„Wir töten, wie man uns befahl, …
für Vaterland und Kapital,
für Kaiser und Profit“
Gedichte gegen Krieg und Knechtung
O WELCHE LUST, SOLDAT ZU SEIN
1903
Soldat sein heißt: Zu jeder Zeit
an gottgefällig reinem Leben
an Sitte und Gehorsamkeit
der Welt ein gutes Beispiel geben;
und unbedingt muß weit und breit
die Stimme man zum Lob erheben,
wenn man vernimmt, was Preußens Staat
für prächtige Soldaten hat.
Ein jeder Knopf ist blank geputzt,
ein jedes Beinkleid stramm gefaltet,
ein jeder Schnurrbart forsch gestutzt –
das kommt nur, weil so schneidig waltet
der Vorgesetzte, wenn beschmutzt
er einen Rock sieht und veraltet.
In diesem Fall steht’s bombenfest:
Der Übeltäter kriegt Arrest!
Denn der Herr Hauptmann ist gewillt,
daß tadellos sei seine Truppe.
Ist’s nicht der Fall, der Zorn ihm schwillt.
Die Füsilier genannte Puppe
sei darum unentwegt gedrillt
wie es geschieht, das ist ihm schnuppe,
dafür weiß ja der Herr Sergeant
manch Mittel, das sonst unbekannt.
Der Große, Warnecke und Kisch,
die Hüssener und andre Leute,
die zeigten uns, wie jugendfrisch
der Militärgeist ist von heute.
Was jüngst an der Gerichte Tisch
Verhandelt ward – wen das nicht freute,
dem fehlt der rechte Sinn und Geist
für das, was Schneid und Ehre heißt.
Was liegt an einem Magenpuff,
an einem Stoß der Degenscheide?
Was liegt daran, trifft dich ein Puff
In eine Lende oder beide?
Und wenn auch wirklich wer im Suff
Durchpikt dir deine Eingeweide –
so wolln wir doch begeistert schrein:
O welche Lust, Soldat zu sein!
D ǀDer Wahre Jacob, 28. Juli 1903.
DER FRIEDLICHE MICHEL
1904
Hört man nicht in allen Reden
feierlich den Krieg befehden?
Und besonders bei Visiten
an den Höfen fremder Fürsten –
fühlt man in den Redeblüten
nicht die Welt nach Frieden dürsten?
Stets gebärdet Michel sich
ringsherum freundnachbarlich.
Ja, das Deutsche Reich entschieden
ist beflissen auf den Frieden.
Doch – wenn die Hereros wollen
nicht gehorchen bis aufs Jota,
sie die Frechheit büßen sollen,
und man schickt den Herrn von Trotha!
Dennoch aber sag’ ich euch:
Friede sinnt das Deutsche Reich!
Ja, der Kriegsgott liegt am Bändel,
und wir suchen nirgends Händel.
Dieses ward jüngst in Saarbrücken,
in Karlsruh’ und Mainz gepredigt,
und wir sehn, wie mit Entzücken
alles friedlich sich erledigt.
Kriegsschiff und Kanone ruht –
wenn der Andre uns nichts tut!
Doch, da haben wir den Haken!
Unterm weißen Friedenslaken
schlummern so geheime Kräfte,
wo wir niemals wissen können,
ob man nicht als Flintenschäfte
sie wird eines Tags erkennen. – –
Drum, ob man auch milde spricht –
Ich – trau diesem Frieden nicht!
D ǀDer Wahre Jacob, 14. Juni 1904.
ICH BIN EIN PILGER …
1904
Ich