: Mary Ryan
: Das Geheimnis von Glenallen Irland-Roman | Ein altes Anwesen in der Grafschaft Galway und ein düsteres Familiengeheimnis
: dotbooks
: 9783690760041
: 1
: CHF 2.70
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 540
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Hinter den altehrwürdigen Mauern lauern Liebe, Hass und Verrat ... Irland, 1930er: Schon seit Kindheitstagen übt das mächtige Anwesen Glenallen auf Peggy eine magische Anziehungskraft aus. Als sie von ihrer Internatsfreundin Cissie den Kindern der dort lebenden Fitzallen Familie vorgestellt wird, sieht Peggy ihre Chance gekommen: Endlich kann sie einen Blick hinter die Fassaden der efeubewachsenen Mauern werfen, hinter denen der schöne Peter, der schweigsame Brian und die rebellische Harriet wohnen. Schnell fällt Peggy die Rivalität der Geschwister auf, und das angespannte Verhältnis zu den strengen Eltern gibt ihr das Gefühl, als würden die Fitzallens ein Geheimnis hüten ... Als sich zwischen ihr und Brian ein zartes Band der Liebe spinnt, zieht es Peggy unaufhaltsam tiefer in die dunklen Intrigen des Hauses ... Ein schicksalhafter Liebesroman der irischen Bestsellerautorin voller dunkler Geheimnisse für Fans von Nora Roberts und Anna Jacobs

Die irische Autorin Mary Ryan begann ihre berufliche Laufbahn als Lehrerin in England, bevor sie nach Dublin zurückkehrte, um Jura zu studieren. Sie arbeitete in einer Anwaltskanzlei, bevor sie den Entschluss fasste, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Ihr erster Roman »Ein sanftes Flüstern im Wind« erreichte ein breites Publikum und verkaufte sich über 300.000 Mal. Seitdem widmet sie sich mit Begeisterung dem Schreiben neuer Geschichten. Mary Ryan veröffentlichte bei dotbooks bereits ihre Irland-Romane »Ein sanftes Flüstern im Wind«, »Irisches Glück«, »Träume in der Ferne«, »Irischer Wind«, »Das Geheimnis von Glenallen«, »Ein irischer Sommer«, »Das Schloss an der irischen Küste«, »Zwei irische Herzen« sowie ihren Tatsachenroman »Drei irische Frauen« und ihren Italien-Roman »Wiedersehen in Florenz«.

Kapitel 1


Als ich geboren wurde, stellte sich noch jeden Sommer die Wiesenknarre ein, und Touristen waren eine Seltenheit. Meine Heimat war Ballycloghan, in der GrafschaftGalway, ein steiniges Land, wo die Wolken im wechselnden Licht über den Himmel fliegen. In dieser Gegend kommt es vor, daß man in einem Dorf einen gehörigen Guß abbekommt, während die Leute im Nachbarort trockenen Fußes nach Hause gehen, und manchmal bringt ein einziger Tag alle vier Jahreszeiten. Damals schienen die Jahreszeiten dort gar keine Rolle zu spielen, das Land existierte in ganz eigenen Dimensionen von Raum und Zeit, so, als wäre es gegen Eindringlinge und Veränderungen gefeit. Wir hatten 145 Acres Land, ein Teil davon war gut, manches wurde im Winter überschwemmt, wenn die Garryogue über die Ufer trat, und ein Teil war mager und schilfbewachsen. Wir bauten Gerste, Hafer und Mangold an, hielten ein paar Vorräte und züchteten Bauernpferde, Irish-Draught-Pferde, lammfromm und zäh. Dank der Pferde konnten wir uns während der Wirtschaftskrise über Wasser halten.

Mein Vater starb im Winter des Jahres 1924, als ich fünf und mein Bruder Tom neun Jahre alt war. Meinen Vater habe ich immer vermißt, obwohl ich ihn nie richtig kennengelernt habe; mir blieb nur die vage Erinnerung daran, wie ich auf dem Schoß eines großen Mannes saß, der nach Tabak roch, und da wußte ich, wenn er mich in den Armen hielt, konnte mir nichts auf der Welt etwas anhaben.

Später stellte ich mir vor, daß sein Geist noch irgendwie bei uns war, und fragte ihn oft: »Warum konntest du nicht länger leben? Warum hast du dir nicht Zeit gelassen mit dem Sterben so wie andere Väter? Hast du denn nicht gewußt, wie schwer das Leben ohne dich sein würde?«

Einmal fragte ich meine Mutter wütend, warum er nicht dageblieben war und sich um uns kümmerte, und sie ließ das Nudelholz sinken, wischte sich mit dem Arm die Tränen aus den Augen und flüsterte:»A stór, a stór ..., er wollte nicht weggehen.«

Obwohl mein Vater nur ein Minimum an Bildung genossen hatte, war er sehr belesen. In seinen Büchern, die sich in der guten Stube auf den Regalen reihten, fand sich ab und zu eine kostbare Randnotiz in seiner steifen Handschrift, und in den langen Sommern meiner Kindheit vergrub ich mich in die Lektüre. Etliche leinengebundene Bände Charles Dickens mit viktorianischen Illustrationen standen da, auch Walter Scott und viele Gedichtbände sowie verschiedene Bücher und Broschüren über irische Geschichte und die Landfrage. Er stand den Feniern nahe und fackelte nicht lange, als sich die Gelegenheit bot, unter dem Windham-Landgesetz von 1903 dem Großgrundbesitzer die Farm abzukaufen. Doch von allen Büchern, die er besaß, ist mirThe Dream of Gerontius am lebhaftesten in Erinnerung – nicht das Gedicht selbst, sondern die furchteinflößenden Bilder.

Nach dem Tod meines Vaters führte meine Mutter die Farm mit Hilfe vonJack Stapleton weiter, der schon immer als Knecht für uns gearbeitet hatte. Ganz in der Nähe hatte er ein kleines Haus mit einem Stückchen Land, auf dem er Zwiebeln anbaute. Er war Witwer und hatte einen Sohn,Paddy, der ungefähr ein Jahr älter war als ich.

Tom und ich besuchten die Dorfschule, doch Tom ging mit vierzehn ab, um ganztags auf der Farm zu arbeiten. Damals überredete er meine Mutter, die Zahl unserer Stuten von zwei auf vier zu verdoppeln. Er konnte gut mit Pferden umgehen, ritt sie ohne Sattel und galoppierte manchmal um die Weide, wobei er schrie wie ein Indianer. Die Tiere aber standen da, starrten ihn an und dachten wohl, er wäre verrückt geworden.

Auf meinen Bruder war ich stolz. Er war stark und groß, hatte dichtes braunes Haar und sah gut aus. Wie mein Vater liebte er Bücher, obwohl er wenig Zeit zum Lesen hatte – außer an den langen dunklen Abenden, dann setzte er sich mit einem Stuhl an den Herd, versenkte sich in dieSchatzinsel oderRobinson Crusoe und bekam von der Außenwelt und dem Schwätzchen, das ich mit meiner Mutter hielt, nichts mehr mit. Meine Mutter ging vorsichtig um ihn herum, wenn sie den Teekessel holte, und angesichts seiner Entrücktheit mußte sie ein wenig lachen.

Mein Bruder vertiefte sich täglich in denIrish Independent. Nach dem Abe