: Sabine Rothfuß
: Morlockh und Frey Lehr- und Wanderjahre durch die Zeit Band 1
: Books on Demand
: 9783819287404
: 1
: CHF 8.80
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 546
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Es ist das Jahr 1770. Der junge Zimmermann Conrad Morlockh, Spross einer alten Heilerfamilie aus dem Nordschwarzwald, liebt seinen Beruf und fast mehr noch die riesigen, uralten Tannen seiner Heimat. Der Herzog hat die Erlaubnis erteilt, diese Bäume zu fällen und nach Holland zu verkaufen. Conrad schwört, zumindest ein paar der alten Bäume zu retten. Auf der Wanderschaft träumt ihm von Kathedralen voller Edelsteinlicht und seltsamen geometrischen Formen. Er erlebt Abenteuer mit Flößern und trifft einen geheimnisvollen Steinmetz. Es ist das Jahr 1982. Die Architekturstudentin Hannah Frey ist wütend über ihr Studium. Das moderne Bauen zerstört die Natur und sie empfindet es als so hässlich, dass es sie körperlich schmerzt. In einem besetzten Kloster in Aachen erlebt sie Freundschaft und Liebe ungewöhnlicher Menschen. Der Wunsch, die Geheimnisse harmonischen Bauens in Einklang mit der Natur zu finden, verbindet Conrad und Hannah und ihre Freunde über Jahrhunderte ... vielleicht auch Kathedralen mit uralten Bäumen? Zwischen Wirklichkeit und Phantasie - das besetzte Kloster gab es, wie auch den Mann, der oben am Kapellenturm die Anarchofahne aufhing. Die Holländerholzcompanie plünderte die Baiersbronner Wälder im 18. Jahrhundert und Schwarzwaldschamanen sind Geschichte. Photos, historische Abbildungen und Zeichnungen am Anfang jedes Kapitels illustrieren den Roman

Die Schönheit historischer Gebäude zu erhalten und Lebensräume in Einklang mit der Natur zu gestalten ist schon sehr lange die Leidenschaft der selbständigen Architektin, die immer wieder Preise für Ihre Arbeiten erhielt. Ein ganz besonderes Bauvorhaben war Pate für diesen Roman: Der historische Morlokhof des Hotel Bareiss in Baiersbronn-Mitteltal, die Sanierung des Hofs der Wunderheiler. Unvergesslich blieb dieses Bauvorhaben für alle Beteiligten, ebenso wie viele Jahre zuvor die Besetzung des Johannes-Höver-Hauses in Aachen. Zu Beginn der 80er Jahre war diese Hausbesetzung, das Erleben und Leben in einem selbstverwalteten, freien Raum prägend für viele Biographien. Gebäude können, je nachdem wie sie gestaltet sind, mit welchen Materialien sie gebaut sind, Leid und Unglück verursachen oder Glück und Frieden bringen. Davon ist die Autorin überzeugt und fand es immer verwunderlich, dass es so gut wie keine Romane gibt über das Bauen, obwohl doch alle Bauschaffenden wissen, dass Bauen eines der letzten Abenteuer ist in unserer allzu abgesicherten Welt. So begab sie sich auf die Suche nach den Geheimnissen der Bauhütten und nach Geschichten über die Menschen, die Gebäude erschaffen und dem Zauber, der uns Menschen mit der Natur und mit Himmel und Erde verbindet. Sie lebt in Mittelfranken auf einem Bauernhof, den sie weitgehend selbst saniert hat.

2 Thannenfelser Tal im Nordschwarzwald


Februar 1770

Axtschläge hallen durch den stillen Wald.

„Er fällt! Achtung! Passt auf! Er fällt!“

Die hohe Krone des Baumriesen neigt sich langsam, würdig. Jaulend und splitternd reißen die Fasern des gewaltigen Baumstamms, schneller werdend rauscht das Geäst durch umgebende, kleinere Tannen, reißt Äste mit - die Krone kracht auf eine Eiche, federt stöhnend wieder hoch. Der beidseitig tief eingehauene Stamm reißt endgültig ab und das untere, gewaltige Stammende springt donnernd vom Baumstumpf nach hinten, rollt seitwärts Richtung Tal, als vorne der Wipfel auf den Boden kracht.

Die Erde bebt und ein wortloser Schrei gellt durch den verschneiten Wald.

Conrad rennt. Den Schrei und das Krachen des stürzenden Riesen in den Ohren, vor Augen die wankende Baumkrone, springt er durch den Schnee über Äste, Baumstümpfe, den Hang hinunter, atemlos, bis er nach endlos langen Minuten die Männer erreicht. Erstarrt stehen sie neben dem gefällten Holländer, die Äxte verstreut am Boden.

„Was ist passiert?“

Als keiner antwortet, folgt sein Blick dem der anderen: Nicht weit vom Baumstumpf, halb unter dem gefällten Stamm, liegt jemand. Rot sickert in den weißen Schnee. Der schwarze Hut liegt neben dem entblößten Kopf mit blondem, halblangem, wirrem Haar.

Einer flüstert: „S´isch der Hans-Jörg, vom Thannefels.“

Conrad erstarrt. Herr im Himmel, hilf! Nein! Langsam, als würd er gegen einen Sturm ankämpfen, geht er zu dem Gefallenen, kniet sich hin. Erschüttert blickt er in das Gesicht seines Freundes.

„Herrgott, Jörg, des hab ich net gewollt!“

Er ergreift eine warme Hand, die schlaff neben dem reglosen Körper liegt, mit der anderen tastet er die Brust des Freundes ab. Tränen schießen in seine Augen. Doch Jörg at ­met. Noch. Er wendet sich zu den anderen, brüllt:

„Was steht ihr so rum, er lebt noch, tut was, hebt den Baum an, oder grabt ihn drunter raus. Er lebt noch!“

Ein älterer Mann tritt zu ihm, schüttelt sacht den Kopf, legt die Hand auf Conrads Schul ­ter:

„Bua, jetzet kann nur no der Herrgott helfe.“

Ein sachter Druck der schlaffen Hand lässt ihn zurück zum Freund schauen. Hellblaue Augen schauen ihn an, aus einem Gesicht weiß wie der Schnee, ein Blick v