: Alexandra Pier
: Tiergestützte Intervention bei Hochbegabten und Hochsensiblen. Kann die tiergestützte Intervention einen Mehrwert bei hochbegabten und hochsensiblen Kindern und Jugendlichen haben?
: Diplomica Verlag GmbH
: 9783961464937
: 1
: CHF 22.50
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: Sonstiges
: German
: 68
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Dieses Buch gibt einen kurzen Überblick zu den Themen tiergestützte Interventionen, Hochbegabung und Hochsensibilität. Neben Definitionen und Erklärungen wird eine Verbindung der Themen hergestellt. Es wird beschrieben welche Einsatzmöglichkeiten es für Tiere gibt, um Entwicklungsprozesse zu fördern. Ebenso werden mögliche Herausforderungen im Leben mit Hochbegabung und/oder Hochsensibilität beschrieben. Der Fokus liegt dabei auf der Frage nach einem möglichen Mehrwert tiergestützter Interventionen für Kinder und Jugendliche, die hochbegabt und/oder hochsensibel sind. Mittels Fallbeispielen und einer Literaturrecherche wird der mögliche Mehrwehrt betrachtet. Es wird veranschaulicht, wie der Kontakt mit Tieren in professionellen Einsätzen hochbegabten und/hochsensiblen Kindern und Jugendlichen helfen kann, mit den Herausforderungen ihres Lebens umzugehen. Weiterhin werden Hilfestellungen für den Einsatz von Tieren in Settings mit hochbegabten Kindern und Jugendlichen zusammengefasst, wobei auch der Tierschutz Berücksichtigung findet. Zum Abschluss wird ein Ausblick für die weitere Forschung formuliert.

Alexandra Pier wurde 1983 in Kirchhain geboren. Ihre Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin schloss sie 2010 erfolgreich ab. Bereits seit ihrer Kindheit war sie fasziniert von der positiven Wirkung der Tiere auf die Menschen. Daher absolvierte sie die Ausbildung zur Fachkraft für tiergestützte Intervention am IstT, Marl. Die privaten und beruflichen Berührungspunkte mit den Themen Hochbegabung und Hochsensibilität motivierten sie zur Auseinandersetzung mit diesen Themen in Zusammenhang mit dem Einfluss tiergestützter Interventionen. So entstand schlussendlich das vorliegende Buch.
Textprobe: Einleitung Der Mensch und das Tier hatten schon immer eine Beziehung zueinander. Im Laufe der Zeit entwickelte sich diese auf verschiedene Weise. Wurden Tiere früher vor allem als Nutztiere gehalten, haben sie in der heutigen Gesellschaft auch eine Bedeutung als Haustier und Partner. Aufgrund von Beobachtungen verschiedener Mensch-Tier-Interaktionen rückte die tiergestützte Intervention in den Fokus der Wissenschaft (Otterstedt 2003: 15-31). Mittlerweile gibt es viele Vereine und Gesellschaften wie beispielsweise die 'The Delta Society' und Tiere helfen Menschen e.V., die sich mit der Untersuchung der Beziehung zwischen Tieren und Menschen befassen. Tiergestützte Interventionen werden im Rahmen von Therapie und Pädagogik immer mehr anerkannt. Auch bei Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen, konnten Therapieerfolge verzeichnet werden. (vgl. Vernoij, Schneider, 2018: 27). Nun stellt sich die Frage, wie es bei hochbegabten und/oder hochsensiblen Menschen, insbesondere aber Kindern und Jugendlichen aussieht: Können auch sie von tiergestützten Interventionen profitieren? Hochbegabte und/oder hochsensible Menschen haben häufig besondere Bedürfnisse. Ihnen stellen sich im Leben manche Herausforderungen, die andere Menschen auf diese Weise eher weniger erleben. Um diese zu überwinden, benötigen sie oftmals individuelle Unterstützung. Auch wenn die Gruppe der hochbegabten und/oder hochsensiblen Menschen nicht homogen ist, sind ihnen doch viele Persönlichkeitseigenschaften gemein. So kann es sein, dass sie besonders sensibel auf Reize reagieren. Ebenso fällt es manchen schwer, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden. Hochbegabte haben oft eine besondere Herangehensweise an die Problemlösung (vgl. Germann-Tillmann et al., 2013: 249). Tiergestützte Intervention bietet dabei eine Möglichkeit, diese Menschen im Alltag und bei der Kommunikation mit ihrem Umfeld zu unterstützen. In diesem Buch wird untersucht, inwiefern hochbegabte und hochsensible Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, von tiergestützter Pädagogik profitieren können. Die theoretischen Grundlagen in den Kapiteln 2, 3 und 4 dienen dabei als Einstieg in die Ausführungen. Im Weiteren findet die Praxis in den Kapiteln 5 und 6 Berücksichtigung. Die Analyse der spezifischen Bedürfnisse von hochbegabten und/oder hochsensiblen Menschen fungiert als Grundlage, um herauszufinden, wie tiergestützte Interventionen dazu beitragen können, diese zu erfüllen. Zunächst werden der Begriff und die Wirkungsweisen tiergestützter Interventionen in Kapitel 2 erklärt. Tiere haben unter anderem die Fähigkeit, Stress abzubauen und emotionale Bindungen herzustellen. Der angeleitete Umgang mit ihnen kann das Selbstbewusstsein stärken. Tiere können ebenso eine beruhigende Wirkung auf den Menschen haben. Sie bieten eine Möglichkeit, emotionale