Gillhoff ist nicht zu fassen ohne die Landschaft, aus der er stammt und die ihn nie losließ. Wer kennt den Namen „Griese Gegend”, wer, außer denen, die dort leben, hat eine Vorstellung, wie es dort aussieht? Die Küste der Ostsee oder die Mecklenburger Seenplatte ziehen Millionen Touristen an. Die Griese Gegend hat noch nicht einmal einen Eintrag auf den Landkarten wie das Trebeltal zum Beispiel oder die Mecklenburgische Schweiz.
Versuchen wir uns zuerst in geographischer Geometrie. Der einzige Bahnhof in Mecklenburg, an dem auf der Strecke zwischen Berlin und Hamburg ein Intercity-Expreß hält, ist der von Ludwigslust. Ein Stück links oben davon auf der Landkarte liegt Hagenow, ein Stück rechts unten Grabow. Von diesen Punkten jeweils eine Linie nach Süden bis Dömitz (mit Polz im Osten und Rüterberg im Westen) an der Elbe gezogen, dann haben wir das Dreieck der Griesen Gegend. Ihre nördliche Grenze bildet die Berlin-Hamburger Bahn, die westliche und östliche markieren zu Teilen die Flüsse Sude und Elde. In etwa. Ein bißchen messen, ein bißchen rechnen, dann kommen wir auf 250 Quadratkilometer. Ungefähr. Lichtenstein ist kleiner und das Saarland nur zehn Mal so groß.
Sand. Von dem gibt es hier wirklich mehr als genug. Als sich vor mehr als 30.000 Jahren die Gletscher der letzten Eiszeit auflösten, ließen sie ihn zurück, bevor ihr Wasser über das Urstromtal der Elbe abfloß. Über Jahrtausende wehten ihn die vorherrschenden Westwinde weiter landein. Noch in der Neuzeit verschüttete der Sand ganze Dörfer, Dünenfelder wanderten nach Osten, bevor sie mit Kiefern bepflanzt worden sind, die heute ausgedehnte Waldungen bilden. Auch das genügsame Heidekraut hält den Sand fest. Weite Flächen erstrahlen im Spätsommer in seinem kräftigen Lila, so bei Kaliß, wo sich der Dichter Fritz Reuter im August 1840 den Schweiß abwischte, nach dem Ende seiner „Festungstid” in Dömitz und zu Beginn seiner Heimreise quer durch Mecklenburg nach Stavenhagen.
Allerdings, wo das Grundwasser hoch steht, leuchtet das kräftige Grün saftiger Wiesen. Schnurgerade Kanäle durchziehen dort das flache Land. Ohne sie wäre es Morast,