: Udo Baarck, Holger Becker
: Johannes Gillhoff Eine biographische Skizze
: Books on Demand
: 9783819272165
: 1
: CHF 8.80
:
: Biographien, Autobiographien
: German
: 138
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Über Nacht wird er zum Star: Als ab Juli 1917 eine Zeitung in Berlin den Roman"Jürnjakob Swehn, der Amerika" in Fortsetzungen druckt, kann dessen Autor Johannes Gillhoff (1861 bis 1930) den Erforg kaum fassen. Die Leserschaft jubelt, und noch im Herbst kommt das Werk als Buch heraus. Mitten im Ersten Weltkrieg verkauft sich der Roman, der mit trockenem Humor das Schicksal von mecklenburgischen Auswandereren im Mittleren Westen der USA schildert, in hunderttausenden Exemplaren. Er wird bis heute nicht nur in Deutschland gelesen. Wer war Johannes Gillhoff? Udo Baarck und Holger Becker legen die erste Biographie dieses Mannes vor, der einer Lehrerdynastie im südwestmecklenburgischen Dorf Glaisin entstammte und selbst jahrzehntelang Lehrer war. Dazu trugen sie eine Fülle neuer Erkenntnisse zusammen, die von der bisherigen Gillhoff-Forschung übersehen oder nicht beachtet wurden. Sie betreffen nicht nur die Entstehung von Gillhoffs Erfolgsroman, sondern auch sein Wirken als Begründer und Herausgeber der"Mecklenburgischen Monatshefte" ab 1925, das sie faktenreich und mit kritischem Blick nachzeichnen. Mit leichter Hand geschrieben, stellt das Buch Gillhoffs Leben und Werk in die Verhältnisse und Zusammenhänge seiner Zeit. Sie geben dabei auch ein Bild von den Besonderheiten der Heimatregion Gillhoffs, der"Griesen Gegend".

Holger Becker ist Journalist und Autor. Er wuchs in Karenz, einem Nachbarort des Gillhoff-Dorfes Glaisin auf. In seinen Jahren als Redakteur bei Tageszeitungen beschäftigte er sich intensiv mit Themen der Zeitgeschichte. Er schrieb im Laufe der Jahrzehnte für Blätter wie"Schweriner Volkszeitung","Neue Deutschland","Journ list","junge Welt","Weltwoche&qu t; und"konkret". Für den"Nordkurier" verantwortete eine zeitlang die regelmäßigen Pattdeutsch-Seiten. Rund 20 Jahre arbeitete er als Pressesprecher eines bundesweit tätigen Verbandes. Johannes Gillhoffs Auswanderer-Roman"Jürnja ob Swehn, der Amerikafahrer" las er als Student in Leipzig. Mit Udo Baarck verbindet ihn nicht nur eine Freundschaft seit Schülertagen, sondern auch die Verehrung für die Lehrerin Liselotte Langner, die in ihnen das Interesse an Literatur und Geschichte weckte.

Zwischen Sand und Sumpf oder: „Ich liebe dieses Land!“


Gillhoff ist nicht zu fassen ohne die Landschaft, aus der er stammt und die ihn nie losließ. Wer kennt den Namen „Griese Gegend”, wer, außer denen, die dort leben, hat eine Vorstellung, wie es dort aussieht? Die Küste der Ostsee oder die Mecklenburger Seenplatte ziehen Millionen Touristen an. Die Griese Gegend hat noch nicht einmal einen Eintrag auf den Landkarten wie das Trebeltal zum Beispiel oder die Mecklenburgische Schweiz.

Versuchen wir uns zuerst in geographischer Geometrie. Der einzige Bahnhof in Mecklenburg, an dem auf der Strecke zwischen Berlin und Hamburg ein Intercity-Expreß hält, ist der von Ludwigslust. Ein Stück links oben davon auf der Landkarte liegt Hagenow, ein Stück rechts unten Grabow. Von diesen Punkten jeweils eine Linie nach Süden bis Dömitz (mit Polz im Osten und Rüterberg im Westen) an der Elbe gezogen, dann haben wir das Dreieck der Griesen Gegend. Ihre nördliche Grenze bildet die Berlin-Hamburger Bahn, die westliche und östliche markieren zu Teilen die Flüsse Sude und Elde. In etwa. Ein bißchen messen, ein bißchen rechnen, dann kommen wir auf 250 Quadratkilometer. Ungefähr. Lichtenstein ist kleiner und das Saarland nur zehn Mal so groß.

Sand. Von dem gibt es hier wirklich mehr als genug. Als sich vor mehr als 30.000 Jahren die Gletscher der letzten Eiszeit auflösten, ließen sie ihn zurück, bevor ihr Wasser über das Urstromtal der Elbe abfloß. Über Jahrtausende wehten ihn die vorherrschenden Westwinde weiter landein. Noch in der Neuzeit verschüttete der Sand ganze Dörfer, Dünenfelder wanderten nach Osten, bevor sie mit Kiefern bepflanzt worden sind, die heute ausgedehnte Waldungen bilden. Auch das genügsame Heidekraut hält den Sand fest. Weite Flächen erstrahlen im Spätsommer in seinem kräftigen Lila, so bei Kaliß, wo sich der Dichter Fritz Reuter im August 1840 den Schweiß abwischte, nach dem Ende seiner „Festungstid” in Dömitz und zu Beginn seiner Heimreise quer durch Mecklenburg nach Stavenhagen.

Allerdings, wo das Grundwasser hoch steht, leuchtet das kräftige Grün saftiger Wiesen. Schnurgerade Kanäle durchziehen dort das flache Land. Ohne sie wäre es Morast,