: Karin Kiesele
: Verbindung und Verbundenheit Wie wir zu uns selbst finden und tiefe Beziehungen aufbauen
: Junfermann Verlag
: 9783749506545
: 1
: CHF 22.60
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: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 160
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Unser Leben ist vollgestopft mit Impulsen und Aufforderungen, »dabei zu sein«. Dennoch fühlen sich immer mehr Menschen isoliert, verloren und einsam. Grundlegende soziale Bedürfnisse bleiben auf der Strecke. Die Folge: Wir verlieren an Bodenhaftung und fühlen uns leer. Wir vermissen den Kontakt zu uns selbst und zu unserer Umgebung, aber sind doch nicht in der Lage, echte Verbundenheit zuzulassen. Wir gehen uns selbst immer wieder verloren - und möchten doch so gern »ankommen«. Dieses Buch, Inspirationsquelle für Menschen mit dem Wunsch nach Veränderung, für Coaches und Beratende, liefert Impulse und Einsichten für die Sinnsuche im Leben. Es bietet Übungen, die die Selbstakzeptanz und Beziehungsfähigkeit festigen, und gibt Anregungen, wie sich Resonanz, Empathie und Resilienz fördern lassen. Praktische Tipps unterstützen bei der Zielfindung und begleiten nachhaltig durch Veränderungsprozesse. Völlig losgelöst ...? - Wie Unverbindlichkeit echte Beziehung verhindert - Wie wir zu uns selbst zurückfinden - Wie wir Verbindung aufnehmen und Beziehungen nachhaltig gestalten und vertiefen

Karin Kiesele, Kommunikationswissenschaftler n, zertifizierte Leadership-Coach& Trainerin, Mitglied im deutschsprachigen Dachverband für Positive Psychologie e.V.

1. Vom Zeitgeist der Unverbindlichkeit


1.1 Bestandsaufnahme im Kleinen und im Großen


Uns geht es gut – aufgrund von technologischen und wirtschaftlichen Fortschritten. Und von morgens bis abends sind die meisten von uns irgendwie in Bewegung und auf irgendeine Weise in Kontakt – zumindest virtuell. Soziale Medien und digitale Kommunikationsmittel schaffen immer neue Wege dafür. Im Schnitt schauen wir mindestens 30-mal am Tag auf unser Handy. Liken, folgen, ablehnen, löschen – in der virtuellen Welt ist ständig Handlungsbedarf.

Unser Leben ist angefüllt mit Impulsen und Aufforderungen, „dabei zu sein“. Mails, Newsletter und Werbeflyer verstopfen den (E-Mail-)Postkasten, Vertragswechsel winken mit lukrativen Prämien. Und egal, auf welchem Kanal: Influenzer:innen und auch weniger Einflussreiche in den sozialen Medien propagieren glattgebügelt und gutgelaunt den Dauer-Optimierungskurs. Ob banal oder bedeutsam – ständig müssen wir aus einer Vielzahl an Möglichkeiten die vermeintlich richtige Auswahl treffen.

Obwohl wir immer enger miteinander vernetzt sind, fallen viele von uns durch die Maschen. Überall finden sich Spuren von Unverbindlichkeit. So werden z. B. Neukunden hofiert, während Stammkunden ein Schattendasein führen. Monatlich kündbare Verträge und befristete Arbeitsverhältnisse hinterlassen auch in unserem Privatleben ihren Abdruck. Wir bekunden Interesse an einer Facebook-Veranstaltung und gehen am Ende nicht hin. Wir liken sinnlos eine WhatsApp-Story, die sich nach 24 Stunden ohnehin wieder in Luft auflöst. Wir sagen Treffen mit Freunden ab, weil wir zu müde sind. Wir schwänzen Unternehmungen oder das Fitness-Studio, obwohl wir wissen, dass uns das gut tun würde. Und was tun wir stattdessen? Wir ziehen uns zurück und daddeln vor uns hin. Einmal nach links swipen, einmal nach rechts und dabei zuschauen, wie Fremde sich scheinbar ganz spontan vor ihren Schrankwänden, im Schlafzimmer und auf der Toilette filmen. Sie tänzeln, frotzeln und blödeln und treiben allerlei merkwürdigen Schabernack, um den Algorithmus auszutricksen. Das Private ist scheinbar öffentlich, wir haben Teil am Leben anderer, ohne wirklich dabei zu sein. Multimedial sind wir zwar ständig „on Air“ und stecken doch fest. Dass wir unter unserer Kuscheldecke sozial verlottern, merken wir erst spät.

In einer Umfrage der DAK aus dem Jahr 2023 äußerten 70 Prozent der Befragten, dass das soziale Miteinander in den vergangenen drei Jahren gelitten habe und wir hierzulande aggressiver, oberflächlicher und weniger verbindlich miteinander umgingen. Rund 81 Prozent der Personen gaben an, dass Termine und Zusagen leichtfertiger und kurzfristiger abgesagt werden als früher.

Der Internetkonsum steigt nicht nur bei jungen Nutzer:innen. 2022 lag der Bundesdurchschnitt bei 160 Minuten am Tag. Laut einem Bericht der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) der Europäischen Kommission besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der passiven Nutzung von Social Media sowie Einsamkeit: Sozia