KAPITEL ZWEI
„Guten Tag“, hauchte sein blendendes Lächeln. Er war nicht älter als 18 oder 19, fast noch ein Teenager.
Sein Auftreten jedoch wirkte erwachsen und selbstbewusst. Er trug einen langen, tiefblauen Wollmantel, darunter eine beige Hose (Internatsstyle, wenn ihr mich fragt), und moderne Sneaker. Die Sportschuhe verliehen seinem eher elitären Aussehen einen sportlichen Schwung. Ich erwischte mich dabei, das gut zu finden. Seine helle, makellose Haut verriet sein jüngeres Alter, zumindest interpretierte ich seine faltenlose Schönheit so. Die grünen Augen funkelten neben seinem Zahnpasta Lächeln um die Wette. Und diese Haare, schwarz wie die Nacht und leicht gelockt- ich erwischte mich bei dem Gedanken, mich sofort dort hineinlegen zu wollen. Wenigstens einmal daran riechen, oder mit einer Locke spielen. „Hallo?“, sagte der Lockenkopf. Ich zuckte zusammen.
„Guten Tag“, stotterte ich und zupfte mir nervös meine Haare zurecht. „So ein süßer kleiner Laden, ich wusste gar nicht, dass ihr so viel im Sortiment habt“, meinte er und schaute sich im Laden um. Dabei wirkte er mehr wie jemand, der die Inventur machen wollte, als ein Tourist.
„Sind Sie Tourist?“, war das Einzige, was mir Sinnvolles einfiel. Mein Herz pochte, ich zuppelte immer noch nervös an meinen Haaren.
„Ich? Nein, meinem Vater gehört das Hotel Hexenblick“, erklärte er und inspizierte weiter jedes Regal. Einerseits wirkte diese Erklärung unglaublich arrogant auf mich. Schaut her, ich bin der Sohn eines Hotelbesitzers, des größten und teuersten Hotels in der Gegend, dachte ich und rümpfte meine Nase. Andererseits - er kam von hier. Er lebte also hier. Wir können also heiraten. Aber wieso kannte ich ihn