Fast alle Dinge, die wir uns über uns und den Kosmos erzählen, sind Dinge, die wir freiwillig glauben. Freiwillig in dem Sinne, dass wirrein theoretisch auch was anderes glauben könnten, sofern wir wollten – denn solange unser Gehirn „normal“ eingestellt ist, können wir frei wählen, wie und als was wir die Welt wahrnehmen – sogar ganz unabhängig davon, wie die „Beweislage“ aussieht. Es gibt ja schließlich auch Menschen, die glauben, dass die Erde gar keine Kugel sei, sondern eine Scheibe. Wir könnten in solchen Fällen natürlich gut argumentiert und empirisch belegt versuchen, dieser Person eine andere Sichtweise nahezulegen, und dennoch stünde es ihr frei, weiterhin zu glauben, was sie will. Ja, wir könnten mit dieser Person sogar ins All fliegen und sie aus einiger Ferne die Form der Erde selbst entdecken lassen; wir könnten ihr zeigen, wie hübsch und blau und rund unsere Heimatkugel da rumschwebt – sie könnte trotzdem bei ihrer Scheibentheorie bleiben, wenn sie wollte. Die Gedanken sind ja bekanntlich frei, wenn auch manche Überzeugungen vielleicht gesellschaftliche Folgen mit sich bringen können, weil uns Menschen eventuell für dämlich halten könnten, wenn wir vehement die Überzeugung verteidigen, dass die Erde eine Scheibe sei. Damit muss man dann gegebenenfalls halt leben können.
Die Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen, ja welche Geschichte wir uns über sie erzählen, ist unsere Wahl: Wir entscheiden, was das Leben für uns bedeutet und wenn ich dir in diesem Schinken nur eine Lehre mitgeben könnte, dann wäre es die, dass die Dinge immer nur genau die Bedeutung haben, die wir ihnen verleihen. Ich glaube felsenfest, dass das eine der aller aller wichtigsten Wahrheiten des Menschseins überhaupt und auch ganz jemals ist. Denn selbst wenn es uns so erscheint, als hätten alle Dinge in dieser Welt eine feste Bedeutung, da ist es doch eigentlich vielmehr so, dass ihnen alle Bedeutung von irgendwelchen Menschen zugewiesen wurde. Und das von Anfang an: Wir Menschen sind nämlich wahre Interpretations-Genies und Bedeutungsvergebungs-Maschinen.
So hat unsere Spezies bei dem Versuch, diesen Kosmos zu entschlüsseln, im Laufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden Meisterschaft im Geschichtenerzählen erlangt. Mit gewaltigen Folgen: Die Geschichten, die wir uns erzählen, bestimmen nicht nur, wie wir die Welt sehen; eine Überzeugung ist nicht nur ein Gedanke – sie ist eine Entscheidung darüber, welche Welt wir bewohnen und bestimmt damit auch die komplette Erfahrungsqualität unseres ganzen Lebens, also die komplette Dimension dessen, wie sich unser Leben für uns anfühlt. Und genau das ist ja irgendwo das einzige, was am Ende aller Tage zählen wird, wenn wir uns fragen,wie