: Immanuel Kant
: Dr. Friedrich Theodor Rink
: Über Pädagogik oder Von der physischen und praktischen Erziehung des Menschen
: Books on Demand
: 9783695174188
: 1
: CHF 5.30
:
: Pädagogik
: German
: 108
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Immanuel Kant, der wohl bekannteste deutsche Philosoph der Aufklärung, hielt im Alter in einem kleinen Werk seine Gedanken über die Erziehung der Jugend zu wertvollen Mitgliedern der Gesellschaft fest. Vorgetragen vor Studenten an der Universität seiner Heimatstadt Königsberg in Ostpreußen, orientiert sich seine Schrift an den humanen Gedanken Rousseaus, Pestalozzis, Oliviers und nicht zuletzt seines Freundes und Kollegen Dr. Friedrich Bock. Kant referiert, daß dem Heranwachsenden nicht nur trockenes Schulwissen vermittelt werden soll, sondern vor allem Moral, geistige Mündigkeit, Charakterfestigkeit, ein gesundes Ehrgefühl sich und seinen Mitmenschen gegenüber u. v. m. - Ein wertvolles Büchlein, daß es auch in unserer Zeit verdient, beachtet und angewandt zu werden. Für den heutigen Leser wurde das Werk zur angemehmeren Lektüre schonend überarbeitet sowie in die traditionelle deutsche Rechtschreibung übertragen; lateinischen Textpassagen wurde eine deutsche Übersetzung in den Fußnoten hizugefügt.

Über Pädagogik


DER Mensch ist das einzige Geschöpf, das erzogen werden muß. Unter der Erziehung nämlich verstehen wir die Wartung (Verpflegung, Unterhaltung), Disziplin (Zucht) und Unterweisung nebst der Bildung. Demzufolge ist der Mensch Säugling, – Zögling, – und Lehrling.

Die Tiere gebrauchen ihre Kräfte, sobald sie deren nur welche haben, regelmäßig, d. h. in der Art, daß sie ihnen selbst nicht schädlich werden. Es ist in der Tat bewundernswürdig, wenn man z. E. die jungen Schwalben wahrnimmt, die kaum aus den Eiern gekrochen, und noch blind sind, wie die es nichts desto weniger zu machen wissen, daß sie ihre Exkremente aus dem Neste fallen lassen. Tiere brauchen daher keine Wartung, höchstens Futter, Erwärmung und Anführung, oder einen gewissen Schutz. Ernährung brauchen wohl die meisten Tiere, aber keine Wartung. Unter Wartung nämlich versteht man die Vorsorge der Eltern, daß die Kinder keinen schädlichen Gebrauch von ihren Kräften machen. Sollte ein Tier z. E. gleich, wenn es auf die Welt kommt, schreien, wie die Kinder es tun: so würde es unfehlbar der Raub der Wölfe und anderer wilden Tiere werden, die es durch sein Geschrei herbeigelockt.

Disziplin oder Zucht ändert die Tierheit in die Menschheit um. Ein Tier ist schon alles durch seinen Instinkt; eine fremde Vernun