: Rainer Gross
: Tagundnachtgleiche Roman. Neuausgabe
: Books on Demand
: 9783695146284
: Schriftsteller-Zyklus
: 1
: CHF 6.10
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 204
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Schriftsteller ist nach zwanzig Jahren zurück in der Heimat. Er wird rasch wieder heimisch, genießt die Ausflüge auf die Schwäbi-sche Aln und freut sich bereits auf einen friedlichen Lebensabend. Da stellt sich endlich der literarische Erfolg ein, und er scheint der Erfüllung seines Lebenstraums ganz nah. Doch es kommt alles anders, als er erwartet hat. Als er sechzig wird, zieht er Bilanz, über sein Leben, sein Schreiben, seine Träume, und die Ruhelosigkeit seiner Existenz wird ihm erst richtig bewusst. Der dritte Band des Schriftsteller-Zyklus von Rainer Gross.

Rainer Gross, Jahrgang 1962, geboren in Reutlingen, studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Theologie. Heute lebt er mit seiner Frau als freier Schriftsteller wieder in seiner Heimatstadt. Er wurde 2008 mit dem Friedrich-Glauser-Debütpreis ausgezeichnet. Bisher sind rund siebzig Titel von Rainer Gross erschienen. Zuletzt veröffentlicht: Novemberland (2023); Schafsgezwitscher (2023); Das heiratende Mädchen (2023); Jesus trinkt den Kaffee schwarz (2024); Café im Hof (2024); Abschied in Cork (2024); Jahrtausendwende (2025); Gezeitenwechsel (2025);

Die Trabantensiedlung am Rand der Stadt Übernachten im einstigen Jugendzimmer in der Wohnung seiner Eltern. Nun ist nur noch der Vater da. Er ist ein über achtzigjähriges Männlein geworden, das ihn mit großen, manchmal verwunderten Augen anschaut. Der Vater ist froh, dass sie jetzt bei ihm sind, zeigt seine Zuneigung in tausend Besorgungen, hat Wurst geholt vom Lieblingsmetzger, frische Brezeln, Cola in Literflaschen. Sie werden bis morgen bleiben, wenn der Umzugslaster aus Hamburg ankommen wird.

Die Albberge sind vom Nebel verhüllt, Nieselregen, es ist kalt. Die Wohnungsübergabe macht der Eigentümer, der gegenüber wohnt, ein feiner alter Herr aus Rumänien, pensionierter Mathematiklehrer. Sie warten im Auto an der Straße auf den Laster. Ringsum lauter Eigentumswohnungen, die Häuserblöcke erschreckend nah, eingebaut wie im Baukasten, denkt er. Die beiden Hochäuser geben einen Hauch von Großstadt. Er hat Angst, dass seine Geschichte hier, seine Kindheit und Jugend und die Studienjahre ihn einholen. Die unglückliche erste Liebe, wegen der er nach Melbourne ging. Sein Suizidversuch damals, mit zwanzig. Kurz wünscht er sich die Anonymität des Nordens zurück. Ein Omnibus fährt auf der Hauptstraße vorbei, hält an, lässt Leute aussteigen, großformatige Werbung an den Flanken, er kennt den Bus, er kennt die Linie, er kennt die Haltestellen. Plötzlich wird ihm kla