: Erich Mühsam
: Peter Bürger
: Jedoch der Mut ist mein Genosse Texte über Kampf und Revolution
: Books on Demand
: 9783819240157
: edition pace
: 1
: CHF 4.50
:
: Politik
: German
: 312
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In dem hier fortgeführten"Regal: Pazifisten& Antimilitaristen aus jüdischen Familien" liegt bereits ein Band"Das Große Morden" vor - mit kraftvollen Voten gegen Militarismus und Krieg aus der Feder von Erich Mühsam (1878-1934, ermordet im KZ):"Die Bekämpfung des Staates in seinen wesentlichen Erscheinungsformen, Kapitalismus, Imperialismus, Militarismus, Klassenherrschaft, Zweckjustiz und Unterdrückung in jeder Gestalt, war und ist der Impuls meines öffentlichen Wirkens" (Selbstzeugnis 1919). Die anfängliche Nähe des anarchistischen Schriftstellers zu Tolstois Haltung in der"Gewaltfrage" wandelte sich im Zuge von Weltkriegsverlauf, Münchener Revolution und Tuchfühlung mit dem"Spartakusprogramm&qu t;. Schließlich wünschte Mühsam, dass die Beherrschten ihre Waffen gegen jene richten, die ihnen das Kriegshandwerk aufgedrungen haben. Neue Lieder für den bewaffneten Widerstand entstanden:"Ein jedes Kampf System ist gut, / das nicht versagt vor den Gewehren!" Damit ein vollständigeres Bild vermittelt werden kann, erschließt die vorliegende Sammlung ergänzend vor allem auch solche Texte über Kampf und Revolution, in denen sich die Entfernung vom Pazifismus niedergeschlagen hat: Politische Lyrik (Auswahl 1904-1928); Kampf-, Marsch- und Spottlieder (Druck 1925);"Von Eisner bis Leviné" (Rechenschaftsbericht über die Revolutionsereignisse in München, verfasst 1920);"Mein Gegner Kurt Eisner" (1929);"Lügen um Landauer" (1929). - Hinzutritt eine Textdokumentation mit Beiträgen über Erich Mühsam und die Revolutionszeit 1918/19 (aus der Zeitschrift"Graswurzelre olution" und weiteren Quellen). Die Redaktion der Schalom-Bibliothek votiert für Ungehorsam und gewaltfreien Widerstand - jenen Weg also, auf dem die Liebhaberinnen des Lebens kein Menschenblut vergießen. Doch kontroverse Positionen dürfen in der Quellenedition nicht ausgeklammert werden. Erst der Widerspruch begünstigt Diskurse auf hohem Niveau, die uns weiterführen. edition pace. Regal: Pazifisten& Antimilitaristen aus jüdischen Familien 10, herausgegeben und bearbeitet von Peter Bürger.

Erich Kurt Mühsam (geboren am 6. April 1878 in Berlin; ermordet am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg): Anarchist, Dichter, Publizist und Antimilitarist."Als Sohn eines jüdischen Apothekerehepaars in Berlin geboren, betätigte sich Erich Mühsam ab 1901 als freier Schriftsteller und Literat" (anarchismus.at)."Als politischer Aktivist war er 1919 maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt, wofür er zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt wurde, aus der er nach 5 Jahren im Rahmen einer Amnestie freikam. In der Weimarer Republik setzte er sich vorübergehend in der Roten Hilfe für die Freilassung politischer Gefangener ein. Seine politische Heimat fand er seit Mitte der 1920er Jahre in der'Anarchistischen Vereinigung'. - In der Nacht des Reichstagsbrandes wurde er von Nationalsozialisten verhaftet, und am 10. Juli 1934 wurde er von der SS-Wachmannschaft des KZ Oranienburg ermordet" (wikipedia.org; 15.05.2025). Mühsam war befreundet u.a. mit Gustav Landauer (ermordet 1919), Heinrich Mann, Frank Wedekind und Lion Feuchtwanger. Er gab die Zeitschriften"Kain" (1911-1914, 1918/19) und"Fanal" (1926-1931) heraus. Seine streitbaren Texte wider Militarismus und Krieg, zusammengeführt im Lesebuch"Das große Morden" finden sich in Lyrik-Bänden, den politischen Essays, Tagebuchaufzeichnungen, der Schrift"Abrechnung" (1916/17) und dem unvollendeten Roman"Ein Mann des Volkes" (1921-1923).

