: Günter Kampf
: Der Camino der Hoffnung
: Books on Demand
: 9783819285219
: 1
: CHF 7.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 258
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Johannes, ein Pastor, hat während der Pandemie bedürftige Menschen im Stich gelassen und damit gegen seine eigenen Überzeugungen gehandelt. Nun begibt er sich auf den Camino San Salvador von León nach Oviedo, um mit sich ins Reine zu kommen. Auf seiner Reise trifft er Clara, eine Fitness- und Ernährungstrainerin, die nach einer schweren COVID-Erkrankung und persönlichen Verlusten mit ihrem Leben hadert, sowie Felix, einen jungen Mann, der nach einer Herzmuskelentzündung durch die Impfung dauerhaft geschwächt ist und seine Lebensperspektive sucht. Immer wieder begegnen sich die drei auf dem Pilgerweg, konfrontiert mit Vorwürfen, Unverständnis, Wut und Verzweiflung. In ihren Gesprächen und Erlebnissen finden sie neue Erkenntnisse und letztlich die Hoffnung, die zu einer Versöhnung mit ihrer Vergangenheit führen könnte.'Der Camino der Hoffnung' ist eine bewegende Geschichte über die eigenen Grenzen, Verlust, Versöhnung und die Kraft menschlicher Begegnungen. Begleiten Sie Johannes, Clara und Felix auf ihrer Pilgerreise und erleben Sie, wie selbst in dunkelsten Zeiten immer noch Hoffnung entstehen kann.

Günter Kampf ist Buchautor, selbstständiger Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin in Hamburg sowie außerplanmäßiger Professor für Hygiene und Umweltmedizin an der Universität Greifswald. Er hat mehr als 250 wissenschaftliche Veröffentlichungen in meist internationalen Fachzeitschriften, 44 Buchkapitel sowie fünfzehn Fachbücher veröffentlicht. Das vorliegende Buch ist sein erster Roman.

1 – León


Das vom Leben gezeichnete Gesicht einer alten Frau näherte sich Johannes Winter, ganz langsam, aber unaufhaltsam. Ihre Augen, tief und unergründlich, starrten ihn an, während sie sich immer mehr in sein Blickfeld schob. Ihr Haar war grau, zerzaust und unordentlich, und sie trug eine hellgrüne OP-Maske, die ihr Gesicht fast vollständig verhüllte. Wer war sie? Johannes konnte sich nicht erinnern, sie jemals gesehen zu haben. Doch da war etwas an ihrem Blick, das ihm bekannt vorkam, etwas, das sich wie eine schwer lastende Erinnerung anfühlte.

Plötzlich sprach sie laut zu ihm: „Wo warst du, als ich dich gebraucht habe?“ Ihre Stimme schnitt wie ein Messer durch die Stille. Johannes wollte zurückweichen, doch sein Körper gehorchte ihm nicht. Er wollte antworten, doch kein Laut kam über seine Lippen. Es war, als ob seine Stimme erstickt worden wäre, gefangen in seiner Kehle. Das Gesicht kam immer näher, fast berührte es seine Nase. Der Raum um ihn herum schien sich zu verengen, bis es plötzlich still war.

Und dann war sie weg. An ihrer Stelle stand nun Carmen, seine Frau. Ihre Augen, die die gleichen schmerzlichen Fragen stellten, wie die der alten Frau, durchbohrten ihn mit einem unverhohlenen Vorwurf. „Ich hätte dich so dringend gebraucht. Wo warst du?“ Ihre Stimme war leise, aber der Schmerz darin laut genug, um ihn wie ein Schlag zu treffen. Johannes wollte einige Worte sprechen, doch seine Lippen blieben stumm. Verzweiflung kroch in ihm hoch. Warum konnte er nichts sagen? Warum konnte er ihr nicht erklären, was er nicht einmal selbst verstand?

Plötzlich tauchte Larissa auf, seine zehnjährige Tochter. Sie stand neben Carmen, ihre Augen fest auf ihn gerichtet. Ihr Blick war unerbittlich, bohrte sich wie ein scharfer Pfeil in seine Seele. Lange Stille. Nur das schwere, durchdringende Anstarren,