: Sabine Peer
: Heimat im Gepäck Wahre Geschichten von Südtiroler Auswanderern
: Athesia-Tappeiner Verlag
: 9788868398538
: 1
: CHF 16.80
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 288
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Bis in die späten 1960er-Jahre war Südtirol ein bitterarmes Land, das vor allem jungen Menschen wenig Perspektiven bot. Gut bezahlte Arbeit und neuer Wohnraum blieben vielfach der italienischsprachigen Bevölkerung vorbehalten. Anders als im deutschsprachigen Ausland war eine adäquate Ausbildung in deutscher Sprache kostenpflichtig und daher oft unerschwinglich. Hinzu kam die prekäre politische Lage. Die Angst vor dem italienischen Militärdienst oder mit der 'Feuernacht' von 1961 in Verbindung gebracht zu werden, bewog viele junge Männer, ihre Heimat zu verlassen. Bei den jungen Frauen war es dagegen oft der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben. Die bewegenden Erfahrungen von zwei Frauen und zwei Männern im Zuge ihrer Auswanderung werden einfühlsam und fesselnd geschildert.

Sabine Peer, Studium der Slawistik/Russisch an der Universität Wien, Ausbildung zur Lektorin an der Akademie der deutschen Medien, München; mehrjährige Tätigkeit als Redakteurin, zwei Jahre als Redaktionsleiterin. Im Athesia-Tappeiner Verlag sind von ihr die Bücher 'Südtiroler hinter Stalins Stacheldraht' und 'Dienstmädel in Bella Italia - Südtirolerinnen erzählen' erschienen.

Die totale Freiheit


Christine Paugger Schanninger, Jahrgang 1946, Bozen

1963/1964 Ludwigshafen, seit 1966 Speyer

Dein unstetes Leben in Ludwigshafen können wir nicht länger dulden! Jetzt ist Schluss damit! Du packst deine Koffer und kommst zurück! Unverzüglich! Christine las die Zeilen in Vaters Brief bereits zum dritten Mal. Noch immer glaubte sie, sich verlesen zu haben. Etwas nicht richtig verstanden zu haben. Zunächst hatte sie nur der ungewöhnlich strenge Ton des Vaters irritiert, aber langsam drang auch die Bedeutung seiner Worte in Christines Bewusstsein.Was schreibt der Vater da? Unstetes Leben? Was meint er überhaupt damit? Und noch unglaublicher war, dass man von ihr verlangte, sie solle wieder zurück nach Hause kommen. Sogar unverzüglich! Aber, ihr ging es doch so wunderbar in Ludwigshafen. Hier hatte sie jede Menge Freunde, war überherzlich in der Rheinland-Pfalz aufgenommen worden, hatte liebe Arbeitskollegen und ihre Arbeit bereitete ihr durchaus Freude. Was die Eltern da von ihr forderten, konnte doch unmöglich wahr sein.Ich will das nicht, schoss es Christine durch den Kopf, während ihr die ersten Tränen über die Backen rannen.Ich will nicht zurück nach Bozen!

Ein Blick auf die Uhr verriet Christine, dass es bald 17 Uhr war. Sie schniefte und wischte sich mit dem Handrücken die Tränen von den Wangen. Ihr blieben nur noch wenige Minuten, ehe sie abgeholt wurde. Den Br