Samstag, 07. Oktober - Angekommen
Es ist 7:28 Uhr als wir an dem Ortseingangsschild „Sassnitz“ vorbeikommen. Perfekt!
Wir fahren zu LIDL und besorgen uns dort ein Frühstück mit frischem Orangensaft. Wir sind etwas müde, aber glücklich, dass unser Plan bis hierhin aufgegangen ist.
Wir sitzen im Auto und frühstücken, als unsere Handys vibrieren.
7:28 – Mika:
Guten Morgen!
Ich wollte mal fragen, wie Eure Anreise läuft. Bekommt ihr die Fähre?
Liebe Grüße von der Insel
7:30 – Ole:
Guten Morgen,
wir sind schon in Sassnitz und Frühstücken gerade. Wir werden die Fähre wohl bekommen.
Bis später!
7:33 – Mika:
Sehr schön! Wir freuen uns auf Euch. Meldet Euch bitte, sobald ihr angekommen seid.
Wir sind im Garten und schuften.
Bis bald!
Ich gucke zu Ole und lächele. „Mika!“
Ole rollt mit den Augen und lacht.
„Da hat ein großer, blonder Däne aber wohl ganz schön viel Sehnsucht nach Dir.“
Mein Lächeln wird immer breiter. „Das will ich doch hoffen!“
„Auf jeden Fall sieht es danach aus, dass wir die beiden wiedersehen werden.“
Ich schließe die Augen und lehne meinen Kopf an die Kopfstütze auf dem Beifahrersitz. „Mika!“
Ole grinst. „Oh Mann! So wie Du jetzt schon drauf bist, würdest Du doch glatt nach Bornholm rüber schwimmen.“
Ich lache. „Wenn das die einzige Möglichkeit wäre, würde ich es in Erwägung ziehen… und mich doppelt Ärgern, dass ich immer noch keinen Motorboot-Führerschein besitze.“
Ole weiß, dass ein Motorboot Führerschein auf meiner persönlichen Lebenswunschliste weit oben steht.
„Der wäre ja eh nur für Binnengewässer.“
„Bei guter Sicht würde ich es wohl trotzdem schaffen allen Schiffen auszuweichen und irgendwann drüben anzukommen. Voraussetzung ist aber, dass das Schiff hochseetauglich ist. Also ein Fischkutter oder sowas ähnliches.“
„Zum Glück haben wir beides nicht. Weder ein seetaugliches Schiff noch den entsprechenden Führerschein.“
Ich grinse meinen Mann an. „Dann müssen wir es wohl doch besser auf die Fähre schaffen.“
Ole trinkt einen Schluck Espresso aus der Dose. „Das sehe ich auch so und darum fahren wir jetzt gleich auch Richtung Fähre. Brauchen wir noch was von hier, oder aus einer Apotheke?“
Ich schüttele den Kopf. „Nein Danke. Wir können gerne schon zum Anleger fahren und dort eventuell noch eine Stunde schlafen.
„Das klingt nach einem guten Plan.“
Ole startet den Wagen und knapp zehn Minuten später stehen wir schon auf einer Einfahrspur zur Fähre und haben unsere Bordkarten in der Hand.
Ich stelle den Sitz nach hinten und lege mir mein gestreiftes Kissen in den Nacken. So kann ich bequem sitzen und noch ein paar Minuten die Augen schließen. Beim Boarding, wird uns schon jemand wecken.
Wir schlafen noch eine Weile, dann spüren wir, dass Bewegung in die PKW Karawane kommt. Um 9:30 Uhr fahren wir auf die Fähre und stehen kurz darauf mit zwei dampfenden Bechern und knusprigen Spandauern, einem dänischen Gebäck, an Deck.
Um 9:50 Uhr macht die Fähre sich planmäßig zum Ablegen bereit.
Wir schreiben Mika per WhatsApp an, dass wir an Bord sind und bald auf Bornholm ankommen werden.
Er ist überrascht, dass die Fährtickets komplett in dänischer Sprache ausgestellt wurden, aber vielleicht gibt es auf der Rückfahrt ja deutsche Tickets.
Wir lieben den Moment, wenn die Leinen gelöst werden und der Kapitän richtig Schub gibt. Wir sitzen am dann meist draußen auf dem Aussichtsdeck und lassen uns den Wind um die Ohren wehen.
Leider erwischen wir heute nicht die ‚Povl Anker‘, sondern die jüngere ‚Hammershus‘, die deutlich weniger Sitzplätze auf dem Außendeck zu bieten hat.
Da wir mit dem PKW auf der dritten Reihe eingerückt sind, waren wir recht spät auf dem Deck und müssen uns zu einer Mutter mit zwei erwachsenen Söhnen und zwei Hunden dazu setzten.
Heute ist es überraschende knapp 20 Grad warm und es ist trocken. Bestes Wetter also, um mit dünner Jacke draußen zu sitzen.