Antimilitarismus und revolutionärer Militarismus?


Vorbemerkungen des Herausgebers

„Ich weiß von allem Leid, fühl alle Scham

und möchte helfen aller Kreatur.

Der Liebe such ich aus dem Haß die Spur,

dem Menschenglück den Weg aus Not und Gram.“

„Des Feinds vergiftete Geschosse

umschwirren meine Seele wild.

Jedoch der Mut ist mein Genosse,

und meine Liebe ist mein Schild.“

(ERICH MÜHSAM, 1914: →S. 40 und 41)

In dem hier fortgeführten „Regal: Pazifisten& Antimilitaristen aus jüdischen Familien“ liegt bereits ein Band„Das Große Morden“1 vor – mit kraftvollen Voten gegen Militarismus und Krieg aus der Feder von Erich Mühsam (1878-1934, ermordet im KZ). Das Aufbegehren betrachtete er als seine Berufung. In einem Selbstzeugnis des Jahres 1919 heißt es: „Mein Werdegang und meine Lebenstätigkeit wurden bestimmt von dem Widerstand, den ich von Kindheit an den Einflüssen entgegensetzte, die sich mir in Erziehung und Entwicklung im privaten und gesellschaftlichen Leben aufzudrängen suchten. […] Die Bekämpfung des Staates in seinen wesentlichen Erscheinungsformen, Kapitalismus, Imperialismus, Militarismus, Klassenherrschaft, Zweckjustiz und Unterdrückung in jeder Gestalt, war und ist der Impuls meines öffentlichen Wirkens. […] Selbstverständlich fand mich die Revolution von der ersten Stunde aktiv auf dem Posten … Mitglied des Revolutionären Arbeiterrats … Kampf gegen die Konzessionspolitik Kurt Eisners … Teilnahme an der Ausrufung der bayerischen Räterepublik … Standgericht: fünfzehn Jahre Festung …“ (→S. 24-25).

Die anfängliche Nähe dieses anarchistischen Schriftstellers zu Tolstois Haltung2 in der ‚Gewaltfrage‘ wandelte sich im Zuge von Weltkriegsverlauf, Münchener Revolution und Tuchfühlung mit dem ‚Spartakusprogramm‘ (mit nachfolgender Phase einer sehr engen Zusammenarbeit mit Vertretern der KPD). Schließlich wünschte Mühsam, dass die Beherrschten ihre Waffen gegen jene richten, die ihnen das Kriegshandwerk aufgedrungen haben:

„… Wir lernten in den Tod zu geh’n,

Nicht achtend unser Blut.

Und wenn sich einst die Waffe kehrt

Auf die, die uns den Kampf gelehrt,

Sie werden uns nicht feige sehn,

Ihr Unterricht war gut.“ (1916: →S. 90)

„Sie saßen da in Prunk und Pracht

mit vollgestopftem Magen

und zwangen uns, für ihre Macht

einander totzuschlagen. …

Wir haben nur die Faust erhoben,

da ist der ganze Spuk zerstoben.“ (1918: →S. 54)

„Noch nicht genug mit dem, was wir erschwitzen:

Der Reiche schickt auf Raub uns in die Welt,

Läßt uns Gewehre laden und Haubitzen

Und bückt sich nicht, wenn unsereiner fällt.

Er lehrte uns bedienen

Des Krieges Mordmaschinen.

Jetzt üben wirs für unsrer Ki