: Cora Besser-Siegmund
: Imaginative Familienaufstellung
: wingwave Books
: 9783982675077
: 1
: CHF 22.60
:
: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 226
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
'Es ist nie zu spät, um eine glückliche Kindheit gehabt zu haben.' So lautet ein berühmt gewordener Satz des Hypnotherapeuten Milton Erickson. Viele Menschen arbeiten in diesem Sinne gern und auch erfolgreich mit dem Konzept der Familienaufstellung. Es geht darum, die 'innere Familie', die auch der Erwachsene noch in sich hat, zu heilen und aus der Familiengeschichte auch Kraft zu schöpfen. Familienaufstellungen finden in Gruppen statt. Der Ansatz der imaginativen Familienaufstellung macht es möglich, eine Aufstellung auch im Einzel-Coaching durchzuführen. Und dieses Buch zeigt auch Wege, wie die Leserin und der Leser mit der eigenen Vorstellungskraft zu diesem Thema arbeiten können.

4. Das Thema „Familien­inszenierung“


Kindheit und Jugend sind die wichtigsten und einflussreichsten Lebensjahre für die Prägung unserer Persönlichkeit und unserer Gesundheit. Diese entscheiden­den Phasen erleben die meisten Menschen in einer mehr oder weniger großen Familie – oder in familienähnlichen sozialen Systemen. Spätestens seit den Erkenntnis­sen der systemischen Familientherapie wissen wir, dass die Menschen in einer Familie immer gemeinsam die Atmosphäre des Zusammenlebens erzeugen, in der der Einzelne dann gedeihen muss.

Wir vergleichen in diesem Buch diese Atmosphäre mit der von Theaterstücken oder Filmen. In einem richtigen Krimi muss beispielsweise ein kluger und mutiger Detektiv auftauchen. Doch diese Rolle allein wäre absolut nichtssagend, wenn es nicht auch noch die Täter-Opfer-Konstellation gäbe. Die Fähigkeiten des Detektivs verblassen, wenn kei­ner den Mörder spielt. Erst die Kombination dieser Grundelemente sorgt dafür, dass das richtige Krimi-Gefühl entsteht. Genauso gibt es für andere Atmosphären die entspre­chenden „Grundrezepte“: Drama, Horrorfilm, Lustspiel, Satire, Operette, Volksstück, Seifen-Oper, Liebesfilm usw.

Die Kinder in realen, tagtäglichen „Familien-Inszenierungen“ werden nicht von nur ein­zelnen Menschen, wie etwa der viel zitierten Bezugsperson, geprägt. Was uns alle viel mehr prägt, ist das komplette Stück, welches die Familie aufführt.

Wenn wir erwachsen werden, nehmen wir nicht nur unsere eigene Familienrolle mit ins Leben, sondern die komplette Familieninszenierung mit allen Rollen. Unser Gehirn „speichert“ diese Auf­führung als ein komplettes Gedächtnissystem auf der Basis neuronaler Verknüpfungen. So wird die Ursprungsfamilie zu einem Bestandteil unserer Gehirnzellen, unserer Neu­rologie und somit unseres Organismus. Dieses „Stück“ prägt unser Denken, die Reaktio­nen des Körpers, unsere Gesundheit und die sozialen Kontakte, die wir später haben. Die Grundprägungen „zaubern“ in das scheinbar ausgeglichene Leben vieler Menschen oftmals unangenehme Überraschungen, die sie sich meistens selbst nicht erklären kön­nen. Ein dünner junger Mann wird nach der Heirat schlagartig dick. Ausgerechnet im Traum-Studium reagiert ein früher stets leistungsfähiger Student plötzlich mit Konzen­trationsschwächen und Denkblockaden. Eine Ehefrau wird depressiv, als der Mann für die Familie ein schönes Haus kauft. Nach einem Umzug in eine neue Stadt bekommt ein zuvor völlig gesunder Familienvater Heuschnupfen. Eine Speditionskauffrau hat stets ein „dickes Brett vor dem Kopf“,