: Christian Busemann
: Jesus, ich und mein verrücktes heiliges Jahr Aus dem Tagebuch eines Anfängerchristen
: Adeo
: 9783863348861
: 1
: CHF 15.30
:
: Biographien, Autobiographien
: German
: 240
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Da muss es doch noch mehr geben, wofür es sich zu leben lohnt! Oder? Frisch in der Lebensmitte beschließt Autor, Ehemann und Familienvater Christian Busemann seine persönliche Umkehr zum christlichen Glauben. Dazu besinnt er sich auf seine eingerosteten religiösen Wurzeln und lernt von der Pike auf, sich voll und ganz auf Gott einzulassen: Sein Ziel ist es, eine bessere Version seiner selbst zu werden, ein Christ, der weiß, was er tut und wo er religiös beheimatet ist. Mit viel Elan und hungrig auf Neues stürzt Busemann sich in Gottesdienste, er betet auf unterschiedliche Weise, er übernachtet in der Kirche, er lebt nach den 10 Geboten und biblischen Kernversen. Natürlich absolviert er einen Glaubenskurs, er baut seine eigene Gebetskapelle aus dem Spielhaus seiner Kinder im Garten und outet sich in seinem überraschten Umfeld als wiedergeborener Christ. Hautnah, zutiefst menschlich und mit viel Humor lässt der Autor uns an seiner turbulenten wie berührenden Glaubensreise teilhaben und weckt die Lust, sich neu auf das Abenteuer Glauben einzulassen.

Christian Busemann lebt mit seiner Frau, seinen drei Kindern, einem Hund und einer Katze in Hamburg. Nach Jura-Studium und Volontariat arbeitet er zunächst als Zeitungsredakteur. Ende der 90er wagt er dann den Sprung zum Fernsehen und gründet eine eigene TV-Firma, mit der er viele Jahre die unterschiedlichsten Formate produziert. Seit mehr als zehn Jahren konzentriert er sich auf die Arbeit für unterschiedliche Moderatorinnen und Moderatoren, konzipiert Shows, Serien, Events und produziert seriellen Content für Streamer. Parallel schreibt er mit großer Freude Bücher über die großen Abenteuer des Lebens und damit auch über den eigenen Glauben.

Kalle

Oder: „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“(Matthäus 19,6;ELB).

Ich schnaufe vor Wut, und ihm ist klar, warum. Vorsichtshalber bleibt er im Sicherheitsabstand von zwanzig Metern vor mir stehen, wedelt wild mit dem Schwanz, legt die Ohren an. Ihm schwant, dass das gerade kein guter Auftritt war: durch die Büsche zu streifen, irgendwo in den Tiefen der herbstlich kargen Rhododendren zu verschwinden, die den Aufgang zu den Reihenhäusern säumen, und erst nach zehn Minuten und diversen erfolglosen Rückrufversuchen zurückzukommen. Wo er war, spielt allerdings keine Rolle mehr.

Ich gehe auf ihn zu und rufe: „Das ist nicht dein Ernst!“

Er rührt sich keinen Zentimeter vom Fleck. Wie angewachsen.

Erst jetzt zeigt sich das komplette Ausmaß der Katastrophe: Kot, wohin das Auge reicht, großzügig verschmiert, als hätte er ihn sich einmassiert, oder einfach in dicken Brocken im Fell hängend – am Rücken, an den Seiten, am Kopf, am Schwanz, schlichtweg überall. Bis auf seine weißen Tatzen, die verschont geblieben sind.

Hektisch schaue ich auf die Uhr. Mist, gleich der Video-Call mit der Redaktion. Eigentlich wollte ich bis dahin die Gäste-Dossiers und Briefings gelesen haben. Das wird nichts. Ich bin maximal überfordert und gestresst, ich habe keine Ahnung, wie ich ihn reinigen kann, wie ich alles schaffen soll, wieso mein Leben gerade jetzt und hier so ist und warum ich mir diesen Hund überhaupt angeschafft habe.

Meine Gedanken laufen Amok. Ich sehe nur noch wedelnde Scheiße vor mir, beuge mich zu dem Hund hinunter und brülle: „Du bist ein Fehler!“ Und dann noch lauter: „DU bist ein Fehler! Ich hätte dich niemals holen sollen!“

Analog zur Lautstärke dreht er sich ein und legt die Ohren noch mehr an als tierisch möglich. Sicher wünscht er es sich gerade, irgendwo anders zu sein. Würde sich lieber auflösen oder im Boden versinken oder nach Nordmazedonien zurückkehren. Nichts wedelt mehr. Ich packe ihn an seinem Halsband und merke erst in diesem Moment, dass es – natürlich – auch komplett kotverschmiert ist.

„Och, nöööö, auch das noch –SCHEISSE!“

Ein irritierter Anwohner lugt aus seinem Hauseingang hervor und fragt: „Alles in Ordnung?“

Brodelnd drehe ich mich ruckartig um und schreie: „JA! Was denn sonst!?“

Der Kopf verschwindet wieder, die Tür schließt sich.

Ich bekomme mich emotional kaum gezügelt, könnte den Köter erwürgen, ihn, der die Leine zusammen mit meiner Liebe irgendwo im Gebüsch verloren hat.

Sein Dasein erinnert mich täglich, stündlich, ja, sogar minütlich an einen der allergrößten Fehler, den ich in meinem Leben begangen habe. Der mich beinah um meine Ehe und um das innige Verhältnis zu meiner mittleren Tochter gebrachthätte und um mein Auto – weil mit Hund zu klein – und Büro in einer Psychologinnen-Praxis – weil Tiere nicht erlaubt – gebrachthat.

Die Story hinter „Kalle“ ist von so unbeschreiblicher Chuzpe und Hinterfotzigkeit gekennzeichnet, dass es dafür keine Entschuldigung gibt.

Vor vier Jahren kam ich zum ersten Mal auf die Idee, einen „Familien“-Hund anzuschaffen. Meine Frau war von Anfang an überhaupt kein Fan davon. „Drei Kinder sollten doch reichen“, sagte sie knapp, „nicht auch n