: Viktoria Becker
: Neue Wege im Umgang mit Tod, Verlust und Trauer. Die Soziale Arbeit als Schlüssel zur persönlichen Entwicklung
: Diplomica Verlag GmbH
: 9783961464845
: 1
: CHF 22.60
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: Soziologie
: German
: 65
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
In dieser Arbeit werden die zentralen Bestandteile des Lebens - Tod, Verlust und Trauer - aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Es soll verdeutlicht werden, dass trotz einer globalen medialen Aufmerksamkeit, im privaten Umgang mit dem alltäglichen Tod oft eine Tabuisierung zu beobachten ist. Die Soziale Arbeit als Profession zeigt hier eine starke Aussagekraft, die das Potenzial besitzt, eine neue Kultur im Umgang mit diesen Themen zu etablieren und der Sprachlosigkeit entgegenzuwirken. Mithilfe eines Praxisbezug werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Schule als Ort der Sozialisation in diesen Prozess einbezogen werden kann, um Jugendliche näher an diesen Themenkomplex heranzuführen. Die zentrale Frage dieser Arbeit ist, wie die Thematisierung von Tod und Trauer die Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen positiv beeinflussen kann und wie die Soziale Arbeit effektiv eingesetzt werden kann, um eine neue Kultur des Umgangs mit diesen existenziellen Themen zu generieren.

Viktoria Becker, B.A., wurde 1995 in Grevenbroich geboren. Sie studierte für 4 Semester für das Gymnasiallehramt und konnte dort Erfahrungen und Wissen für das letzten Kapitel dieser Arbeit sammeln. Ihr anschließendes Studium der Sozialen Arbeit an der Ostfalia schloss die Autorin im Jahre 2024 mit einem Bachelor erfolgreich ab. Die Konfrontation mit einem schweren Schicksalsschlag im letzten Abschnitt ihres Studiums, bestärkten Sie nur mehr darin, den Umgang mit Tod, Trauer und Verlust innerhalb der Gesellschaft, kritisch zu hinterfragen.
Textprobe: Der Tod als Teil des menschlichen Lebens Um den Tod als Größe besser zu verstehen, ist es von Relevanz für diese Arbeit diesen zunächst näher zu definieren. Der Tod selbst stellt einen unvermeidlichen Bestandteil des Daseins eines Menschen dar, so Heller (2000: 13). Er geht an dieser Stelle sogar noch etwas weiter und betont: 'Das Sterben ist eine zentrale Erfahrung menschlichen Lebens' (Heller 2000: 13). Der Tod ist nach aktueller Auffassung der Wissenschaft mit dem Ende des Organismus zu kennzeichnen, der nach biologisch medizinischer Sicht mit dem Hirntod festzustellen ist (vgl. Kuld 2022: 51). Die Art und Weise wie ein Mensch stirbt, sei so Heller (2000: 20), zutiefst doppelsinnig und könne sowohl durch natürliche Ursachen wie Krankheiten eintreten oder durch unnatürliche Ursachen, wie Unfälle oder Suizid hervorgerufen werden. Es handele sich bei dem Tod um ein universelles Phänomen, welcher in allen Kulturen und Gesellschaften seit jeher existiere und alle Menschen jeglicher Gesellschaftsschichten miteinander in Verbindung setze (vgl. Metz 2021: 57). Heller (2000: 20) betrachtet den Tod zudem auch aus einer kritischen Perspektive heraus als etwas, was mit dem Leben verfeindet sei und eine zutiefst furchteinflößende und erbarmungslos anmutende Wirkung auf Menschen habe. Die Konfrontation mit dem Tod stelle Menschen vor Grenzerfahrungen, da verschiedene Emotionen wie Angst, Trauer und Unsicherheit mit diesem verbunden seien (vgl. Haagen/Möller 2013: 3ff). Doch nicht nur durch den Tod von Menschen, sondern auch durch den Tod eines tierischen Begleiters könne eine tiefe Traurigkeit hervorgerufen werden (vgl. Krüger 2019: 159f). An dieser Stelle sollte entkräftend die Position von Birgit Heller (2021: 46) eingeworfen werden, die die Herausforderung mit den Themen Tod und Sterben als etwas bezeichnet, dass Menschen dazu anstößt, das persönliche Dasein mit all seinen Facetten erst wirklich wahrzunehmen. Hier zeichnet sich ein Appell heraus, den Tod in den gelebten Alltag zu integrieren (vgl. ebd.: 46). Durch eine bewusste Auseinandersetzung mit der Endlichkeit könne, so Heller (ebd.: 46) ein inneres Reifen ermöglicht werden, das Menschen dazu befähige bewusster im Zusammenleben mit anderen Individuen zu agieren. Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass der Tod mit drastischen Emotionen behaftet sein kann. Dies gestaltet sich für viele Betroffene als eine Grenzerfahrung (vgl. Haagen/Möller 2013: 3ff). Heller (2000: 118) betont hier, dass Trauer und Wut Menschen voneinander entfernen können, indem die bewusste Auseinandersetzung mit diesen Gefühlen beispielsweise vermieden wird. Dies geschehe häufig aus Angst vor Überforderung oder Hilflosigkeit (vgl. ebd.: 118). Der Tod könne aber auch zusammenführend wirken, indem er diesen Gefühlen unter anderem in sozialen Strukturen durch Erinnerungsrituale einen Ausdruck verleiht (vgl. ebd.: 118). Auf die Sozialkulturelle und die Religiöse Bedeutsamkeit im Rahmen des Umgangs mit dem alltäglichen Tod wird in Kapitel 5 noch einmal näher eingegangen. Innerhalb dieser Arbeit wird sich häufig auf den 'alltäglichen Tod' bezogen, damit ist das Sterben von Menschen aus dem persönlichen Umfeld gemeint, wie zum Beispiel nahe Verwandten, Freunde/-innen oder Haustiere (vgl. Krüger 2019: 98). Verlust und seine Bedeutung Mit dem Verlust wird ein Zustand beschrieben, der sich auf das Verlieren oder das Entziehen von etwas Bedeutsamem oder Wertvollem bezieht. Innerhalb des Kontextes von Tod und Trauer wird von einem 'sozialen Verlust' gesprochen, welcher sich auf das endgültige Verlieren eines geliebten Menschen bezieht (vgl. Znoj 2016: 19). Ähnlich wie der Tod handele es sich auch hierbei um eine Erfahrung, die fundamental zum Leben dazugehöre und weltweit von jedem Menschen innerhalb der Lebensspanne erfahren werde (vgl. Krüger 2019: 38). Krüger (2019: 92) betont, dass mit einem sozialen Verlust eines nahestehenden Menschen, die Basis eines selbstentworfenen Konzepts von Sicherheit und Orientierung innerhalb der Welt verloren gehen kann. Dies könne die Bewältigung von Krisen erheblich erschweren, stellt Krüger (ebd.: 92) kritisch fest. Der Verlust eines Menschen von persönlich wertvoller Bedeutung sei auch immer verbunden mit der Erinnerung an die persönliche Endlichkeit und könne Zukunftsängste auslösen (vgl. ebd.: 92). Wenn in dieser Arbeit von Krisen die Rede ist, so sind damit Ereignisse gemeint, die das innere Gleichgewicht belasten und Veränderungen mit ungewissen Ausgang in der Entwicklung hervorrufen können (vgl. Heide Filipp/Aymanns 2018: 27f). 'Einen nahestehenden Menschen zu verlieren, sei es durch eine endgültige Trennung, den Tod oder durch geistigen und seelischen Zerfall, verursacht durch eine Demenz, kann nicht nur unmittelbar Veränderungen im Erleben bewirken, sondern langfristig das ganze Leben verändern' (Znoj 2016: 15). Wie ein Mensch den sozialen Verlust aufnimmt und emotional auf diesen reagiert, könne wie Znoj (2016: 18) betont, nicht pauschalisiert werden. Menschen seien komplex in ihrem Wesen und vielfältig in ihrer Art, wie sie Beziehungen bilden. Znoj (2016: 16) beschreibt menschliche Beziehungen als ein Geflecht, in denen Mittel ausgetauscht werden. Fällt dieser Austausch durch den sozialen Verlust eines Menschen weg, könne dieses als eine Erschütterung der Lebenswelt wahrgenommen werden. In der Forschung wird außerdem zwischen sozialen Verlusten unterschieden, die 'normativ' sind, also nicht unerwartet eintreten (vgl. Znoj 2016: 19). Dies könne beispielsweise die 85-jährige Großmutter des 23-jährigen Tim sein, die aufgrund ihres hohen Alters an einem natürlichen Umstand verstirbt. Verliert jedoch der 23-jährige Tim durch einen Autounfall sein Leben, handelt es sich hierbei aus Sicht der Forschung um einen 'nicht normativen Verlust' (vgl. ebd.: 19). Je nach Individuum und der Art der Beziehung können bei sozialen Verlusten Stabilitäten verloren gehen, die so Znoj (ebd.: 16) zuvor sowohl emotionale S