: Rainer Gross
: Seminaristenblues Eine Lebensgeschichte Band 4
: Books on Demand
: 9783769374766
: 1
: CHF 10.60
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 438
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Suchender. Ein Träumer, ein Dichter, ein Philosoph. Ein Springinsfeld und Taugenichts. Ein Novize und Scholar. Motorradfahrer, Teetrinker und Pfeifenraucher. Eine Hochsensible Person. Ein Rebell mit verstecktem Philisterwunsch. Japan-Fan und Zen-Buddhist. Atheist und Theologe. Fabrikarbeiter, VHS-Dozent, Teeverkäufer. Selbstmordkandidat. Bach-Liebhaber- dies alles ist oder war Joachim Klein. Der vorliegende Roman berichtet aus seinem Leben, vor allem aus den Jahren am Theologischen Seminar 1995 bis 2000. Warum? Weil ich denke, dass seine Person und seine Geschichte eine ausführliche Darstellung verdient haben.

Rainer Gross, Jahrgang 1962, geboren in Reutlingen am Fuß der Schwäbischen Alb, studierte Philosophie, Literatur und Theologie. Heute lebt er mit seiner Frau als freier Schriftsteller wieder in seiner Heimatstadt. Er erhielt 2008 den Friedrich-Glauser-Debütpreis. Bisher sind rund siebzig Titel von Rainer Gross erschienen. Zuletzt veröffentlicht: Novemberland (2023); Schafsgezwitscher (2023); Das heiratende Mädchen (2023); Jesus trinkt den Kaffee schwarz (2024); Café im Hof (2024); Abschied in Cork (2024).

2 Auf dem Heiligen Berg


Der Begrüßungsabend war am Sonntag.

Joachim hatte sich umgezogen in Jeans und T-Shirt und Jacke, ging zu Fuß, die steile Steige hinab ins Tal, wo der Bach floss, und den Berg hinauf, wo das Seminar lag.

Durch die dunklen Felder ging er auf das erhellte Gebäude zu, er sah es von Weitem, und es überlief ihn ein Schauer der Geborgenheit.

Er trat ein in Licht und Lärm, stand erst einmal da, schaute sich das Getriebe an. Da kam auch schon einer auf ihn zu und begrüßte ihn.

Er sah die Lehrer wieder, die er vom Bewerbungsgespräch her kannte. Er lernte die WG-Bewohner, Siegfried und Thomas und Johannes kennen, und er sah in eine Menge fremder Gesichter.

Der Studienleiter Herr Pfeiffer begrüßte ihn und fragte, wie seine Unterkunft sei und ob alles geklappt habe.

Dass der Schreibtisch, den er sich auf dem Dachboden hatte reservieren lassen, nicht mehr da gewesen war und er einen anderen, unansehnlichen hatte nehmen müssen, sagte Joachim nicht.

Dann ging es hinein in den Andachtssaal.

Der Saal war mittels Schiebewänden unterteilbar in drei Klassenräume. Sonst war er der Andachts- und Veranstaltungssaal und hatte vorn eine Empore mit einer Kanzel.

Die vierte Klasse, die jetzt abging, richtete den Abend für die Neulinge aus.

Das war immer so, erfuhr Joachim. Jede Klasse hatte im Jahr eine Veranstalt