: H. Karin Buzin
: Depression Aus der psychologischen Dunkelheit zurück ins Licht
: Books on Demand
: 9783819287855
: 1
: CHF 6.10
:
: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 168
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt, auch der aus einer Depression. Dafür braucht es viel Mut und Kraft. Das Buch ist Wegweiser und Mutmacher auf dieser Reise. Offen berichtet H. Karin Buzin von ihrem eigenen Weg aus der Dunkelheit zurück in ein Leben voller Freude und Zuversicht. Sie gibt Tipps, beschreibt Tricks und stellt einfache Übungen vor, die sich gut in den Alltag integrieren lassen.

H. Karin Buzin, Jahrgang 1965, ist Expertin für Loslassen und Neuanfang. Sie ist Fachverkäuferin, Hotelfachfrau, Kreativ- und Wildnispädagogin. Einen besonderen Zugang zu Kindern mit Handycap hatte sie schon immer. Mit Leidenschaft arbeitet sie sonderpädagogisch. Sie lebte und unterrichtete in Südafrika und wohnt heute in Potsdam, wo sie als Lerntherapeutin und in der Schulassistenz tätig ist.

Erster Schritt: Innehalten


1. Mein Weckruf an Dich

Es gibt kein Versagen, es sei denn, du gibst auf.

Alice Adams

Ich freue mich für Dich, denn Du hältst das Buch in Deinen Händen. Du bist jetzt aktiv und kommst ins Handeln. Gut so. Nimm Deinen letzten Funken Hoffnung! Rufe all Deine verblie‐ benen Kräfte um Hilfe! Das Urvertrauen geht nie ganz verloren. Auch wenn Du Dich gerade nicht mehr spüren kannst. Der kleinste Funke Mut, der kleinste Funke Hoffnung reichen aus. Füttere den Funken. Lass ihn wachsen. Entscheide Dich für das Leben! Entscheide Dich für Dich! Du bist es wert! Ich bin an Deiner Seite.

Erlaube mir, dass ich Dich an die Hand nehme, damit Du Dein Leben selbst in die Hand nehmen kannst. Ich weiß, Du hast kei‐ ne Zeit zu verlieren. Für den Einstieg passt folgende Geschichte von Hans Kruppa: (Lit.1)

Solange Du an das Leben glaubst

„Warum sind so viele Menschen unglücklich?“, fragte eine junge Frau den Meister.

„Das kann viele Gründe haben“, entgegnete er. „Einer der häufigsten liegt darin, daß sie nicht so leben, wie sie leben sollten. Jeder Mensch ist einzigar‐ tig und hat einen einzigartigen Lebensweg. Doch wenn er diesen Weg nicht geht, sondern aus Unsicherheit, Angst oder Bequemlichkeit in die Fußstap‐ fen anderer tritt, wird er unglücklich.

Unglück ist oft nur ein anderes Wort für das Verfehlen des eigenen Le‐ benssinns. Sei so, wie du gemeint bist, lass dich nicht verbiegen, bleib deiner Seele treu – und das Glück wird dein Freund sein!“

„Woran erkennt man unglückliche und glückliche Menschen? Viele Men‐ schen verbergen ihr Unglück aus Scham; und manche verstecken ihr Glück, um es vor Neid und Missgunst zu schützen“, sagte die junge Frau.

„Man kann sie leicht voneinander unterscheiden“, antwortete der Meister. „Unglückliche fordern, Glückliche schenken. Unglückliche wollen besitzen, Glückliche möchten lieben. Unglückliche wollen bestimmen, Glückliche las‐ sen dem Leben seinen Lauf. Unglückliche wollen Sicherheit, Glückliche su‐ chen das Leben. Unglückliche laufen der Zeit hinterher, Glückliche gehen mit ihr Hand in Hand.“

Die Besucherin nickte lächelnd. „Wie kommt es nur, daß ich das Gefühl habe, daß das Leben selbst durch deinen Mund zu mir spricht?“

Der Meister zuckte mit den Achseln. „Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ich nie den Glauben an das Leben verloren habe, obwohl ich gute Gründe dafür gehabt hätte. Vielleicht, weil ich das Leben immer geliebt habe, trotz aller Schicksalsschläge, die ich hinnehmen musste. Und wer muß sie nicht hin‐ nehmen? Jeder Mensch wird vom Leben geschlagen, manchmal auch getre‐ ten, aber er darf nie vergessen, daß er auch vom Leben umarmt und geküsst wurde – oder noch werden kann. Solange du an das Leben glaubst, ist alles möglich.“

Das ist mein Atemzeichen.

Immer, wenn dieses Zeichen erscheint, schenke Dir selbst den Augenblick. Atme ganz bewusst einmal tief durch die Nase ein und wieder aus. Das sanfte längere Ausatmen signalisiert unse‐ rem Gehirn: Es ist alles gut. Hier bist Du in Sicherheit und kannst Dich entspannen.

1.1 Was ist eine Depression?

Wer krank ist, hat nur einen Wunsch.

Wer gesund ist, hat viele Wünsche.

