: Frank Kralemann
: Scham- mehr als ein Gefühl Ein Handbuch
: Books on Demand
: 9783819291128
: 1
: CHF 13.20
:
: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 568
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Reise, zu der ich Sie einlade, ist nicht einfach. Sich der eigenen Scham zu stellen, erfordert Mut. Aber ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung versichern: Es ist eine Reise, die sich lohnt. Denn am Ende wartet nicht nur Befreiung von der Last der Scham, sondern die Möglichkeit, authentisch und verbunden zu leben, mit uns selbst und mit anderen. Dieses Buch ist mein Versuch, das weiterzugeben, was ich auf meiner eigenen Reise gelernt habe. Es verbindet persönliche Erfahrungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, praktische Übungen mit tiefgreifenden Einsichten. Vor allem aber ist es eine Einladung: eine Einladung, gemeinsam das Schweigen zu brechen und uns einem Gefühl zu stellen, das zu lange im Verborgenen gewirkt hat. Lassen Sie uns beginnen.

Leben und Schreiben sind für Frank Kralemann untrennbar miteinander verbunden. Dies spiegelt sich nicht nur in seinen Texten wider, sondern auch in seiner Lebensweise. Seine Passion für das Laufen, besonders auf den langen, meditativen Strecken durch die malerischen Landschaften des Teutoburger Waldes, ist für ihn mehr als nur ein Hobby. Es ist eine Quelle der Inspiration und eine Möglichkeit, den Geist zu klären, was unmittelbar in seine kreative Arbeit einfließt. Diese physische Aktivität erlaubt ihm, mit neuen Ideen zu experimentieren und Gedanken zu ordnen, was seinen Schreibprozess maßgeblich bereichert. Sein Ansatz, das Leben in seiner ganzen Fülle zu leben und zu schreiben, hat Frank Kralemann zu einem geschätzten Mitglied der literarischen Gemeinschaft gemacht. Seine Werke, die von persönlichen Erfahrungen und einer tiefen Beobachtungsgabe geprägt sind, laden Leser aller Altersklassen dazu ein, die Welt durch seine Augen zu sehen und vielleicht auch ein Stück weit durch seine Worte inspiriert, ihr eigenes Leben reicher zu gestalten. Frank Kralemann ist Vater und Großvater. Er schreibt seit 2007. Außer Ratgebern und Sachbüchern hat er auch Gedichtbände und Kinderbücher geschrieben.

Teil I: Grundlagen der Scham


Kapitel 1: Was ist Scham? Eine erste Annäherung


1.1 Die vielschichtige Natur der Scham


An einem regnerischen Novemberabend saß Thomas in seinem Auto vor dem hell erleuchteten Fitnessstudio. Seit zwanzig Minuten. Der Motor lief, die Scheibenwischer kämpften gegen den Regen, doch Thomas konnte sich nicht überwinden auszusteigen. Durch die großen Fenster sah er die durchtrainierten Körper an den Geräten. Sein Blick fiel auf seinen eigenen Bauch, der sich über den Gürtel wölbte.Was machst du hier überhaupt?, schoss es ihm durch den Kopf.Die werden dich alle anstarren. Die werden sehen, dass du nicht hierher gehörst. Nach weiteren zehn Minuten fuhr er unverrichteter Dinge nach Hause. Seiner Frau erzählte er später, das Studio sei überfüllt gewesen.

Was Thomas in diesem Moment erlebte, war Scham in ihrer reinsten Form – jenes lähmende Gefühl, das uns glauben lässt, wir seien fundamental falsch, nicht nur in dem, was wir tun, sondern in dem, was wir sind.

Scham ist wie ein Chamäleon der Gefühlswelt. Sie tarnt sich, versteckt sich hinter anderen Emotionen, verkleidet sich als Wut, Depression oder Angst. Manchmal explodiert sie in einem Moment akuter Peinlichkeit, manchmal nagt sie jahrzehntelang leise im Hintergrund. Sie kann so überwältigend sein, dass wir uns am liebsten im Erdboden versinken lassen würden, oder so subtil, dass wir ihre Anwesenheit kaum bemerken – nur ihre Auswirkungen spüren.

Die Komplexität der Scham zeigt sich schon in der Vielfalt der Begriffe, die wir verwenden, um sie zu beschreiben. Wir fühlen uns"bloßgestellt","entlarvt","erniedrigt" oder"gedemütigt". Wir sprechen davon,"im Boden versinken" zu wollen oder uns"in Luft auflösen" zu wollen. Diese Metaphern sind kein Zufall – sie spiegeln das Kernerleben der Scham wider: den Wunsch, zu verschwinden, nicht gesehen zu werden, nicht zu existieren.

Im Kern ist Scham die schmerzhafte Überzeugung, dass wir unwürdig sind – un