2 Thannenfelser Tal im Nordschwarzwald
Februar 1770
Axtschläge hallen durch den stillen Wald.
„Er fällt! Achtung! Passt auf! Er fällt!“
Die hohe Krone des Baumriesen neigt sich langsam, würdig. Jaulend und splitternd reißen die Fasern des gewaltigen Baumstamms, schneller werdend rauscht das Geäst durch umgebende, kleinere Tannen, reißt Äste mit - die Krone kracht auf eine Eiche, federt stöhnend wieder hoch. Der beidseitig tief eingehauene Stamm reißt endgültig ab und das untere, gewaltige Stammende springt donnernd vom Baumstumpf nach hinten, rollt seitwärts Richtung Tal, als vorne der Wipfel auf den Boden kracht.
Die Erde bebt und ein wortloser Schrei gellt durch den verschneiten Wald.
Conrad rennt. Den Schrei und das Krachen des stürzenden Riesen in den Ohren, vor Augen die wankende Baumkrone, springt er durch den Schnee über Äste, Baumstümpfe, den Hang hinunter, atemlos, bis er nach endlos langen Minuten die Männer erreicht. Erstarrt stehen sie neben dem gefällten Holländer, die Äxte verstreut am Boden.
„Was ist passiert?“
Als keiner antwortet, folgt sein Blick dem der anderen: Nicht weit vom Baumstumpf, halb unter dem gefällten Stamm, liegt jemand. Rot sickert in den weißen Schnee. Der schwarze Hut liegt neben dem entblößten Kopf mit blondem, halblangem, wirrem Haar.
Einer flüstert: „S´isch der Hans-Jörg, vom Thannefels.“
Conrad erstarrt. Herr im Himmel, hilf! Nein! Langsam, als würd er gegen einen Sturm ankämpfen, geht er zu dem Gefallenen, kniet sich hin. Erschüttert blickt er in das Gesicht seines Freundes.
„Herrgott, Jörg, des hab ich net gewollt!“
Er ergreift eine warme Hand, die schlaff neben dem reglosen Körper liegt, mit der anderen tastet er die Brust des Freundes ab. Tränen schießen in seine Augen. Doch Jörg at met. Noch. Er wendet sich zu den anderen, brüllt:
„Was steht ihr so rum, er lebt noch, tut was, hebt den Baum an, oder grabt ihn drunter raus. Er lebt noch!“
Ein älterer Mann tritt zu ihm, schüttelt sacht den Kopf, legt die Hand auf Conrads Schul ter:
„Bua, jetzet kann nur no der Herrgott helfe.“
Ein sachter Druck der schlaffen Hand lässt ihn zurück zum Freund schauen. Hellblaue Augen schauen ihn an, aus einem Gesicht weiß wie der Schnee, ein Blick v