Systemisch-tiergestützte Intervention bei Familientrauer. Wie Tiere Familien bei einem Verlust unterstützen können
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Anna Carina Rosenberger
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Systemisch-tiergestützte Intervention bei Familientrauer. Wie Tiere Familien bei einem Verlust unterstützen können
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Diplomica Verlag GmbH
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9783961464500
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1
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CHF 22.60
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Soziologie
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German
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64
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kein Kopierschutz
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Tod und Sterben sind noch immer Themen, welche in unserer leistungsorientierten Gesellschaft tabuisiert und gemieden werden. Trifft uns dennoch ein Verlust, so geschieht dies häufig unvorbereitet. Für Familien kann ein solcher Verlust und die anschließende Trauerzeit zu einer großen Herausforderung werden. In diesem Kontext kann die systemische Intervention, mit der Familie als Ressource und die Wirkung von Tieren, in Form einer tiergestützten Intervention eine, auf vielfältige Weise wirksame Trauerbegleitung, darstellen. Trauernde, ganz gleich welcher Generation, kämpfen häufig mit einem Wechselbad aus Emotionen und müssen sich zudem einer veränderten Lebenswelt stellen. Der Kontakt mit Tieren kann auf die Trauernden eine beruhigende und tröstende Wirkung haben. Gleichzeitig senden Tiere neue Lebensimpulse und können den trauernden Familien, auf ihre wertvolle Weise, einen Weg zurück ins Leben zeigen. Des Weiteren bietet die systemische Intervention mit ihrer wertschätzenden Ressourcenorientiertheit den Betroffenen die Chance, als Familie neu zu wachsen, Verständnis für einander zu entwickeln und einen gemeinsamen Weg zu finden.
Anna Carina Rosenberger stammt gebürtig aus dem Herzen des Ruhrgebiets. Als Aushilfskraft im elterlichen ambulanten Pflegedient kam es schon zur Jugendzeit zu beruflichen Berührungspunkten mit der Materie von Tod und Sterben. Im darauffolgenden Studium der Rehabilitationspädagogik erwachte bereits das große Interesse für tiergestützte Intervention, welches sich damals schon in der Wahl von eigenen Forschungshypothesen äußerte. Durch mehrere Verluste im nahen Umfeld setzte sich die Autorin auch auf persönlicher Ebene mit Trauer und ihren Prozessen auseinander. Im eigenen Trauerprozess konnte die Autorin durch verschiedene Begegnungssituationen mit Tieren eine starke positive Wirkung auf sich selbst erleben. In der anschließenden Weiterbildung zur Fachkraft für systemische und tiergestützte Intervention lernte die Autorin systemisch-tiergestützte Trauerverarbeitung praxisnah kennen. Das Erleben dieser heilsamen Wirkung durch Tiere, insbesondere Hunde, veranlasste die Autorin zu diesem Buch.
Textprobe: Kapitel 2, Trauerarbeit als systemische Intervention: Warum liegt der Fokus auf dem System Familie? Warum sollte sich die Trauerarbeit nicht nur auf eine Person und ihre Probleme konzentrieren? Die Antwort auf diese Frage ist gut wissenschaftlich begründet: Soziale Beziehungen helfen Menschen in Krisen, diese besser zu überwinden. Die Unterstützung innerhalb eines sozialen Systems, wie ein Familienverbund, helfen einerseits das Stresshormon Kortisol zu regulieren und fördern andererseits die Resilienz. Die systemische Therapie arbeitet daher vornehmlich mit den Beziehungen, die in einem System wie einer Familie, vorhanden sind. Diese Beziehungen bieten eine große Quelle an Ressourcen, welche genutzt werden können, um Krisen zu überwinden (vgl. Schwing und Fryszer, 2016:21ff.). In der Theorie bedeutet dies, dass die systemische Intervention die wechselseitigen Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern miteinbezieht, diese in ihrer Komplexität erfasst und gleichzeitig die einzelnen Mitglieder als Individuum erkennt. Weiter wird das Individuum als AkteurIn in seinem/ihrem System wahrgenommen, welches auf die inneren und äußeren Reize reagiert. Die Förderung und Vermittlung der Wahrnehmung der beteiligten Individuen, ist ein weiterer essentieller Bestandteil der systemischen Intervention. Das bedeutet, dass der Austausch über die persönlichen Perspektiven der einzelnen Mitglieder dazu beiträgt, das gegenseitige Verständnis zu fördern und Anreize bietet, Situationen neu einzuordnen. In der systemischen Intervention stehen dabei die Ressourcen der Familie sowie der Individuen im Vordergrund. Ebenso erfolgen die möglichen Lösungsstrategien nicht Problem-, sondern Ressourcenorientiert. Dies wirkt sich ebenfalls auf die Bewertung der Handlungsmöglichkeiten aus, welche statt in richtig oder falsch, nach ihrer Wirksamkeit beurteilt werden. Handlungsstrategien der Familie und der Individuen können daher als wirksam oder als unwirksam eingestuft werden. Zeitgleich ermöglicht dies die Koexistenz von verschiedenen Handlungsmöglichkeiten, da dies keinen kategorischen Ausschluss von Handlungs