: Katrin S. Knopp, Anna Leyk, Johanna Schließer, Sabine Wälz
: Stuttgarts geheime Portale und wie man sie durchquert Anthologie
: Books on Demand
: 9783819218903
: 1
: CHF 5.30
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 224
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Du kennst dich in Stuttgart aus? Du glaubst, du kennst alle Ecken? Mit ihren Texten führen die Autorinnen dich durch Portale in Stuttgarts Parallelwelten, die du so in der süddeutschen Großstadt nicht erwartet hättest: Hier triffst du Zombies und sprechende Katzen, betrittst das Jenseits und die Unterwelt. Und das ist erst der halbe Weg... Erst, wenn du die sieben Geschichten gelesen hast, kannst du wirklich behaupten, die Stadt zu kennen.

Katrin Simona Knopp studierte Kunstgeschichte in Tübingen, Leipzig und Oslo. Während der Elternzeit absolvierte sie außerdem ein Aufbaustudium zur psychologischen Beraterin. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Stuttgart, wo sie Kunstgeschichte, Ethik und Psychologie unterrichtet. Frauenbilder, Körperideale und stereotype Rollenbilder sind ihre zentralen Themen. Wie kann der Mensch trotz gesellschaftlicher Zwänge seine Persönlichkeit entfalten? Dieser Frage geht die Autorin in ihrem Schreiben nach. Besonders wichtig ist ihr dabei die Erschaffung tiefgehender Emotionen und Charaktere. Außerdem fängt sie eine dichte und realistische Atmosphäre ein, die Leser:innen in fantastische Welten und ferne Epochen entführt.

Vollmondtanz – Follow the White Rabbit


Katrin S. Knopp

Bildquelle und Rechte: MSeses CC BY-SA 3.0

Vollmondtanz – Follow the White Rabbit


Damit sie mir nicht von der Schulter rutschte, krampfte ich meine Hand um den Tragegurt meiner schweren Reisetasche. Bei jedem Schritt schlug sie gegen meinen Oberschenkel. Ich rannte, so schnell ich konnte, dabei den entgegenkommenden Fußgängern und Kofferträgern auf dem Bahnsteig ausweichend. Meine Lungen brannten.

Doch es war zu spät. Mit lautem Piepen schlossen sich die Türen und langsam setzte sich der Zug Richtung München in Bewegung. Es war der letzte, der heute fuhr.

Ich wurde langsamer, blieb stehen, blickte den roten Lichtern des Zuges hinterher, der langsam beschleunigte und in die Dunkelheit verschwand. Auch die Passanten, die mir entgegenkamen, wurden weniger. Bis ich schließlich allein auf dem Bahnsteig stand.

Stuttgart! Wie lang war ich nicht mehr hier gewesen. Ein Teil meiner Vergangenheit, unter den ich endlich einen Schlussstrich hatte ziehen wollen. Nun war ich also von allen möglichen Orten ausgerechnet hier gestrandet. Und das nur, weil ich die Umsteigezeit von einer dreiviertel Stunde hatte nutzen wollen, um mir noch etwas zu essen zu holen. Wütend pfefferte ich meine Tasche zu Boden. Wie um alles in der Welt hätte ich auch ahnen sollen, dass sich die Fußwege zu den Gleisen durch die Bahnhofsumbauten von Stuttgart 21 verlängert hatten und jetzt auf Umwegen um die Bahnhofshalle führten? Was für ein schwachsinniges Bauprojekt.

Missmutig schüttelte ich den Kopf und hob die zerdrückte McDonald‘s-Tüte hoch. Immerhin hatte ich nun Ze