Antimilitarismus und revolutionärer Militarismus?
Vorbemerkungen des Herausgebers
„Ich weiß von allem Leid, fühl alle Scham
und möchte helfen aller Kreatur.
Der Liebe such ich aus dem Haß die Spur,
dem Menschenglück den Weg aus Not und Gram.“
„Des Feinds vergiftete Geschosse
umschwirren meine Seele wild.
Jedoch der Mut ist mein Genosse,
und meine Liebe ist mein Schild.“
(ERICH MÜHSAM, 1914: →S. 40 und 41)
In dem hier fortgeführten „Regal: Pazifisten& Antimilitaristen aus jüdischen Familien“ liegt bereits ein Band„Das Große Morden“1 vor – mit kraftvollen Voten gegen Militarismus und Krieg aus der Feder von Erich Mühsam (1878-1934, ermordet im KZ). Das Aufbegehren betrachtete er als seine Berufung. In einem Selbstzeugnis des Jahres 1919 heißt es: „Mein Werdegang und meine Lebenstätigkeit wurden bestimmt von dem Widerstand, den ich von Kindheit an den Einflüssen entgegensetzte, die sich mir in Erziehung und Entwicklung im privaten und gesellschaftlichen Leben aufzudrängen suchten. […] Die Bekämpfung des Staates in seinen wesentlichen Erscheinungsformen, Kapitalismus, Imperialismus, Militarismus, Klassenherrschaft, Zweckjustiz und Unterdrückung in jeder Gestalt, war und ist der Impuls meines öffentlichen Wirkens. […] Selbstverständlich fand mich die Revolution von der ersten Stunde aktiv auf dem Posten … Mitglied des Revolutionären Arbeiterrats … Kampf gegen die Konzessionspolitik Kurt Eisners … Teilnahme an der Ausrufung der bayerischen Räterepublik … Standgericht: fünfzehn Jahre Festung …“ (→S. 24-25).
Die anfängliche Nähe dieses anarchistischen Schriftstellers zu Tolstois Haltung2 in der ‚Gewaltfrage‘ wandelte sich im Zuge von Weltkriegsverlauf, Münchener Revolution und Tuchfühlung mit dem ‚Spartakusprogramm‘ (mit nachfolgender Phase einer sehr engen Zusammenarbeit mit Vertretern der KPD). Schließlich wünschte Mühsam, dass die Beherrschten ihre Waffen gegen jene richten, die ihnen das Kriegshandwerk aufgedrungen haben:
„… Wir lernten in den Tod zu geh’n,
Nicht achtend unser Blut.
Und wenn sich einst die Waffe kehrt
Auf die, die uns den Kampf gelehrt,
Sie werden uns nicht feige sehn,
Ihr Unterricht war gut.“ (1916: →S. 90)
„Sie saßen da in Prunk und Pracht
mit vollgestopftem Magen
und zwangen uns, für ihre Macht
einander totzuschlagen. …
Wir haben nur die Faust erhoben,
da ist der ganze Spuk zerstoben.“ (1918: →S. 54)
„Noch nicht genug mit dem, was wir erschwitzen:
Der Reiche schickt auf Raub uns in die Welt,
Läßt uns Gewehre laden und Haubitzen
Und bückt sich nicht, wenn unsereiner fällt.
Er lehrte uns bedienen
Des Krieges Mordmaschinen.
Jetzt üben wirs für unsrer Ki