TEIL 1
Oh
Release a little piece of my hoping
Away into the wild and free
– Dave Thomas Junior, Little Piece of Nothing
Er verschwand nie vollständig und kehrte immer wieder zurück. An jenem Morgen ging Lobsang aus dem Haus und sah ihn von den Bergen herabsteigen, nachdem er die Sommermonate, so weit von der Welt entfernt wie nur möglich, auf den höchsten Gipfeln verbracht hatte.
Als Vorbote dampfte Lobsangs stiller Seufzer. Er blickte zur Schule hinüber. Sie stand auf der Höhe seines Hauses, auf der anderen Seite der Felder. Er brauchte den Kindern nicht beizubringen, auf Englisch zu fragen, wann der Bus käme. Niemand wusste es. Er würde zu seiner eigenen Zeit kommen, unten im Tal, zwei Stunden Fußweg vom Dorf entfernt.
Lobsang war auch der Fremdenführer, die wenigen Male im Jahr, wenn jemand den Weg ins Dorf fand. Wenn Touristen kamen, nahmen sie die knappe Stunde zu Fuß vom Kloster Rhizong auf sich, um den Mutterbaum zu sehen. Älter als Buddha sei dieser, erzählte Lobsang dann den Reisenden vor dem gewundenen, knorrigen Baum.
Jeden Morgen, wenn er aus dem Haus in die Kälte trat, ging er zum Mutterbaum, anstatt den direkten Weg zur Schule zu nehmen. Es war kein Umweg, es war der richtige Weg. Ihn zu berühren bringe ein gutes Leben, erzählte er den Reisenden. Das war kein Slogan für eine Touristenattraktion. Seine Mutter hatte es ihm erzählt. Und seine Großmutter. Jeden Tag seines Lebens hatte er den Mutterbaum berührt, außer in den Jahren, als er in Dharamsala zum Lehrer ausgebildet wurde. Damals hatte er vor seiner Abreise die Hand auf die uralte Rinde gelegt. Das bedeutet, du wirst eine gute Reise haben und gut zurückkehren. Hatte seine Mutter gesagt. Und es hatte sich bewahrheitet.
Aber von den Touristen, die den Mutterbaum berührten, kam keiner je wieder.
Lobsang blickte hinauf zu den Gipfeln, die das Tal und das Dorf umgaben. Dieses Jahr kommt niemand mehr, dachte er und blickte auf die frisch verschneiten Berghänge, und wenn sich doch