: Margarita Kousseva
: Ein Jahr Urlaub Neuseeland
: Books on Demand
: 9783769381788
: Ein Jahr Urlaub
: 1
: CHF 8.80
:
: Australien, Neuseeland, Ozeanien
: German
: 344
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das ist mein erstes Reisebuch der geplanten Reihe, die über"ein Jahr Urlaub" erzählt, und mein erstes Buch überhaupt. Ob man es als Reisetagebuch, Memoiren oder eine Sammlung von Essays bezeichnen will, spielt keine Rolle. Am treffendsten wäre wohl"eine enzyklopädische Reisetagebucherzählung über Neuseeland", denn sie umfasst Geschichte, Geografie, Geologie, Vulkanologie, Botanik, Biologie, Psychologie, Politik, Journalismus, alles, was mich auch interessiert hat. Ich möchte euch gern gedanklich auf die beiden Inseln Neuseelands mitnehmen, die ihr mit uns per Flugzeug, Auto, Fahrrad, Boot, Seilbahn, Golfcart, Eisenbahn oder zu Fuß entdeckt. Gemeinsam durchqueren wir Staatsstraßen, Wald- und Bergwege, vorbei an Wasserfällen und Vulkanen, an sonnigen Tagen, im Regen, bei Tageslicht oder mit einer Taschenlampe in der Nacht. Ihr werdet fast physisch spüren, wie sich die Temperatur um euch herum ändert, euch das Schwanken des Bodens bei einem Erdbeben vorstellen, die leuchtenden Glüh-würmchen im Halbdunkel sehen, nach dem berühmten Kiwi-Vogel Ausschau halten, von der Schwanzflosse eines Wals bespritzt werden, das Rauschen exotischer Vögel in den Baumkronen fremder Bäume hören, erschauern bei dem Gedanken, dass dieser Vulkan erst vor Kurzem ausgebrochen ist - und ihr euch ganz in seiner Nähe befindet.

Ich wurde 1969 in Sofia, Bulgarien geboren. Mit 22 Jahren kam ich nach Zürich, wo ich Informatik an der ETH Zürich studierte. In Zürich habe ich meinen Mann russischer Abstammung ken-nengelernt, wir haben drei Kinder. Über 30 Jahre lang war ich als IT-Architektin und IT-Projektleiterin in Großbanken sowie in der öffentlichen Bundesverwaltung in der Schweiz tätig. Ich liebe meinen Beruf, jedoch brauche ich immer wie-der einen Ausgleich zu der IT-Welt. Nach einer langen beruflichen Laufbahn habe ich meine Familie überzeugt, eine ein-jährige Auszeit zu nehmen, um die Welt zu erkunden.

Prolog


„Was ist ein Sabbatical?“

Die Frage des freundlichen jungen Mannes am Schalter vor der amerikanischen Botschaft in Bern trifft uns unvorbereitet. Es ist früh am Morgen, und wir sind zu unserem bereits vor zwei Monaten reservierten Termin erschienen – alle vier, denn wir planen, länger als drei Monate in den USA zu bleiben. Selbst mit unseren Schweizer Pässen reicht das nicht aus. Ich habe zweieinhalb Monate auf Hawaii eingeplant, wo die Kinder ein internationales College besuchen werden. Nachher ist die Zeit knapp, den Kontinent von der West- zur Ostküste nach New York zu durchqueren, wie ich gern hätte. Da die USA unser letztes Reiseziel sind, wo wir erst in einem Jahr sein werden, ist mein Plan nicht einmal besonders gut durchdacht. Also habe ich vorsichtshalber ein Touristenvisum für mehr als drei Monate beantragt.

Wir reihen uns in die Schlange vor der Botschaft ein, die sich zwischen den Absperrungen hindurchzieht. Von den zahlreichen Informationsschildern vor dem Eingang erfahren wir, dass man nicht mit einem Laptop reinkommen kann. Mein Mann läuft die halbe Stunde zurück zum Bahnhof Bern, um seinen Computer in einem der Schließautomaten zu deponieren. Die Anweisung stand zwar in der E-Mail, aber da ich meinen Laptop nicht mitnehmen wollte, hatte ich sie übersehen und vergessen, dass Akim eigentlich auf dem Weg zur Arbeit war. Es beginnt zu regnen, und wir warten fast eine Stunde unter einem Dachvorsprung auf der gegenüberliegenden Straßenseite. schließlich kommt er, außer Atem, zurück. Endlich dürfen wir mit dem jeweiligen dicken Teil der Warteschlange durch den hinter einer Betonmauer versteckten Eingang ins Gebäude.

Drinnen folgen die üblichen Prozeduren: Sicherheitskontrolle, Überprüfung der Formulare, Bestätigung der Vorregistrierung – und nach fast einem Kilometer Fußmarsch erreichen wir endlich den letzten Schalter. Meine Formulare und die der Kinder werden schnell überflogen und akzeptiert. Doch bei Akim prüft der Beamte genauer, verschwindet kurz und kommt mit einem Zettel handgeschriebene Liste zusätzlicher Dokumente zurück, die er noch vorlegen muss.

Akim hatte erklärt, dass er keinen russischen Pass mehr besitzt, was auch stimmt. Nach jahrelangem Hin und Her, in das sogar familiäre Kontakte zur russischen Polizei verwickelt waren, konnte er keinen neuen Pass m