Sinn oder Unsinn?
Wie oft hast du dir im Laufe deines Lebens bereits die Frage gestellt: Was mache ich hier? Nicht in dem Sinne von: Was mache ich gerade? Eigenartige Fragen lesen? Nein, sondern im Sinne von: Weshalb bin ich hier? Und wohin gehe ich, nachdem ich nicht mehr bin?
Ich stellte mir diese Fragen oft in meiner Kindheit, denn ich wurde streng katholisch erzogen. Sonntägliche Kirchgänge gehörten mit zum wöchentlichen Familienprogramm, ebenso die Spielenachmittage. Ich hatte noch das Glück, in eine Kirche zu gehen, dank meiner Eltern. Dort verstand man den Pfarrer, der fast schon theatralisch und voller Begeisterung seine Predigt an die Gemeinde weitergab.
Kleine Anmerkung: Im Erwachsenenalter besuchte ich wiederum mit meiner Familie einen Gottesdienst. Es waren schwer, bzw. so gut wie kaum verständliche Worte, aufgrund des fortgeschrittenen Alters des Geistlichen, die von seinem nur mehr schwach zu öffnenden Mund kamen. Meine Hochachtung für dieses Alter, doch nicht dafür, dass eine Kirchengemeinde eine Stunde eine Messe besucht und davon mehrheitlich nichts versteht. Dabei vergesse ich ganz, dass es erst ca. 60 Jahre her ist, dass die Kirchensprache nicht mehr überwiegend Latein ist. Eine einheitliche liturgische Sprache ist wundervoll, sofern sie denn von Menschen weiterhin gesprochen und verstanden wird. Es darf inspirieren und nicht demotivieren, ähnlich einer motivierenden Rede von Speakern.
Nach diesem Gottesdienst beschloss ich, meine Kinder nicht mehr zu nötigen, eine Messe zu besuchen. Was im Rückkehrschluss nicht bedeutet, dass wir nicht gläubig sind, ganz im Gegenteil, sondern dass wir Spiritualität teilen, was für mich keine Trennung von irgendeiner Religion zulässt.
Weshalb? Die Botschaften sind ähnlich, wenn auch nicht gleich. Doch was ermächtigt mich, dir oder mir zu sagen, das Christentum sei besser? Ich helfe dem Gedächtnis gerne auf die Sprünge, denn Kreuzzüge waren alles andere als ein Miteinander und Brücken bauen.
Wenn ein Leben im Einklang mit der Natur funktionieren soll, bedarf es eines Anfangs und dieser beginnt bei einem selbst. So wie dieses Buch. Es nahm seinen Anfang mit der Entscheidung, es zu schreiben. Die Uhrzeit setzte ich mir bei Kerzenschein auf 4 Uhr morgens, später auf 5 Uhr – immer noch früh genug und zu früh für mich als Nachteule. Vor allem, da ich mich zu diesem Zeitpunkt in der Ausbildung, bis spät in die Nacht, bei Maxim Mankevich befand.
Jeder Mensch hat einen anderen Biorhythmus. Ich las über eine Dame, die meinte, dass diese frühe Uhrzeit die perfekte Zeit für sie sei. Die Ruhe, bevor der Alltag tobt. Ihre Kinder, die sie benötigen, da sie noch klein und nicht selbständig sind. Für sie eine prima Zeit.
Ich fand es spannend und übernahm es, denn alles beginnt mit einer Entscheidung, die du triffst oder eben nicht – auch das ist eine Entscheidung, länger im Bett liegen zu bleiben. Du entscheidest eigentlich nie nicht. Denn jede Unschlüssigkeit ist ebenfalls eine Entscheidung, sich nicht schlüssig zu sein. Jedes Aufschieben bedeutet: Ich habe jetzt keine Lust – vielleicht morgen.
Was wäre, wenn du heute anfangen würdest, indem du dir selbst sagst: Heute ist der beste Tag für mich, um zu beginnen – mit was auch immer. Denn, mit Verlaub, wer weiß schon, was morgen ist, was da wieder sein könnte, das dich dazu bewegt, es wieder zu verschieben. „Irgendwas ist immer“, heißt es so schön und es stimmt.
Leben passiert, ob mit oder ohne uns. Schöner mit uns, denn jeder kann seinen Beitrag leisten und seinen Weg gehen. Und wenn du dich jetzt fragen solltest: Was ist mein Weg? Wo kann ich ihn finden? So kann ich dir die Frage nicht beantworten, denn für jeden sieht dieser Weg anders aus. Wäre ja auch schade, wenn nicht!
Doch wir können es gemeinsam angehen, es herauszufinden. Vielleicht ist dieses Buch ein „game changer“, wie man so schön sagt, und wenn nicht, so hat es dir zumindest – hoffentlich – Freude bereitet, es zu lesen. Ein paar Impulse gegeben, damit du dich erinnerst, wer du bist. Ein spirituelles Wesen, das eine menschliche Erfahrung macht.
Lesen stärkt die Seele
Voltaire
… oder in den Worten von
Johann Wolfgang von Goethe:
Wer Bücher liest, schaut in die Welt und nicht nur bis zum Zaun.
Ich las meiner Großmutter, die inzwischen 99 Jahre alt ist und im Seniorenheim lebt, „Momo“ von Michael Ende vor – ein Buch, das mich immer wieder aufs Neue begeistert.
Darin tauchen die grauen Herren auf: alle gleich aussehend, gesichtslos, austauschbar. Wer möchte schon so sein?
Als Kind fühlte ich mich sofort mit Momo verbunden – und bis heute hat sich daran nichts geändert. Ein Mädchen, ähnlich unkonventionell wie Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf und doch ganz anders. Beide eint ihr Mut, anders zu sein und ihren eigenen Weg zu gehen. Genau wie meine Großmutter.
Es war ihre freie Entscheidung, ins Seniorenheim zu ziehen. Als meine Mutter und ich