2. Ressourcen – Stärken – Werte
2.1 Ressourcenorientierung(Sandra Brauer)
Setting: Ein-Personen-Setting, Mehr-Personen-System (Paar, Gruppe) im Coaching (Fallbeispiel), in modifizierter Form auch in Beratung und Therapie
Ziele: Stärkung des Klientensystems
Benötigtes Material: Keins
Kurzbeschreibung: Neben vielfältigen Übungen zur Stärkung der Ressourcen geht es bei der Anwendung dieser Methode eher um die Nutzung unserer Sprache und Fragetechniken (siehe auchKapitel 3.11). Durch Paraphrasierung und das gezielte ressourcenorientierte Fragenstellen stärken wir das Klientensystem und tragen auf diese Weise zu mehr Selbstakzeptanz und Selbstbewusstsein bei.
Quelle / Urheber:in: Die Ressourcenorientierung habe ich aus meiner Ausbildung beim ptz cormann Institut als wesentlich mitgenommen.
Anwendungsbeispiel
„Wenn Sie nicht (mehr) wissen, was Sie im Beratungsprozess tun können – Ressourcenstärkung geht immer.“ So lautete der Ausspruch meiner Lehrdozentin im Rahmen meiner systemischen Weiterbildung. Nach inzwischen einigen Jahren Erfahrungen stimme ich ihr vollends zu.
Zu uns kommen Menschen, die mit Stolpersteinen in ihrem Leben zurechtkommen müssen. Oftmals sind sie voller Selbstzweifel und Unsicherheiten. Sie haben das Gefühl, allein nicht voranzukommen und bitten uns um Unterstützung.
Gerade in solchen Ausgangssituationen ist es besonders hilfreich, den Blick darauf zu lenken, über welche Ressourcen – Potenziale, Stärken und gute Eigenschaften, die eine Person ausmachen – jemand verfügt. Wir laden sie dazu ein, einen Wechsel der Blickrichtung zu erproben und verweisen auf das Gute, das bereits vorhanden ist.
Als Begleiterin eines Veränderungsprozesses komme ich mir häufig wie eine Suchende vor. Ich suche nach Zuschreibungen und Bewertungen. Ich höre zu, paraphrasiere und reframe – ich übersetze also das Gehörte in etwas Positives und Gutes. Die Wirkung? Ich schenke damit meinem Gegenüber Zuversicht und vor allem Akzeptanz.
Mein Subtext dazu ist: „Ich sehe dich mit all deinen inneren Anteilen, den hinderlichen wie auch den nützlichen – auch wenn du sie selbst gerade nicht erkennen kannst. Ich helfe dir, all das wieder zu entdecken oder auch neu kennenzulernen.“
Hilfreich für den Ressourcenblick sind auch unsere systemischen Fragen, von denen meine liebste jene nach der guten Absicht ist. Nicht selten sorge ich damit bei meinem Gegenüber zunächst für Erstaunen:
- Was ist die gute Absicht deiner Wut?
- Was meinst du, wozu könnte es gut sein, dass du Dinge nie zu Ende bringst?
- Was ist das Gute an deiner Unsicherheit?