: Rudolf Benfey
: Matthias Brodbeck
: Erinnerungen an Friedrich Fröbel
: Books on Demand
: 9783819218101
: Frühe Schriften zur Fröbelpädagogik
: 1
: CHF 7.00
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: Allgemeines, Lexika
: German
: 144
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das vorliegende Buch gibt Einblicke in das Leben und in die Gedankenwelt Friedrich Fröbels sowie in seine Wirkungskreise. Mitte der 1840er Jahre ereilte den Journalisten und Schriftsteller Rudolf Benfey die Kunde von Friedrich Fröbel und er machte sich auf, ihn zu finden. Sie erleben in diesem Buch, wie Benfey vom'Außenstehenden' immer mehr zum'Involvierten' wird, wie aus ursprünglicher Reserviertheit Fröbels ein immer vertrauteres Neben- und Miteinander wird. Dabei erfahren Sie Fröbel als Menschen in seinem Wirkungskreis, in seinen vielfältigen sozialen Beziehungen und Sie begeben sich auf die eine oder andere"Tagesreise" im Leben des großen Pädagogen und Kindergartenerfinders. Sie erfahren von den Anfechtungen (wie dem preußischen Kindergartenverbot von 1851), aber auch den Würdigungen und Freuden, die Fröbel zu Lebzeiten erfahren hat. Rudolf Benfey, der selbst auch manche Anfechtung seiner religiösen und politischen Gesinnung wegen erfuhr, wird zum Anhänger und Verfechter Fröbelscher Ideen - auch und vor allem nach dessen Tod. Dieses Buch ist ein historisches Zeugnis, das dem Leser den Menschen Friedrich Fröbel und auch seine Ideen näherzubringen vermag.

Rudolf Benfey (geb.: 31. Dezember 1821, gest.: 21. Februar 1891) war Journalist, Pädagoge und Schriftsteller, der auch für seine engen Verbindungen zu Friedrich Fröbel und dessen Pädagogik bekannt wurde. Geboren in Nörten bei Göttingen wuchs Benfey in einer Zeit großer politischer und sozialer Umwälzungen auf, die seine späteren Aktivitäten und Ansichten maßgeblich beeinflussten. Als überzeugter Anhänger Friedrich Fröbels setzte er sich für die Verbreitung von dessen Ideen ein. Er war von der Bedeutung einer kindzentrierten Erziehung und der herausragenden Rolle des Spiels für frühkindliches Lernen überzeugt.

1. Was ich über Fröbel hörte.


Von Wiesbaden kam ich und war ganz entzückt über die interessanten Resultate der Jacotot’schen Methode, die ich im Kreisschen Institut beim französischen Sprachunterricht hatte, anwenden sehen. Dass die 11- und 12-jährigen Knaben schon nach kurzer Zeit auf Französisch ihren Lehrern Rede und Antwort stehen konnten, dass während der ganzen Stunde fast kein deutsches Wort, als höchstens bei der Interpretation einer Stelle, in deren Mund kam, hatte auf mich umso mehr Eindruck gemacht, als ich von meiner Gymnasialzeit her nur den schleppenden Unterricht in den modernen Sprachen kannte. —

Lebhaft und gesprächig, wie man im zweiundzwanzigsten Jahre ist, erzählte ich einem Mitreisenden, der sich dafür zu interessieren schien, von dem gehabten Eindrücke, als ein ebenfalls im Wagen befindlicher Mitreisender sich in die Rede mischte und sagte: „Wenn Sie sich für Unterricht so interessieren, dann hätte ich gewünscht, Sie wären vor einigen Tagen in Darmstadt gewesen, wo man in der ganzen Stadt von einem seltsamen Manne sprach, der dort Vorträge über Unterricht gehalten hat." Natürlich waren wir beide gespannt und wollten von unserem Mitreisenden Näheres hören, doch dieser, offenbar bloß Geschäftsreisender, konnte uns nur das allerseltsamste Bild von dem merkwürdigen Manne, von dem er gehört, entwerfen. Er selbst sei nicht in die Vorlesung gegangen, so lautete seine Mitteilung, aber an der Gasthofstafel, wo er gesessen, hat er zwei Tage nur von dem Manne reden gehört. Es soll ein Wundermann sein, der den Kindern das Lernen im höchsten Grade erleichtert. —

Mein anderer Mitreisender, mit dem ich vorher gesprochen, schaltete ein: „Aha, wieder eine neue Auflage des Philanthropismus, er wird den Kindern die Buchstaben auf Zuckerkuchen backen lassen!" — „Nein," fuhr der Berichterstatter fort, „so etwas war es nicht, sagten die Leute, die bei Tische darüber sprachen; es stritten sich zwei an der Tafel darüber, ob es Spielerei oder Spiele wären, u