: Elisabeth Freitag
: Unterwegs in Brasilien Erfahrungen und Lernprozesse auf Projektreisen für ADVENIAT
: Books on Demand
: 9783819219955
: 1
: CHF 9.70
:
: Südamerika
: German
: 366
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das Land Brasilien stand in den Jahren des Übergangs ins neue Jahrtausend in einem bemerkenswerten politischen, kulturellen und kirchlichen Aufbruch. Die Autorin erlebte diesen Wandlungsprozess auf ihren Projektreisen für Adveniat 1983 bis 2007 konkret mit. In ihren Berichten über die besuchten Orte - Prälaturen und Diözesen - schildert sie Beobachtungen, Erfahrungen und eigene Lernprozesse. Ein besonderes Augenmerk gilt den gesellschaftlich Benachteiligten, vor allem den armen, meist schwarzen Frauen und den indigenen Bevölkerungsgruppen. Ihnen kam im Demokratisierungsprozess ihres Landes wie in der eigenen Kirche eine führende Rolle zu,"change agents" zu sein. Die zahlreichen Reisen durch das Amazonasbecken fokussieren den Entwicklungsprozess einer Ortskirche, die sich zunehmend von europäischer Prägung befreit. Berichtet wird von Basisgemeinden, Besuchen bei indigenen Völkern und Persönlichkeiten der Indigenenpastoral. Bedeutungsvoll sind dabei die schon damals bedrängenden ökologischen Probleme dieses Raumes. Die Autorin möchte dem Leser und der Leserin den kulturell vielfältigen Reichtum des Landes vermitteln, ebenso wie die neue Dynamik in der katholischen Kirche dieser Zeit. Dabei gilt ihr nüchterner wie wertschätzender Blick vor allem den Menschen in der pastoralen Arbeit mit ihren Mühen und Hoffnungen.

Elisabeth Freitag, geboren 1947 in Gescher, Studium der Soziologie in Münster und Bielefeld. 1972-1973 Stipendiatin des ICALA an der Universidad Católica de Santiago de Chile im Fachbereich Sozialarbeit. 1974 Mitarbeit an einem Forschungsprojekt des Instituts für Tropenhygiene und öffentliches Gesundheitswesen der Universität Heidelberg. 1975-2013 Projektreferentin beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat in Essen: 1975-1982 für das Land Argentinien, 1983-2007 für den Länderbereich Brasilien und 2008-2013 für die Region Mittelamerika.

SÃO PAULO UND DIE DIÖZESEN IM LANDESINNEREN


Die Erzdiözese und die pastoralen Herausforderungen an der Peripherie


Den Bundesstaat mit der größten Bevölkerungsanzahl besuchte ich mehrmals. In den 13 Jahren meines Mandats (1983-1996) lernte ich die Hälfte aller Diözesen des RegionalSul 1 kennen. Die Metropole São Paulo stand wegen der nationalen Partner auch nach Abgabe dieses „Koloss“ noch mehrmals auf dem Reiseplan, insgesamt 13 Mal. Den ersten Aufenthalt sah ich als Antrittsbesuch beim zuständigen Erzbischof und zu meiner Orientierung. Ich kannte bis dahin absolut niemanden und in dem kleinen Hotel im Zentrum überkam mich ein Gefühl der Verlorenheit und Einsamkeit wie sonst nirgendwo in Brasilien. Es war ein Schock. Das nicht endende Meer von Hochhäusern erdrückte mich, dazu die vielen Fahrbahnen auf den weiten Avenidas, die Schwimmbäder und Hubschrauberlandeplätze auf den Wolkenkratzern, der ununterbrochene Autolärm bei Tag und Nacht, der Smog – das alles war zu viel der fremden Eindrücke!

Der Taxifahrer hatte die Adresse der Kurie in der Av. Higienópolis am Montagmorgen, meinem ersten Arbeitstag in São Paulo, nicht richtig verstanden. Er witterte ein Geschäft und ich fühlte mich machtlos, zumal ich im Portugiesischen noch nicht sicher war. Das Gespräch mit ErzbischofCardeal D. Paulo Evaristo Arns war kurz und eher förmlich. Dafür zeigte sich der anschließende intensive Informationsaustausch mit den drei für Verwaltung und Finanzen zuständigen Diözesanpriestern und demProcurador Geral, D. Francisco M. Vieira als sehr informativ und orientierend. Hinzu kam, dass ich in der Mittagpause von einem der Gesprächsteilnehmer Pe. Dr. Dalton Begleitung bekam. Er machte das einzig richtige, nahm mich bei der Hand, sodass ich beim Gang durch die Einkaufsstrassen meine Unsicherheit abschütteln konnte. Ich sagte ihm später bei anderer Gelegenheit, dass er ein guter Psychologe für mich gewesen sei.

In dem Gespräch mit den Verwaltern bekam ich einen Überblick über die Situation, in der sich die Erzdiözese 1983 mit ihren 8.500.000 Einwohnern im Stadtgebiet bzw. 12.100.000 in der Metropoloregion befand. Die demographische, durch Migration bedingte Bevölkerungsexplosion sei der Erzdiözese aus den