Kein Gedanke, keine Erkenntnis kommt von ungefähr, etwa vom Würfeln, oder entsteht im leeren Raum. Jeder Einsicht, jeder Erkenntnis ist aber auch etwas zutiefst Unableitbares, Ursprüngliches eigen. Diese dialektische Doppelung von scheinbar einander widersprechenden Aussagen zielt auf ein schwieriges wissenschaftstheoretisches Problem, das an dieser Stelle nur genannt, nicht angegangen werden kann: das Verhältnis von Ursprünglichkeit und Geschichtlichkeit in der Erkenntnis.
Nur soviel soll hiermit angedeutet werden: wer eine thetisch formulierte Erkenntnis, die – wie in unserem Falle – ein ganzes Lebenswerk durchzieht, richtig verstehen und sachgerecht würdigen will, wird nicht daran vorbeikommen, diese Erkenntnis einerseits aus ihrer Herkunft aus einem bestimmten geistigen Traditions- und Bedingungszusammenhang zu begreifen, andererseits aber gerade ihre letzte Unableitbarkeit aus diesem Herkunftsmilieu wahrzunehmen. Diese Dialektik des Ursprungs macht eine Erkenntnis wesentlich komplex, und diese Komplexität läßt alles sogenannte Zurückführen auf Früheres als zu primitiv, das bloße, gleichsam ,absolute’ Herausstellen des ,Gehaltes’ hingegen als naiv erscheinen. Die folgenden Darlegungen möchten daher als Leitmotiv das Bemühen erkennen lassen, Rahners These, daß der Mensch wesentlich auf das Geheimnis verwiesen und dadurch zuinnerst selbst Geheimnis ist, sowohl in ihrer ursprunghaften, wie in ihrer traditionsverhafteten Eigenart zu sichten.
Die eben genannte These Rahners kann zwar über seiner ganzen philosophischen und theologischen Anthropologie als deren Titel stehen, ein Titel, der die innerste und letzte Einheit beider Anthropologien formuliert und auf den ,Begriff’ bringt. Der Grundgedanke aber, oder die zugrundeliegende Urerfahrung, welche diese philosophisch-theologische Entwicklung bei Rahner erst ermöglichte und vorantrieb, ist in der systematisch-expliziten Entfaltung dieser Konzeption nicht mehr oder nur noch mit Mühe direkt greifbar. Wo ist der rechte Ansatzpunkt für die These Rahners zu suchen, zu deren Erhellung unsere Untersuchung unterwegs ist? Die philo