Während er von den Jungferninseln schreibt, kurvt vor dem Fenster eine Möwe. Sie segelt bussardhaft unterm Birkengezweig, trägt aber das zeichenhafte Weiß von Meer und Küste. Als sie über den grießigen Wiesen verschwindet, hinterlässt sie eine merkwürdig unpassende Erhabenheit.
Wenn seine Frau nach Hause kommt, stellt sie die Tasche ab, zieht die Jacke aus und setzt sich zu ihm aufs Sofa. Rasch beginnt sie zu erzählen. Das ist wie ein Ritual. Lächelnd hört er ihr zu. Nach einer halben Stunde sei es ihr gelungen, die Klientin zu beruhigen, erzählt sie. Sie habe Zeit verloren. Sie machte eine Telefonnotiz für die Akte, tippte das Protokoll der letzten Teamsitzung ab und stellte es ins Intranet. Dann nahm sie sich den Entwicklungsbericht vor. Sie las ihre Notizen vom Vortag, wurde müde, hatte keine Lust mehr. Die Tür halte sie immer geschlossen, weil die Kollegen so laut telefonieren. Niemand klopfe an. Sie sei aufgestanden und ans Fenster gegangen. Der Hibiskus auf dem Fensterbrett hatte wieder Blätter bekommen. Sie goss ihn und schaute hinaus. Häuser, Straßen, die Stadt. Gegenüber die Polizeiwache. Morgen müsse sie den Dienstwagen zum Fuhrpark bringen. Um halb fünf wollte sie heute pünktlich Schluss machen, aber sie hat es wieder nicht geschafft. Fünfunddreißig Fälle pro Mitarbeiter. Manchmal geht sie nach Feierabend noch am Elbufer spazieren oder setze sich freitags zum Wochenabschluss ins Café im Alsterpavillon. Das habe