Der Flug des Pommern
Wind über Wolin
Es war ein düsterer Morgen an der Ostseeküste, als sich der alte Doppeldecker in Bewegung setzte. Der Nebel hing tief über den salzverkrusteten Dünen, Möwen schrien im grauen Licht, und das Knattern des Motors zerriss die schläfrige Ruhe über dem kleinen Flugfeld nahe Wolin. Am Steuer: Ewald Bröcker – ein Pommer, wie er im Buche stand. Breitschultrig, wettergegerbt, mit einem Schnurrbart, der wie ein trotziges Ausrufezeichen gegen den Wind stand.
Ewald war kein gewöhnlicher Mann. In der frühen Pionierzeit der Luftfahrt hatte er seinen Ruf erflogen – nicht mit Reden, sondern mit riskanten Alleinflügen, halsbrecherischen Wendemanövern und der ruhigen, bedächtigen Art, mit der er jedem Sturm begegnete. Nicht stur, sagten seine Kameraden, aber eigensinnig. Er flog nicht für Ruhm. Er flog, weil er musste. Es war sein Weg, der Welt zu entkommen und sie doch gleichzeitig aus der Höhe zu umarmen.
Doch heute war anders. Heute flog er nicht allein.
Neben ihm auf dem Sitz saß eine schmale Gestalt, tief in einen Mantel gehüllt, das Gesicht hinter einer Pilotenbrille verborgen. Kein Wort war gewechselt worden, seit die geheimnisvolle Person mit einer Aktentasche unterm Arm das Rollfeld betreten hatte. Nur ein Blick. Fest, kalt,