Unterstützung zu leisten und individuelle Stärken zu fördern. Diese und weitere Eigenschaften der Tiere machen sie zu idealen Partnern in der tiergestützten Arbeit. Um ein Verständnis für die besonderen Persönlichkeitsmerkmale und die daraus resultierenden Bedürfnisse zu erzeugen, wird anschließend in den Kapiteln 3 und 4 ein kurzer Überblick über die Begriffe Hochbegabung und Hochsensibilität gegeben. Viele Hochbegabte sind gesellschaftlich integriert und meistern die Herausforderungen des Lebens ohne Probleme. Anderen, insbesondere Kinder und Jugendlichen, kann dies allerdings schwerfallen. Daher werden in dem vorliegenden Buch mögliche Probleme und Herausforderungen aufgezeigt, mit denen hochbegabte und hochsensible Menschen konfrontiert sein können (vgl. Kapitel 5 Risiken). Des Weiteren wird ersichtlich, dass der Kontakt zu Tieren positive Auswirkungen auf die sozialen Fähigkeiten, das psychische Wohlbefinden und die kognitive Entwicklung haben kann. Es werden, soweit möglich, verschiedene Forschungsergebnisse vorgestellt, die die Wirksamkeit von tiergestützter Pädagogik belegen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf konkreten Beispielen aus der Praxis. Da die Studienlage in Bezug auf den möglichen Mehrwert von tiergestützter Intervention für hochsensible und/oder hochbegabte Personen sehr dürftig ist, werden Fallbeispiele präsentiert, die in Artikeln veröffentlicht wurden. Aus ihnen geht hervor, wie hochbegabte und hochsensible Menschen von tiergestützter Intervention profitiert. Es wird gezeigt, in welcher Weise Tiere dazu beitragen können, das Selbstvertrauen zu stärken, positive Bindungen aufzubauen, die Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern und Selbstwirksamkeitserfahrungen zu schaffen. Durch den Einsatz von Tieren in der pädagogischen Arbeit können neue Wege zur Förderung dieser besonderen Zielgruppe erschlossen werden (vgl. Kapitel 6). Ziel ist, für alle erkannten und unerkannten (hoch-)begabten Menschen eine Brücke zu schlagen. Hochbegabt zu sein, bedeutet nicht, dass Situationen mit Unterstützungsbedarf ausbleiben. Unabhängig davon, ob diese Unterstützung therapeutisch, pädagogisch oder aus einem anderen Grund notwendig oder gewünscht ist, kann die tiergestützte Intervention eine Möglichkeit des Eingreifens und der Hilfestellung darstellen. Deshalb werden abschließend Empfehlungen für die praktische Umsetzung von tiergestützten Interventionen bei hochbegabten und/oder hochsensiblen Kindern und Jugendlichen gegeben (vgl. Kapitel 8). Tiergestützte Intervention Dieses Kapitel wird sich nachfolgend mit der Entstehung der tiergestützten Intervention, dem historischen Hintergrund und den wichtigsten wissenschaftlichen Grundlagen befassen. Tiergestützte Intervention lässt sich dabei folgendermaßen definieren: Eine tiergestützte Intervention ist eine zielgerichtete und strukturierte Intervention, die bewusst Tiere in den Bereichen Gesundheitswesen, Pädagogik und Sozialwesen (z.B. Sozialer Arbeit) einbezieht und integriert, um therapeutische Verbesserungen bei Menschen zu erreichen. Tiergestützte Interventionen sind formale Ansätze, bei denen Teams von Mensch und Tier im Gesundheits- und Sozialwesen einbezogen werden und umfassen Tiergestützte Therapie (TGT), Tiergestützte Pädagogik (TGP), Tiergestütztes Coaching (TGC), unter bestimmten Voraussetzungen auch Tiergestützte Aktivitäten (TGA). Solche Interventionen sollten anhand eines interdisziplinären Ansatzes entwickelt und durchgeführt werden. (IAHAIO, 2018: 5) Historische Entwicklung Der Mensch hat schon seit vielen Jahrtausende eine sich stetig verändernde Beziehung zum Tier. In Zeiten, in denen unter anderem Höhlenmalereien entstanden, waren Tiere vor allem als Nahrungsquelle von Bedeutung. Zunehmend machte sich der Mensch die Arbeitskraft der Tiere zunutze. Viele Tiere wurden domestiziert und für spezifische Zwecke gezüchtet. Über die Jahre änderte sich der Blickwinkel des Menschen auf seine Beziehung zum Tier. Heutzutage rückt das Tierwohl zunehmend in den Fokus. Das Tier wird nicht mehr nur als Nahrungsquelle und Hilfskraft angesehen, sondern bekommt einen besonderen Stellenwert als Haustier und Begleiter. (vgl. Otterstedt, 2003: 15-31). Die Historie tiergestützter Intervention reicht einige Jahrhunderte zurück. In den 1960er-Jahren begann durch verschiedene Veröffentlichungen das Interesse am Einsatz von Tieren zu therapeutischen Zwecken zu wachsen. Ausschlaggebend dafür waren unter anderem Veröffentlichungen von Boris Levinson (1962) sowie Sam Corson und Elisabeth O´Leary Corson (1978) in den Vereinigten Staaten, die unter anderem die Funktion eines Hundes in der Öffnung auf kommunikativer Ebene von Erkrankten und beim Aufbau einer Beziehung zwischen Behandlungsbedürftigen und therapeutischen Fachkräften belegten (vgl. Beetz et al., 2021: 14). Mit dem Interesse nahm auch die wissenschaftliche Forschung zu diesem Thema zu. Diese verfolgt das Ziel, den Nutzen und die Wirksamkeit tiergestütz