: Stefan Iserhot-Hanke
: Meine Träume sind schuld Auf den Spuren Leon Vandersees
: Books on Demand
: 9783819221163
: 1
: CHF 8.70
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: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 388
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im Berlin der Kaiserzeit kämpft eine junge Frau unter Pseudonym um Selbstverwirklichung und Anerkennung als Dichterin.

Stefan Iserhot-Hanke ist Musik-, Kunstpädagoge, Komponist und Autor. Er wurde 1965 in Werdohl-NRW geboren und wuchs in Hamburg auf, wo er bis heute lebt und arbeitet. Er besuchte die Waldorfschule und studierte u. a. Musik und Erziehungswissenschaften. Im Rahmen seiner langjährigen Tätigkeit als Komponist und Schriftsteller, veranstaltet er regelmäßig Konzerte und musikalische Lesungen mit eigenen Texten in Buchhandlungen und Kulturzentren. Außerdem ist er als freier pädagogischer Mitarbeiter in Schulen, Kindergärten, Jugendclubs und Kirchengemeinden in musisch-künstlerischen Projekten engagiert. Bisherige literarische Veröffentlichungen: Der Schwindel des Langläufers, Thriller, Books on Demand, 2013 Die Stimme des Fremden, Erzählungen, BoD, 2014 Das ungute Gefühl beim Hinterherwinken, Thriller, BoD, 2015 Rondeel, Familienroman, BoD, 2017 Wir sind die Seligen, Entwicklungsroman, BoD, 2019 Moritz und die Klavierspielerin, Kinderbuch, BoD, 2020 Lot und Brandung, Gedichte und Illustrationen aus der dritten Welle, Lyrik, BoD, 2021 Dialog auf dem Dach, Gedichte und Fotografien aus der Zwischenzeit, Lyrik, BoD, 2022 Die Überwindung der Ferne, Gedichte zwischen Aufbruch und Ankunft, Lyrik, BoD. 2024

1889 - 1890
Berlin - Schöneberg


Berlin hatte sie aufgenommen in seinem immer größer werdenden Bauch. Obwohl Schöneberg, in dem ihr Mietshaus an der Culmstraße 29 lag, genaugenommen noch dem Landkreis Teltow zugehörig war. Da jedoch das in den letzten Jahren prosperierende Schöneberg mit seiner ganzen Flanke sozusagen am Nachbarstadtteil Tempelhof klebte, fühlten sich besonders die neu Zugezogenen längst als waschechte Berliner.

Wenn Helene morgens nach dem Aufwachen durch das Wohnzimmerfenster in der vierten Etage auf die Straße hinuntersah, konnte sie es immer noch nicht glauben. Seit über einem halben Jahr wohnten sie jetzt hier. Und doch schien es ihr manchmal, als wären sie erst am gestrigen Tage eingezogen und die allererste unruhige Nacht in der großen fremden Stadt läge eben erst hinter ihnen.

In der Anfangszeit, eigentlich bis zum Weihnachtsfest, waren sie tatsächlich selten nach draußen gegangen. Mangels Bekanntschaften und noch nicht gewachsener Verbindungen nahmen sie am gesellschaftlichen Leben kaum teil. Aber auch aufgrund einer gewissen Scheu. Helene stellte fest, dass die Menschen - ja das ganze Leben in Berlin - sich ihnen vollkommen anders präsentierten, als sie es aus dem vergleichsweise beschaulichen Stralsund gewohnt waren. Man bewegte sich dynamischer und sprach schneller als in einer Kleinstadt, - und vor allem deutlich lauter. Überhaupt war der sie umgebende Lärm ein wesentliches Merkmal des Lebens in Berlin, das gleichbedeutend mit einer andauernden Ausnahmesituation zu sein schien; einer Dauerkrise, die von den Bewohnern von morgens bis abends bewältigt werden musste. Erst weit nach Mitternacht dämpften sich die Geräusche in den Straßen ein wenig, um mit dem Morgengrauen verlässlic