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»Er kommt nicht. Ich habe es dir ja gleich gesagt. Er hat kalte Füße gekriegt. Der geht nie und nimmer eine feste Beziehung ein! Dazu ist er nicht geschaffen.«
»Doch! Er kommt!«, antwortete Beate Jäger und verschränkte die Arme vor der Brust.«
»Versuch ihn noch mal anzurufen!«
»Ach, das mache ich doch nicht alle paar Minuten.«
Manchmal konnte sie ihre ältere Schwester Carola glatt auf den Mond schießen. Jetzt zum Beispiel. Wenn da nur nicht der nagende Zweifel gewesen wäre, die quälende Ungewissheit, denn tief in ihrem Inneren war Beate nicht halb so davon überzeugt, dass Pepe S. Fuchs am Abfluggate erscheinen würde, wie sie ihrer Schwester gegenüber tat. Ja, er hatte es hoch und heilig versprochen. Zwar hatten sie sich eine gute Woche lang nicht gesprochen oder geschrieben, aber das war in ihrer Beziehung nicht ungewöhnlich. Abflugtag und -zeit standen fest. Da hatte es nichts weiter zu besprechen gegeben. Also wo blieb der Kerl? Hatte Pepe tatsächlich kalte Füße bekommen? Ein wenig konnte Beate das nachvollziehen, denn eigentlich war der gesamte Urlaub eine blödsinnige Idee gewesen. Zwei Wochen tagtäglich mit ihrer Familie zusammen zu sein, das würde eine ganz neue Erfahrung für Beate werden. Sie lebte allein und traf sich nur ab und zu unverbindlich mit Pepe. Oder mit anderen, wenn ihr danach war. Ihr Job als Kriminalkommissarin ließ ohnehin keine richtige Beziehung zu. Das redete sie sich jedenfalls ein. Und der Kollegenkreis schien ihr recht zu geben. Die wenigsten waren glücklich verheiratet. Etliche hatten schmerzhafte Trennungen hinter sich, unter denen nicht nur die Kinder, sondern auch die Bankkonten der Beteiligten gelitten hatten. Häuser und Autos waren verkauft und Besuchsregeln aufgestellt worden. Das wollte sich Beate nicht antun. Sie war zufrieden mit ihrem Leben, so wie es war. Oder etwa nicht? Geistesabwesend kaute sie auf ihrer Unterlippe – bis sie Blut schmeckte.
»Na klar kommt Onkel Pepe mit! Er hat es doch versprochen!«
Natürlich musste Angelika ihren Senf dazugeben. Beates elfjährige Nichte hatte eigentlich immer das letzte Wort und zu allem etwas zu sagen. Ihre neunmalkluge Art konnte einem gehörig auf den Wecker gehen. Trotzd