: Jonas Willisegger, Alex Lötscher, Marco Eichenberger
: Gemeindeführungsmodelle in der Deutschschweiz Eine Übersicht und Handlungsempfehlungen
: Seismo Verlag
: 9783037779071
: 1
: CHF 27.10
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: Sonstiges
: German
: 150
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Schweizer Gemeinden stehen vor wachsenden Herausforderungen: Die Komplexität kommunaler Aufgaben nimmt zu, während die Rekrutierung von Exekutivmitgliedern immer schwieriger wird. Dieses Buch bietet eine umfassende Analyse der Führungsmodelle von Gemeinden in der Deutschschweiz und zeigt innovative Wege auf, wie sie ihre Strukturen anpassen können, um zukunftsfähig zu bleiben. Basierend auf einer breit angelegten Studie mit über 600 Deutschschweizer Gemeinden werden die Grundtypen der Führungsmodelle ermittelt und praxisnah beschrieben. Die Forschung zeigt, wie sich Gemeinden optimal zwischen Autonomie und Zusammenarbeit positionieren können, um den vielfältigen Anforderungen an Politik und Verwaltung gerecht zu werden. Dieses Buch richtet sich an politische Entscheidungsträger, Verwaltungsmitarbeitende, Forschende und weitere Interessierte, die sich mit der Entwicklung von Gemeindeführungsmodellen befassen und neue Impulse für die kommunale Organisation suchen. Mit fundierten Einschätzungen und Empfehlungen bietet es wertvolle Orientierungshilfen für eine nachhaltige und effiziente Gemeindeführung.

2 Gemeindeführungsmodelle in der Deutschschweiz


2.1 Gemeinderats- und Stadtratspensen


Die Zuteilung zu einem Gemeindeführungsmodell wird wesentlich durch die Summe und Verteilung der Pensen im Gemeinderat beeinflusst. Die Summe der Pensen ist, unter Berücksichtigung der Gemeindegrösse, ein Indikator dafür, wie strategisch und operativ der Gemeinderat tätig ist und wie die Aufgaben zwischen Verwaltung und Exekutive verteilt sind. Ebenfalls geben die Pensen pro Gemeinderatsmitglied sowie die Differenz zwischen den Pensen Hinweise auf das Gemeindeführungsmodell und die Aufgabenteilung innerhalb der Exekutive und zwischen Exekutive und Verwaltung. Nachfolgend werden exemplarisch die Gesamtpensen der Gemeinden des Kantons Luzern abgebildet. Eine vollständige Übersicht der gemeldeten Gesamtpensen aus den Deutschschweizer Gemeinden findet sich im Anhang.

2.1.1 Summe der Gemeinderats- und Stadtratspensen


Die Gesamtzahl der Exekutivpensen in den Gemeinden variiert stark und hängt wesentlich von der Grösse der Gemeinde ab. Die Bandbreite reicht von 900 Stellenprozenten in der Stadt Zürich (ZH) mit rund 415 000 Einwohner:innen und neun Stadträt:innen bis zu Kleinstpensen, wie beispielsweise in der Gemeinde Liedertswil (BL) mit acht Stellenprozenten bei 170 Einwohner:innen und drei Gemeinderät:innen.

Auch die Anzahl der Mitglieder in den Exekutivgremien kann sich erheblich unterscheiden. Kleine Gemeinden, wie Kirchberg (BL) oder Alberswil (LU) haben lediglich drei Gemeinderät:innen. In den grösseren Städten variiert die Anzahl der Stadträt:innen. So verfügt Luzern über fünf, Winterthur über sieben und Zürich über neun Stadträt:innen. Die Stadt Solothurn hat 30 Exekutivmitglieder, von denen sieben in einer engeren Kommission tätig sind.

Abbildung 2: Summe der Gemeinderatspensen pro Gemeinde (Kanton Luzern)

Abbildung 2: Fortsetzung

2.1.2 Gemeinderatspensen im Verhältnis zur Einwohnerzahl


Während bei kleinen Gemeinden mit wenigen hundert Einwohner:innen die Pensen der Gemeinderät:innen oft bei über 200 Stellenprozenten pro 1 000 Einwohner:innen liegen, nimmt dieses Verhältnis bei grossen Städten stark ab. Oft liegen die Summen pro 1 000 Einwohner:innen bei unter 10 Stellenprozenten.

Abbildung 3: Pensen pro 1 000 Einwohner:innen (grosse Pensen)

Abbildung 4: Pensen pro 1 000 Einwohner:innen (kleine Pensen)

2.1.3 Unterschiede der Stellenprozente innerhalb des Gemeinderates


Die Unterschiede der Pensen innerhalb des Gemeinderates liefern Hinweise auf die Aufgabenverteilung innerhalb des Gremiums. Je höher das Pensum eines einzelnen Exekutivmitglieds im Vergleich zu den übrigen Mitgliedern, desto umfangreicher sind dessen Aufgaben, Verantwortung und Kompetenzen. Gleichzeitig kann dies auf einen Wissensvorsprung gegenüber Gemeinderät:innen mit kleineren Pensen hinweisen.

In einigen Gemeinden der Kantone St. Gallen und Thurgau variieren die Pensen der Gemeinderät:innen stark. Im Gegensatz dazu weisen zahlreiche Gemeinden im Kanton Luzern eine gleichmässigere Verteilung der Pensen auf. Dies deutet auf unterschiedliche Organisationsstrukturen und Gemeindeführungsmodelle hin.

Abbildung 5: Unterschiede der Pensen innerhalb des Gemeinderates (grosse Unterschiede)

Abbildung