Kapitel 2 «Die Geschichte von Frau Sieber»
Die nächsten Tage waren gefärbt von der Diskussion, wie es weitergehen sollte mit dem Anwesen. Es war Natalie also ernst und Achim musste feststellen, dass das alles kein böser Traum gewesen war, sondern der bittere Ernst seiner Lebensgefährtin.
Achim überlegte, wie er wieder aus dieser Nummer rauskam.
Natalie plapperte Achim ein Ohr ab. Sie wollte ihren Job kündigen, was er wiederum nicht für besonders sinnvoll hielt. «Es muss möglich sein, dass wir das vorläufig nebenberuflich machen.» Doch davon wollte Natalie nichts wissen. Entweder ganz oder gar nicht, war ihre Devise, doch Achim war der Meinung, dass wenigstens die Umbauphase nebenher gehen musste, schliesslich brachte die Idee einer Pension am See erst recht noch kein Geld ein. Er sah bald ein, dass Gegenwehr zwecklos war und er hoffte, mit solchen Strategien an Natalie’s Vernunft zu appellieren.
Diese liess sich schliesslich breitschlagen auf die Variante «Nebenher» und willigte ein. Soweit der Plan von Achim. Dieser wollte am darauffolgenden Wochenende das Anwesen begutachten und herausfinden, wie gross der Umbaubedarf war und damit der Schaden, wie er es nannte. Dabei hegte Achim noch immer die Hoffnung, dass alles nur ein böser Traum war oder, noch besser, er Natalie von ihrem Vorhaben abbringen konnte.
Natalie wollte Frau Sieber zur Besichtigung mitnehmen, wer auch immer diese Frau Sieber war. Achim konnte sich entsinnen, dass sie mit dem Haus was zu tun haben musste, aber so genau wusste er nicht mehr, worum es gegangen war. Also kam der Tag näher, an dem sie das Anwesen besuchen wollten und Achim musste feststellen, dass er einmal mehr nur Halbwahrheiten kannte. Achim besass ganz viele Stärken, zuhören gehörte definitiv nicht dazu.
Für Achim dauerte die Anfahrt viel zu lange. Klar, vielleicht lag es auch daran, dass er nicht selbst hinter dem Steuer sass. «Wo fahren wir denn eigentlich hin?», fragte er ungeduldig, als er neben Natalie im Benz seine Füsse streckte. Achim war nicht scharf auf die Beifahrerrolle, insbesondere nicht in seinem geliebten Benz. Doch Natalie wollte ihn überraschen, was Achim generell nicht so geil fand. Er plante ganz gerne und wusste, was ihn erwartete.
Natalie strahlte, sie strahlte wie der Sonnenschein im Hochsommer. Sie überstrahlte alles in dem Wagen und Achim behielt sie seitlich im Blickfeld. Und damit wickelte sie ihn um den Finger.
Jedes Mal. Doch so…. hatte er sie je so strahlen sehen?
Sie blieb ihm die Antwort schuldig, sie war in Gedanken versunken. All die vielen Dinge, die sie gelesen hatte über den Garten mussten in sämtlichen Gehirnregionen irgendwie verarbeitet werden. Tausend Sachen wollten noch erledigt werden, bevor der erste Schnee fiel.
Im Oktober war sie beinahe schon zu spät, wenn sie jetzt was vorbereiten wollte für die Ernte im nächsten Jahr.
Wie sollte sie das mit dem Gemüse nur alles anstellen?<