Dieter Lange

Das Wort Depression leitet sich vom lateinischen „deprimere“ ab und bedeutet „niederdrücken“. Typische Symptome sind eine gedrückte Stimmung, ständiges Kreisen der Gedanken bzw. ständiges Grübeln, Niedergeschlagenheit, länger anhaltende Traurigkeit, ein verminderter Antrieb – keine Lust zu gar nichts.

Ich hatte das unangenehme Gefühl der inneren Leere.

Exkurs:

Blicken wir kurz in die Wirtschaft. Die Depression folgt, ökonomisch betrachtet, auf die Rezession und wird – nach Durchschreiten ihres Tief‐ punktes – abgelöst durch die Phase der Erholung bzw. des allmählichen Aufschwungs.

Diese Perspektive war ein Baustein, der mir half, weiter nach vorn zu schauen.

Jeder Mensch kann gelegentlich schlechtgelaunt, pessimistisch oder niedergeschlagen sein. Das ist kein Drama. Depression ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine seelische Krank‐ heit, und jeder Mensch kann in diesen Zustand geraten, unab‐ hängig von der sozialen Schicht oder dem Einkommen. Eine Depression ist eine extreme Herausforderung im Leben des Be‐ troffenen.

Betroffen sind nicht wenige Menschen. Depressionen zählen zu den häufigsten und folgenreichsten psychischen Störungen. In Deutschland sind 8,1 Prozent der Erwachsenen von depressi‐ ver Symptomatik betroffen. Bei 10,2 Prozent der Frauen wird die Erkrankung diagnostiziert, bei Männern sind es 6,1 Prozent. (Lit.2)

Aus schamanischer Sicht betrachtet, liegt der Grund jeder De‐ pression im Verlust der Anbindung der eigenen Seele. Viele lei‐ den unter Depressionen, sie ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Fast 500 Millionen Menschen weltweit sind betroffen.

Genauso habe ich mich gefühlt: ohne Seele, wie verlassen von mir selbst. (Lit.3)

1.2 Das internationale Klassifikationssystem ICD-10 …

… ist ein Instrument, das Ärzten helfen kann, anhand gleich‐ zeitig auftretender Symptome Krankheiten zu diagnostizieren. Es definiert die psychische Störung wie folgt:

F32 Depressive Episode/Depression

(…) Der betroffene Patient leidet unter einer gedrückten Stim‐ mung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zur Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast im‐ mer beeinträchtigt.

Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Ge‐ danken über die eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stim‐ mung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten „somatischen“ Symptomen begleitet werden wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychosomati‐ sche Hemmung, *Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libido-Verlust.) (…)

1.3 Mögliche Hintergründe

Ein Burnout, der Verlust eines geliebten Menschen, Verlust des Arbeitsplatzes, Verlust einer Immobilie, eine Scheidung oder eine Trennung, medialer Medienkonsum, eine Krankheit oder schwerwiegende klinische Diagnose (bei Dir/Deinem Partner oder einem Familienmitglied), finanzielle Nöte, eine unvorher‐ gesehene Änderung der Lebensumstände, ständiger Leistungs‐ druck, aufgelöste familiäre Strukturen, wenig reale Sozialkontakte oder eine berufliche Insolvenz … können eine Depres‐ sion auslösen.

Betroffene Menschen verfügen aufgrund verschiedener Fakto‐ ren über eine geringere Toleranz gegenüber seelischen, körper‐ lichen und biografischen Belastungsfaktoren als gesunde Menschen. Diese besondere Verletzlichkeit spielt bei dem Aus‐ bruch und der Aufrechterhaltung einer Depression eine große Rolle. Als Auslöser einer depressiven Episode wirken meist per‐ sönlich belastende Ereignisse oder Überforderungssituationen. Auf diese reagieren mögliche Risikopersonen sensibler als ande‐ re Menschen. (Lit.5)

Häufigste Ursache für Depression:

Eine genetische Veranlagung, neurobiologische Störungen, so‐ wie bestimmte Entwicklungs- und Persönlichkeits- sowie psy‐ chosoziale Faktoren bilden die Basis der meisten Erklärungsmodelle für Depressionen.

1.4 Wie ich die Depression erlebte

Ich wusste nicht, dass ich mitten drin war. Ich hatte in kurzer Zeit zehn Kilo abgenommen, ging zur Allgemeinärztin und sag‐ te: „Irgendetwas stimmt mit mir nicht!“ Sie schickte mich zuerst zur Radiologie nach Berlin. Die Schilddrüse war in Ordnung. Die inneren Organe wurden mit Ultraschall kontrolliert. Alles gesund. Dann fragte sie nach den Lebensumständen. Ich erzählte ihr: „Ich finde keine Wohnung, ich fühle mich auf Arbeit über‐ fordert und unser Vater liegt als Pflegefall zu Hause.“

Daraufhin sagte sie: „Frau Buzin ich schicke Sie zu einem Facharzt, einem Psychiater. Ich gebe Ihnen eine Telefonnummer mit.“

Innerlich schluckte ich. Ich wusste nicht, dass es so schlimm um mich stand. Ich nickte nur und ging...