: Frank Kralemann
: Ein dickes Fell fürs Leben
: Books on Demand
: 9783695129584
: 1
: CHF 7.00
:
: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 226
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein dickes Fell zu haben bedeutet nicht, gefühllos oder abgestumpft zu sein. Es geht nicht darum, eine emotionale Rüstung anzulegen, die nichts mehr an Sie heranlässt. Im Gegenteil ,wahre emotionale Stärke zeigt sich darin, berührbar zu blei-ben und trotzdem nicht bei jedem Windhauch um-zufallen. Ein dickes Fell im besten Sinne ist wie die Rinde eines Baumes: Sie schützt das empfindsame Inne-re, ohne den Austausch mit der Umwelt zu unter-binden. Der Baum kann weiterhin Nährstoffe aufnehmen, auf Jahreszeiten reagieren, wachsen und gedeihen aber er übersteht auch Stürme, ohne entwurzelt zu werden. In der Psychologie sprechen wir von Resilienz ,der Fähigkeit, sich von Rückschlägen zu erholen und an Herausforderungen zu wachsen. Und hier kommt die gute Nachricht: Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, die man hat oder nicht hat. Sie ist eine Fähigkeit, die sich entwickeln lässt.

Frank Kralemann wohnt in der Nähe des Teutoburger Waldes. Er schreibt seit 2007 Bücher. Meist über Themen, die ihn selbst betreffen, so wie bei diesem Buch. Mittlerweile schon in Rente arbeitet,er noch ein paar Tage die Woche. In seiner Freizeit läuft er gerne in der Natur. Frank Kralemann ist Vater und Großvater.

Kapitel 1: Die Wissenschaft der Resilienz – Was macht Menschen widerstandsfähig?


"In der Mitte der Schwierigkeit liegt die Möglichkeit." – Albert Einstein

Stellen Sie sich zwei Geschwister vor, die in derselben schwierigen Familie aufwachsen. Der Vater ist Alkoholiker, die Mutter überfordert, Geld ist knapp, Zuwendung noch knapper. Dreißig Jahre später: Das eine Geschwisterkind kämpft mit Depressionen und Suchtproblemen, das andere hat eine glückliche Familie gegründet und einen erfüllenden Beruf. Wie kann das sein? Warum zerbrechen manche Menschen an Schicksalsschlägen, während andere daran wachsen?

Diese Frage beschäftigte auch Emmy Werner, als sie 1955 ihre bahnbrechende Studie auf der hawaiianischen Insel Kauai begann. Was sie in den folgenden 40 Jahren entdeckte, revolutionierte unser Verständnis von menschlicher Widerstandskraft.

Die Kauai-Studie: Die Geburtsstunde der Resilienzforschung


Emmy Werner und ihr Team begleiteten 698 Kinder von der Geburt bis ins Erwachsenenalter. Etwa ein Drittel dieser Kinder wuchs unter extrem schwierigen Bedingungen auf: chronische Armut, Geburtskomplikationen, psychisch kranke oder suchtkranke Eltern, Vernachlässigung, Gewalt. Nach damaliger Lehrmeinung waren diese Kinder zum Scheitern verurteilt.

Doch Werner machte eine erstaunliche Entdeckung: Von den 201 Hochrisiko-Kindern entwickelten sich 72 zu kompetenten, selbstbewussten und fürsorglichen Erwachsenen. Sie hatten stabile Beziehungen, waren beruflich erfolgreich und