit entfernt ist wie ein Jesuit vom Junggesellenabschied.

Betrachten wir nur einmal die üppigen Venus-Darstellungen eines Tizian, deren rotglühende Kurven und strahlende Schönheit eine geradezu provokante Feier des Fleisches darstellen. Oder denken wir an Gian Lorenzo Berninis barocke Skulptur der Teresa von Ávila, deren marmorne Verzückung so sinnlich und lebendig wirkt, dass es einem nicht wundert, we