: Klaus P. Fischer
: Hans-Jürgen Sträter
: DER MENSCH ALS GEHEIMIS DIE ANTHROPOLOGIE KARL RAHNERS
: Books on Demand
: 9783695137855
: 1
: CHF 8.80
:
: Christentum
: German
: 348
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der wohl folgenreichste Aspekt der Säkularisierung in den alten christlichen Ländern der westli­chen Hemisphäre ist ein Verständnis des Menschen, das ihn als innerweltlich völlig erklärbares, autonom vollendbares Lebewesen visioniert, das auf Glauben an Gott, Jesus Christus, Kirche und"ewiges Leben" - wie auf eine abgedroschene Begleitmusik - verzichten zu können meint. Karl Rahner hat diese Trends und Neigungen des Zeitgeistes früh erkannt und setzte sich in seiner Anthropolo­gie und Theologie mit dem säkularisierten Menschenbild und dessen Vorentscheidungen tiefgründig auseinander. Das vorliegende Werk, das hier zum dritten Mal aufgelegt wird, will diese weltgeschichtliche Aus­einandersetzung samt ihren Wurzeln anhand von Rahners Werk darstellen und zugleich aufzeigen, auf welchen Wegen das Geheimnis als Urgrund jeder menschlichen Existenz neu entdeckt werden und diese erhellen kann. Damit kann auch deutlich werden, dass christlicher Glaube tiefer gründet und dem Menschen wesentlich mehr entgegen kommt, als Werbung und journalistisch aufgemachte Menschen­bilder suggerieren. Hrsg. Hans-Jürgen Sträter, Adlerstein Verlag

Klaus P. Fischer, geb. 1941 in Stuttgart, studierte Klassische Philologie, Philosophie und Theologie in Tübingen, Innsbruck, Paris und Frankfurt/M. Theologische Promotion und Habilitation am Institut Catholique de Paris bei Henri Bouillard SJ über die Anthropologie Karl Rahners"Der Mensch als Geheimnis". Mitglied des Oratoriums des hl. Philipp Neri in Heidelberg. Langjährige Tätigkeit in Pastoral, Religionspädagogik, Klinik-Seelsorge, Erwachsenenbildung, Kirchl. Rundfunk­arbeit u.a.m. Diverse Veröffentlichungen zu Themen des Glaubens und christlicher Welt-Anschauung, wie Gott und Teufel, Gott und Schicksal, Schöpfung - Naturwissenschaft, Tod und Auferstehung, Eucharistie und Abendmahl, Mensch - Gott - Kirche, u.a.m. Lehrbeauftragter für Katholische Theologie an der Evangel.-Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg.

ERSTES KAPITEL


Der Mensch als Geheimnis in der „Erfahrung der Gnade“


§ 1. Geistliche Erfahrungen und Geistliche Übungen

Kein Gedanke, keine Erkenntnis kommt von ungefähr, etwa vom Würfeln, oder entsteht im leeren Raum. Jeder Einsicht, jeder Erkenntnis ist aber auch etwas zutiefst Unableitbares, Ursprüngliches eigen. Diese dialektische Doppelung von scheinbar einander widersprechenden Aussagen zielt auf ein schwieriges wissenschaftstheoretisches Problem, das an dieser Stelle nur genannt, nicht angegangen werden kann: das Verhältnis von Ursprünglichkeit und Geschichtlichkeit in der Erkenntnis.

Nur soviel soll hiermit angedeutet werden: wer eine thetisch formulierte Erkenntnis, die – wie in unserem Falle – ein ganzes Lebenswerk durchzieht, richtig verstehen und sachgerecht würdigen will, wird nicht daran vorbeikommen, diese Erkenntnis einerseits aus ihrer Herkunft aus einem bestimmten geistigen Traditions- und Bedingungszusammenhang zu begreifen, andererseits aber gerade ihre letzte Unableitbarkeit aus diesem Herkunftsmilieu wahrzunehmen. Diese Dialektik des Ursprungs macht eine Erkenntnis wesentlich komplex, und diese Komplexität läßt alles sogenannte Zurückführen auf Früheres als zu primitiv, das bloße, gleichsam ,absolute’ Herausstellen des ,Gehaltes’ hingegen als naiv erscheinen. Die folgenden Darlegungen möchten daher als Leitmotiv das Bemühen erkennen lassen, Rahners These, daß der Mensch wesentlich auf das Geheimnis verwiesen und dadurch zuinnerst selbst Geheimnis ist, sowohl in ihrer ursprunghaften, wie in ihrer traditionsverhafteten Eigenart zu sichten.

Die eben genannte These Rahners kann zwar über seiner ganzen philosophischen und theologischen Anthropologie als deren Titel stehen, ein Titel, der die innerste und letzte Einheit beider Anthropologien formuliert und auf den ,Begriff’ bringt. Der Grundgedanke aber, oder die zugrundeliegende Urerfahrung, welche diese philosophisch-theologische Entwicklung bei Rahner erst ermöglichte und vorantrieb, ist in der systematisch-expliziten Entfaltung dieser Konzeption nicht mehr oder nur noch mit Mühe direkt greifbar. Wo ist der rechte Ansatzpunkt für die These Rahners zu suchen, zu deren Erhellung unsere Untersuchung unterwegs ist? Die philo