So viel Stress:
Wo die Probleme vieler Frauen herkommen
Angst und Selbstzweifel können enorm quälend sein und begleiten viele Frauen durch ihr Leben. Sie achten unablässig darauf, dass es allen gut geht, können schwer Nein sagen, haben oft ein schlechtes Gewissen, sind perfektionistisch und rennen oft einer To-do-Liste hinterher – und all das treibt sie in Überforderung, Burn-on und Burn-out. Bei manchen ist der Stress längst Alltag geworden, bei anderen war er schon immer das bestimmende Lebensgefühl. Wenn ich hier von Stress spreche, meine ich ein ständig nagendes Gefühl von Überlastung, das nicht direkt an die Anzahl der zu erfüllenden Aufgaben gekoppelt ist. Als ich als Führungskraft eine Abteilung leitete, hatte mein Arbeitskollege die gleichen Vorgaben und zeitlichen Ressourcen wie ich. Wir starteten morgens zur gleichen Zeit und verließen das Unternehmen meistens gemeinsam. Ich fühlte mich ausgelaugt und brauchte dringend Erholung. Er war entspannt und voller Energie. In meinem Kopf kreisten am Abend angstvolle Gedanken über die Arbeit, ich konnte kaum schlafen und fühlte mich am nächsten Morgen wie erschlagen. Er spielte mit seinen Kids, genoss die Zeit mit Freunden und begrüßte mich am nächsten Tag ausgeschlafen in der Büroküche.
Ich meine also eine Art von Stress, die durch tiefe Unsicherheit entsteht. Dieser Dauerstress, der zu dramatischem Energieverlust führt, muss und sollte in deinem Leben nicht vorherrschen. Bitte gewöhne dich nicht an diesen Zustand! Dieser Stress ist nicht normal und macht unser Leben kaputt.
Das ganze Ausmaß dieses inneren Stresses und dessen schwerwiegende Folgen können wir jedoch erst erkennen, wenn wir nicht mehr in diesem Zustand sind. Rückblickend wurde mir klar, in was für einem desaströsen Zustand ich mich jahrelang befunden hatte. Heute als gesunde, blühende und entspannte Frau ist mir bewusst, wie viel Energie diese ständige Unsicherheit mir geraubt hat und wie viel Entwicklung in relativ kurzer Zeit möglich ist. Wenn du hier Parallelen zu deinem Leben entdeckst, kann ich dir versichern, dass es auch bei dir völlig anders werden kann.
Ich bin nicht gut genug – Die Last der Dauerselbstzweifel
Am Schluss der Einleitung habe ich geschrieben: »Es ist meine Lebensaufgabe, Menschen ins Glücklichsein und in den Lebensflow zu führen.« Ich spürte den Ruf dieser Aufgabe schon vor zwölf Jahren. Doch damals beschäftigten mich noch etliche belastende Gedanken wie »Es reicht nicht, ich bin nicht gut genug, ich bin eine Last für andere, was, wenn ich ihnen schade …«. Kennst auch du solche Gedanken in Dauerschleife?
Mein aufreibendes Berufsleben
Im Jahr 2010 startete ich mit meiner selbstständigen Tätigkeit als Coachin und es lief nicht besonders gut, auch nach zwei, drei Jahren nicht. Bei meinen Kollegen sah ich Warteschlangen vor ihren Coachingpraxen. Ich hörte von den ausgebuchten Terminkalendern und den üppigen Umsätzen. Und selbst wenn manches davon möglicherweise aufgebauscht erzählt wurde und ich bei den anderen nur die Erfolge, nicht aber die Tiefs sah, wusste ich doch, dass bei ihnen etwas funktionierte, was bei mir hakte. Meine Agenda und mein Geschäftskonto waren nicht gut gefüllt. Zwar begleitete ich einige Kunden, doch ich musste hart um sie kämpfen. Hatte ich dann endlich einen Auftrag, so kam mit ihm sofort die Angst, meine Klienten zu enttäuschen oder ihnen gar zu schaden und sie um ihr Geld zu bringen, weil ich ihnen nicht genügend Mehrwert böte. Ich erinnere mich mit Grauen, dass mich der Stress teilweise fast aufgefressen hat.
Als Business-Coachin begleitete ich beispielsweise eine Geschäftsleitung im Gesundheitswesen. Einmal im Monat habe ich sie dabei unterstützt, sich selbst zu reflektieren, um auf einem guten Weg zu bleiben. Ein Topauftrag. Sie waren äußerst zufrieden mit mir als Coachin, deshalb haben sie mich über Jahre hinweg gebucht. Und ich? Ich ging total gestresst in jede Sitzung. Die zwei Stunden waren ein Ultramarathon, von dem niemand außer mir wusste. Nach jeder Sitzung wurde es noch schlimmer. Mich quälte ein Gedankenkarussell aus schlimmstmöglichen Vorstellungen: »Oh Gott, was habe ich da zu ihm gesagt? Und wie habe ich den Satz formuliert in der Diskussion über die Neuinvestitionen? Was ist, wenn sie Konkurs gehen? Vielleicht schlittert er in ein Burn-out und ich bin schuld?«
Die zwei Stunden Arbeit bedeuteten somit einen Aufwand von zehn Stunden, weil ich so viel Zeit benötigte, um mich wieder zu erholen und die Selbstzweifel zumindest so weit loszulassen, dass ich etwas Schlaf fand. Kurz: Es war sehr auslaugend. Und das war ja nicht mein einziger Auftrag.
Nicht gut