Die Überfahrt dauert etwas über drei Stunden und gegen 13:10 Uhr erreicht uns diese Nachricht:
Mika scheint sich gerade deutlich weniger um seinen Garten zu kümmern, als darum wo wir uns gerade befinden. Der Mann ist spannend und irgendwie süß!
Wir legen ab und ab jetzt fühlt es sich wirklich nach Urlaub an. Die See ist ruhig und um 13:15 Uhr legen wir planmäßig in Rönnen an. Ich bin ja erst das zweite Mal auf Bornholm, aber ich freue mich, als wenn wir jedes Jahr herkommen würden. Dieses Jahr müssen wir nicht zu DanCenter in ´s Büro, denn der Schlüssel liegt in einem Nummern-Tresor direkt am Haus. Den Code haben wir vor ein paar Tagen per E-Mail bekommen und Bettwäsche haben wir wieder selber mitgebracht.
Die Fahrt zum Haus dauert nur knapp zwanzig Minuten. Der kleine Ort liegt nördlich von Rönne, gehört Postleizahlenmäßig sogar noch dazu. Das rot-weiße Gebäude liegt in einer Reihe mit anderen Ferienhäusern, die alle in Alleinlage stehen, aber rundherum einen Garten oder Grünstreifen besitzen. Vor dem Haus können bequem zwei Fahrzeuge hintereinander parken, der Eingang liegt and er linken Seite des Hauses. Neben der Haustür befindet sich der Schlüssel-Tresor, so dass wir das Gebäude schon in der nächsten Minute betreten können.
Das Haus ist großzügig geschnitten, hat ein riesiges Badezimmer mit Dusche und großer Badewanne. Es gibt zwei Schlafräume und eine sehr große Wohn-Essküche mit einem Tresen und vier Barhockern. Die meisten Möbel und die Wände sind weiß gestrichen. Die Schlafzimmer sind halbhoch in blau oder grün abgesetzt. Das Haus ist so toll, wie es schon auf den Fotos aussah. ‚Dänisch-Landhaus‘ würde ich es mal beschreiben.
Ich bin begeistert und freu mich darauf dem Haus ein Minimum von unserer eigenen Persönlichkeit zu verleihen und hier die nächsten 14 Tage zu verbringen.
Wir haben unser Gepäck auf ein Minimum reduziert und sind mit dem Einräumen und Auspacken schon nach etwa 30 Minuten fertig.
‚Zusammenpacken dauert immer länger‘ schießt es mir durch den Kopf, aber ich möchte jetzt gerade erstmal ankommen, statt schon an die Abreise zu denken.
Unsere Handys vibrieren und ich lasse den letzten Wäschestapel unbeachtet auf dem Bett legen.
13:58 – Mika:
Seid ihr schon angekommen?
13:59 – Emma:
Wir räumen gerade ein und beziehen die Betten.
„Emma!“ höre ich Ole aus dem Nebenraum rufen. Was schreibst Du denn da wieder?“
Ich lache. „Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.“ Ole steckt den Kopf in das Zimmer in dem ich gerade stehe.
„Übertreib es bitte nicht, sonst sehen wir die beiden erst nächste Woche, oder überhaupt nicht.“
„Möchtest Du Freya denn gerne wiedersehen?“
Ole wirkt ein wenig ertappt macht eine unbestimmte Geste mit den Händen. „Bitte übertreib es einfach nicht! Ich weiß, dass Du dich vor allem auf Mika freust, aber wir wissen gar nicht, was und wie die beiden in Bezug auf uns gerade planen.“
Da ist er wieder, mein Mann… vorsichtig, statt emotional, genau wie Freya. Mika und ich sind da völlig anders gestrickt und ich bin überzeugt der hübsche Däne erkennt einen Scherz, wenn ich ihn mache.
Ich winke ab, während mein Handy wieder vibriert. „In Ordnung, ich bin brav.“
14:00 - Mika:
Spannend!
Ich gucke Ole an. „Der Mann versteht einen Witz!“
Ole zuckt mit den Schultern. „Der Mann ist genauso verrückt wie Du! Ich werde antworten!“
„Yes, Sir!“, ich gebe mich geschlagen.
14:00 - Ole:
Wir sind mit dem Ausräumen fast fertig, ziemlich müde und müssen gleich erstmal die wichtigsten Dinge einkaufen.
„Spielverderber!“ murmele ich so laut, dass Ole es mitbekommt.
14:01 - Freya:
Sowas dachten wir uns schon!
Was haltet ihr davon, wenn wir uns morgen treffen?
Ich starre meinen Mann an. „Morgen? Warum erst morgen?“
Ole blinzelt. „Weil die beiden vermutlich gerade dieselben Diskussionen führen wie wir. Morgen ist doch prima! Bis dahin sind wir eingerichtet haben eingekauft und sind ausgeschlafen.“
Ich werfe das Mobiltelefon aufs Bett und verschränke die Arme vor der Brust.
„Na Prima!“ maule ich so laut, das mein Mann es garantiert nicht überhören kann und damit ich habe...