: Peter M. Hirsekorn
: Schma Ysrael Höre Israel Prophetie im Tanach und Neuen Testament
: Books on Demand
: 9783819257346
: 1
: CHF 17.60
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: Religiöse Schriften, Gebete, Gesangbücher, relig. Meditationen
: German
: 440
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Bei der biblischen Prophetie geht es weder um Wahrsagerei nach Art der Astrologen oder um Traumdeuter, noch in erster Linie um Utopien und Dystopien der Zukunft. Zwar hat es dies in der Antike natürlich auch gegeben, aber das hat praktisch wenig mit dem zu tun, was unter biblischer Prophetie zu verstehen ist. Biblische Prophetie ist der kritische und zukunftsweisende Aspekt der christlichen Botschaft. Konstituierend für die Prophetie im alten Israel war nicht primär der futuristische Aspekt, sondern das Primat lag auf der Übermittlung einer Botschaft, die von Gott stammt. Diese Gottesbotschaft kann durchaus auch Zukunft ansagen, soll aber in erster Linie die Gegenwart erhellen und die Menschen mit dem Willen Gottes konfrontieren. Biblische Prophetie weist sowohl ethische als auch utopische Zivilisationskritik auf. Sie soll Gemeinschaft stiften und schon im Tanach, der hebräischen Bibel, ist ihr Inhalt Gottes Heilswille, der sich in Bund, Gebot und Verheißung artikuliert. Im Laufe der Entwicklung rückten dann Aspekte einer Vermittlung »göttlicher Geheimnisse« im Rahmen der Apokalyptik bzw. eine Form der »Selbsterschließung des göttlichen Wesens» stärker in den Mittelpunkt.

Peter Hirsekorn, Jahrgang 1957, war nach kaufmännischer Ausbildung und Studium der Neueren Geschichte, Politologie und Anglistik an der FU Berlin und den USA in unterschiedlichen Leitungsfunktionen, zuletzt als CEO der Portum AG in Frankfurt/Main, tätig. Seit 2016 lebt er mit seiner thailändischen Familie überwiegend in Pattaya und Udon Thani. Er veröffentlichte seitdem einige Bücher über die thailändische Geschichte und Kultur und leitet seit 2021 ehrenamtlich das Begegnungszentrum Pattaya (www.bzpattaya.com). Nach seiner Ordination 2023 nimmt er zusätzlich das Amt des Pastors der freien Evangelischen Gemeinde Pattaya (www.egpattaya.com) wahr. Nach seinem Buch über Aufstieg und Fall des antiken Israels legt der Autor nun eine Kompilation über die biblische Prophetie vor. Ende 2025 ist die Publikation eines weiteren Buches geplant, welches sich der Offenbarung/Apokalypse des Johannes widmen wird.

Kapitel 2: Geschichte und Merkmale der israelitischen Prophetie


Die Geschichte der Prophetie in Israel beginnt etwa um 1.000 vC im Zuge des entstehenden Königtums. Seit Anbeginn weist die Prophetie einen konkreten Bezug zum politischen und gesellschaftlichen Geschehen auf. Alle antiken Reiche im Vorderen Orient waren monarchisch-autoritär verfasst, mit einem autokratischen Herrscher an der Spitze. Die Monarchie wurde häufig als alternativlos betrachtet und galt als naturnotwendig. Nicht zuletzt deshalb, weil dies auch dem Willen der Götter entsprach und deshalb die Welt auch so geordnet haben.

In der Antike gab es keine Gewaltenteilung. Der Herrscher war Legislative, Exekutive und Judikative in Personalunion. Da der Herrscher das Recht personifizierte, konnte man sich auf kein Recht gegen ihn berufen. Expressiv verbis dafür steht der Codex Hammurapi, eine babylonische Sammlung von Rechtssprüchen aus dem 18. Jh vC und bedeutende Quelle keilschriftlich überlieferter Rechtsordnungen. Namensgeber war Hammurapi, der sechste König der ersten babylonischen Dynastie. Die einzige Verantwortung des Herrschers bestand nur gegenüber den Göttern. Des Weiteren kannten die antiken Reiche keine Trennung zwischen Religion und Staat. Alle Tempel waren Herrschertempel, Reichstempel, die Priester erhielten ihre Bezahlung aus der Schatulle des Königs. So war denn auch der Salomonische Tempel laut biblischer Darstellung architektonisch ein Teil des Königspalastes.

Die Begriffe „Staat“ und „Politik“


Alttestamentliche Veröffentlichungen sprechen fast selbstverständlich vom »Staat« und beziehen sich dabei in der Regel auf die Zeit der Monarchien im Nordreich Israel und im Südreich Juda. Fast genauso selbstverständlich wird die Geschichte Israels in drei Epochen eingeteilt: die vorstaatliche, staatliche gleich monarchische und die nachstaatliche Zeit. Keine dieser Festlegungen kann jedoch fraglos als Grundlage der folgenden Ausführungen dienen. Die meisten Staatskundler unterscheiden einen engeren und einen weiteren Begriff des Staates. Der engere umfasst nur den Staat der europäischen Neuzeit, für den folgende Merkmale kennzeichnend sind: Territorialität der Ordnung (Gebietsherrschaft), Gewaltmonopol, Zentralisierung und organisatorisch-hierarchische Durch bildung der Herrschaftsbefugnis, Souveränität als Verfügungsmacht über den Rechtszustand, aktenmäßig arbeitende Verwaltung, Institutionalisierung von Ämtern durch genau umgrenzte Aufgabenbereiche und die Trennung von Amt und Person. Auf alle vormodernen Herrschaftsgebilde einschließlich der griechischen Polis sei der weitere Begriff der „politischen Ordnung“ anzuwenden, vom Staat könne nur im uneigentlichem Sinn die Rede sein.

Der Begriff des Politi